Das Wort „Einstellung“ kommt bei mir nicht direkt vor, daher kann ich jetzt nur mutmaßen, dass du diese Textstelle hier meinst:
Die Annahmen zu Beginn des Ukraine-Krieges bei einigen Beobachtern im Westen war ja, dass Russland im Verhältnis zu seinen eingesetzten Streitkräften auf viel zu wenig Widerstand stoßen würde, weil die Ukrainer u.A. nicht motiviert genug sind. Natürlich haben die Russen wohl auch die Ausrüstung und Organisation unterschätzt, aber ohne genügend Moral in der ukrainischen Armee hätte das auch nichts genützt.
Und ich halte es auch aktuell nicht für ausgeschlossen, dass gerade wir im Westen die Ängste der Ukrainer vor einem russischen Sieg und die daraus resultierende Entschlossenheit der Ukrainer unterschätzen könnten.
Die Russen haben ja in Bachmut gezeigt, dass sie auf besetztem Gebiet zu Gräueltaten fähig sind und ich persönlich glaube, dass das damit zu tun hat, wie erbittert sich die Ukrainer direkt vor Bachmut gewehrt haben. Das hat die Soldaten frustriert und wütend gemacht, und sie haben sie an der Bevölkerung der besetzten Ortschaften gerächt.
Diese Bilder haben sehr wahrscheinlich alle ukrainischen Soldaten vor Augen und es macht für die ukrainische Führung auch absolut Sinn, den Soldaten damit, durchaus zu Recht, ein „Die oder Wir“-Szenario vor Augen zu führen. Daher kann ich mir in der aktuellen Situation sehr gut vorstellen, dass die Ukrainer eben aus berechtigter Angst vor den Russen deutlich entschlossener und länger kämpfen könnten, als wir es aus deutscher Sicht für möglich halten.
Dazu passt eine Umfrage aus der Ukraine, die im NDR-Podcast Strategien und Streitkräfte vor kam und besagte, dass die Ukrainer sich zwar auch vor einem russischem Atomwaffenangriff fürchten, aber dass ihre Angst vor einem konventionellen russischen Sieg noch konkreter ist.
Und wenn man sich z.B. in Afghanistan ansieht, wie die Taliban nach der Rückeroberung gezielt die ehemaligen Polizisten und Armee-Angehörigen jagen, kann man das auch gut nachempfinden: