Ich muss den alten threat hier nochmal aufgreifen, weil es hier ja jetzt doch noch eine weitere Entwicklung gibt:
Nachdem Herr Olearius sich aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr vor Gericht verantworten kann und seine Gerichtskosten vom Steuerzahler getragen wurden, haben seine Anwälte nun Anzeige gegen die ehemalige Chefermittlerin Brorhilker erstattet, weil im Prozess durch ihren Kronzeugen unvollständige und unwahre Aussagen getroffen worden seien. (Cum-ex-Skandal: Christian Olearius zeigt Ex-Staatsanwältin Anne Brorhilker an - DER SPIEGEL)
Inhaltlich kann ich das überhaupt nicht bewerten und da wird man abwarten müssen, was dabei herauskommt. Dem Artikel ist auch zu entnehmen, dass er bereits zwei andere Beamte des Landes NRW erfolgreich wegen der Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte verklagt hat. Mag ihm wie gesagt rechtlich alles zustehen, aber ein unschöner Beigeschmack bleibt halt, dass es für seinen Blutdruck offensichtlich kein Problem ist, mit Anwälten jeder Aussage seiner Gegner nachzujagen, aber wenn gegen ihn verhandelt werden soll, dann hat er Blutdruck. Im Ergebnis ist es also nur noch möglich Urteile zu seinen Gunsten zu erwirken, aber nicht mehr gegen ihn.
Das fiel ja jetzt noch Zusammen mit der Meldung, dass der Prozess gegen Winterkorn auch erneut wegen gesundheitlicher Probleme auf unbestimmte Zeit verschoben wird. Der war ja wegen Knieproblemen (!) bereits von 2021 ins Jahr 2024 verschoben worden und jetzt ist der 77-jährige wegen eines Unfalls im häuslichen Umfeld erneut nicht prozessfähig. Wenn er das noch 3 Jahre durchzieht, kann er sich ja berechtigte Hoffnungen machen, dass zu Lebzeiten aus gesundheitlichen Gründen kein Prozess mehr gegen ihn stattfinden kann… (Martin Winterkorn: Prozess gegen Ex-VW-Chef ausgesetzt - DER SPIEGEL)
Also wie gesagt es geht mir hier nicht darum, ob das juristisch einwandfrei ist - das mag es ja sein. Aber es kann doch nicht sein, dass zwei Personen die im Zentrum zweier der größten zeitgenössischen Betrugsfälle stehen, anscheinend in der Lage sind mit Geld, Arztgutachten und Anwälten die Prozesse so lange herauszuzögern, dass diese nicht mehr zu Stande kommen. (Ich meine die Winterkornsache läuft auch seit fast 10 Jahren! Ich weiß nicht, ob wir da jemals noch ein Urteil erleben werrden.)
Beide Fälle lassen den Eindruck entstehen, dass der Rechtsstaat nicht in der Lage ist, derlei komplexe Prozesse zufriedenstellend zu lösen. Die „Großen“ scheinen also mit dem ergaunerten Geld davon zu kommen und wir müssen die fehlenden Milliarden wieder bei den Bürgergeldempfängern zusammenkürzen. Das ist zumindest meine ganz subjektive Polemik dazu.