Der angesprochene Impfstoff „aus Frankreich“ ist vermutlich von Valneva. Die sind noch nicht zugelassen. Auch nicht in Frankreich. Die haben gerade kürzlich erst ihre Phase 3 Studie erfolgreich abgeschlossen und sind gerade dabei, ihren Zulassungsantrag bei der EMA zu vervollständigen.
Generell gibt es keine besondere Abneigung gegen Totimpfstoffe bei der Zulassung. Es gelten halt nur für alle dieselben Zulassungsbedingungen, die unter anderem ausführliche Nachweise der Wirksamkeit, Sicherheit und Verträglichkeit in Phase 1/2/3-Studien umfassen sowie Nachweise darüber, dass der Impfstoff großtechnisch in gleichbleibender und ausreichend hoher Qualität und Reinheit hergestellt werden kann.
Die mRNA-Impfstoffe hatten da einen Vorteil: deren Herstellungsverfahren sind prinzipbedingt bereits relativ „sauber“, und im Wesentlichen konnte man dort das Verfahren, mit dem man kleine Mengen fürs Labor und die Testreihen hergestellt hat, eins zu eins in die großtechnische Massenfertigung übertragen. Dadurch entfällt ein kritischer Nachweis: dass mit einem vom „Laborverfahren“ abweichenden industriellen Herstellungsprozess exakt derselbe Stoff in selber Qualität produziert wird, wie der, mit dem die Tests gemacht wurden.
Novavax z.B. hängt meines Wissens genau an der Stelle seit Monaten fest: die hatten auch gute Testergebnisse, aber ihr Massenfertigungsverfahren produziert wohl einen nicht ausreichend reinen Impfstoff, weswegen ihr Herstellungsprozess bislang von keiner medizinischen Aufsichtsbehörde abgenommen wurde (ja, der Herstellungsprozess muss genehmigt werden, ebenso wie jede Anlage, es geht bei der Genehmigung nicht nur rein um den Impfstoff!).
Wie es bei dem Sinovac-Stoff aussieht, kann ich nur mutmaßen; da gab es aber lange Zeit viel Unklarheit zu Wirksamkeitsnachweisen, wohl auch, weil den Chinesen eine mutmaßlich geringe Wirksamkeit politisch unangenehm war und deshalb Nebelgranaten um das ganze Thema geworfen wurden. Wie es mit Informationen zur Herstellung aussieht und einer Zertifizierung von Herstellungsanlagen (in China? Durch die EMA?) ist mir ebenfalls unklar, auch, ob Sinopharm überhaupt jemals einen Zulassungsantrag gestellt hat - die EMA kann schließlich auch nur prüfen und zulassen, wenn der Hersteller beantragt. Allerdings sehe ich da so viele potenzielle Probleme, von denen jedes einzelne eine Zulassung definitiv verhindert, dass es mich kein bisschen wundert, dass der Stoff hierzulande nicht zugelassen wurde.
Die EMA ist eine unpolitische und unabhängige Autorität, und das ist auch gut so. Gerade die dauerskeptischen Impfskeptiker, die hinter allem eine Verschwörung wittern, sollten das doch sicher ebenso sehen! Es gibt daher auch gar keinen Grund, warum irgendjemand aus der Politik die Zulassung irgendwelcher speziellen Impfstoffe überhaupt „vorantreiben“ können sollte. Es ist eine wichtige Errungenschaft, dass die Politik dabei nix zu sagen hat. Daher entbehrt auch wildes Herumtheoretisieren und Raunen von wegen industrieller oder politischer Interessen jeglicher Grundlage.