U.a. LdN297 - FDP, die freie Wirtschaft und das Klima

Ich arbeite bei einem großen Konzern in einer Branche, die alles andere als klimafreundlich ist, aber meines Erachtens immer noch unter dem Radar läuft - in der Baubranche.
Kurz vor den Wahlen in Deutschland ist die Baubranche, die meist sowieso eher konservativ ist, ein wenig aufgewacht, da sich abzeichnete, dass die Grünen doch mehr Stimmen als in der Vergangenheit bekommen würden. Derzeit versuche ich etwas zu bewegen, aber es ist frustrierend, da für wirkliche Veränderungen, kein Budget zur Verfügung steht.
In Deutschland ist die größte Auftraggeberin der deutsche Staat und sowohl dieser als auch private Unternehmen beauftragen häufig die günstigste Firma. Zeit- und Kostendruck sind unglaublich hoch. Für wirkliche Innovation fehlt beides.
Ich würde mir von einer Partei wie der FDP wünschen, dass sie erkennt, dass es die politische Vorgabe braucht, dass CO2-Emissionen kompensiert werden müssen, wo sie entstehen. Es braucht nur diese politische Vorgabe und der freie Wettbewerb und die Wirtschaft erledigen den Rest.
Wenn alle am Markt CO2-Emissionen kompensieren müssen, wird mein Angebot günstiger, wenn ich innovativ und nachhaltig handle. Wenn ich aus der Erkenntnis heraus, dass ich unsere Lebensgrundlage sichern muss, nachhaltig handeln möchte, aber meine Auftraggeberin nicht die gleiche Erkenntnis hat, werde ich teurer, bekomme keine Aufträge und gehe pleite.
Im Falle des deutschen Staates und vielen Gesellschaften MUSS sogar der günstigste Anbieter genommen werden, d.h. mein nicht-innovativer, nicht-nachhaltiger Mitbewerber bekommt den Auftrag. Der Wandel vollzieht sich also nur, wenn alle Unternehmen gleichzeitig zu Gutmenschen werden und bereit sind, aus Idealismus den eigenen Fortbestand zu riskieren. Das ist nicht realistisch.

Zusätzliche Fakten: eine Tonne CO2 kann mit 25 bis 30 Euro kompensiert werden. Das Bundesumweltamt schätzt, dass die Gesellschaft pro Tonne CO2 185 Euro Schaden bezahlen muss - Tendenz steigend.
Meinen Schätzungen zufolge würde eine Kompensation von CO2 Bauvorhaben mit den derzeitigen Verfahren 5 bis 10% verteuern. Aufträge gewinnt man derzeit mit 0,5 bis 3% Vorsprung vor dem nächstgünstigen Anbieter.

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Ich teile deine Einschätzung. Wenn die Kosten für die Externalisierung der negativen Effekte direkt mitgepreist werden müssten, würden die allgemeinen Marktkräfte für eine Bevorteilung nachhaltigerer Anbieter sorgen. Wenn sich die Einsparung von CO2 in dieser Branche oder bei diesem Projekt nicht lohnen sollte, muss es natürlich weiterhin möglich sein, die entsprechenden Zertifikate (zu einem fairen Preis) am Markt zu kaufen. Es ist gesamtwirtschaftlich sinnvoll CO2 dort einzusparen, wo es verhältnismäßig günstig und daher wirtschaftlich ist.

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