Im Zusammenhang mit einem Verbot von sozialen Netzwerken für australische Jugendliche habe ich mir einen alternativen Vorschlag überlegt, den ich gerne mal diskutieren würde.
Und zwar sollen stattdessen die Betreiber gesetzliche Vorgaben bekommen, was die Benutzerführung angeht.
man bekommt nur noch Posts/Videos von Personen, die man aktiv abboniert / als Freund hinzugefügt hat o.ä., und diese Posts in der genauen zeitlichen Reihenfolge
endless Scrolling darf es nicht geben, stattdessen wieder herkömmliches Blättern nach z.B. 100 Einträgen
Beide Maßnahmen lassen sich technisch leicht überwachen und entsprechen in etwa dem Funktionsumfang, den Facebook in seiner Anfangszeit hatte. Die Maßnahmen zielen darauf ab, die negativen Effekte, die soziale Netzwerke mittlerweile haben, zumindest für Jugendliche zu vermindern.
Maßnahme 1 verhindert die Sog-Wirkung. Nur, weil man Julia Klöckner folgt, bekommt man nicht automatisch Julian-Reichelt und noch schlimmeren Content (irgendwelche Russenbots) untergeschoben. Außerdem wird die algorithmische Logik ausgehebelt, dass hetzerische und kontroverse Posts weiter oben in die Timeline kommen.
Maßnahme 2 verhindert, dass man sich ewig darin verliert. Man muss immer wieder aktiv entscheiden, dass man noch mehr sehen will. Vielleicht könnte man auch verpflichtend machen, dass man nach einer gewissen Zeit gewarnt wird, wie lange man schon in der App abhängt.
Ich bin kein Jurist, aber ich stelle mir vor, dass diese Vorgaben gut durchzusetzen sind. Man könnte es ähnlich begründen wie Vorgaben bei Glücksspiel oder Alkohol/Drogen.
Persönlich würde ich es sogar auf erwachsene User anwenden, da vielleicht mit mehr Wahlmöglichkeit, aber ein Recht auf no-algorithm, eventuell als Default-Einstellung.
Das passiert bei Verschiebungen automatisch.
Den Fehler habe ich in dem anderen Thread gemacht, glaube ich. Aus Versehen zurückverschoben.
Jetzt ist er jedenfalls offen.
Eine Nutzung ohne Algorithmus könnte eine interessante Alternative zu Verbot sein. Nehmen wir an, soziale Medien müssten für Jugendliche eine zertifizierte Variante ohne Algorithmus anbieten. Das könnte eine gute Ausgangslage für dezentrale Alternativen wie Mastodon sein, für die der Verzicht auf Algorithmen ganz selbstverständlich ist. Sie wären von Vornherein jugendtauglich. Es wäre interessant, zu beobachten, wie die Platzhirsche Angebote aus dem Hut zaubern, um zu verhindern, dass die Jugend zu Mastodon und Konsorten abwandert.
Statt Social Media verbot für unter 16 jährige, Internet Führerschein für alle. Das größte Problem sind nicht Jugendliche oder Kinder, sondern Erwachsene die nicht mit dem Internet umgehen können, Verschwörungstheorien aufsitzen und in Teilen eben genau die Gefahr für die Kinder und Jugendliche darstellen, wieso man jetzt dieses verbot will.
Das sehe ich ähnlich. Das Problem an Social Media ist nicht irgendein Recommender-Algorithmus, sondern dass wir blind jeden Quatsch glauben, der unserem Weltbild entspricht.
Grundregel sollte sein: Ist es nicht zertifiziert oder überprüft, dann sollte es erst einmal als Fake betrachtet werden.
Viel zu oft teilen Leute aller politischer Lager aber (politisch relevante) Beiträge von X oder ähnlichen als wären sie Fakten und ignorieren dabei, dass die Komplexität oft nicht in 240 Zeichen passt.
Da kann ich nur zustimmen: Wir können gar nicht zu viel in digitale Bildung und Weiterbildung investieren. Ich erlebe regelmäßig bei der Arbeit, wie weit andere Länder uns in Sachen Digitalkompetenz voraus sind.
Aus meiner Sicht sollten wir die Wirkung von Empfehlungsalgorithmen nicht unterschätzen. Jenseits von Betrug kann auch ein Haufen Wahrheiten viel Schaden anrichten, wenn die Auswahl selektiv und tendenziös erfolgt. Dass die Technologie-Giganten aus den Vereinigten Staaten sich für ein ausgewogenes Gesamtbild einsetzen, glaube ich spätestens seit dem Kniefall vor Trump keine Sekunde mehr.
Die großen Tech-Konzerne investieren Millionen, um die Anwendungen psychologisch zu optimieren und NutzerInnen zum endlosen scrollen zu verleiten. Sie haben ein Interesse an sehr engen Communities, die komplett auf einer Plattform stattfinden und sich gegenseitig bestärken.
Die klassische Presse hat faktisch das Problem schwindender Abonnenten, das sie dazu bringt immer stärker auf online-Werbung und damit einhergehend Clickbait und polarisierende Meinungsartikel usw zu setzen.
Verschwörungstheorien sind auch kein neues Phänomen. Es wird durch Social Media zwar verstärkt (siehe oben), ist aber erstmal davon unabhängig.
Diese Umstände kann man nicht einfach mit einem „Internet-Führerschein“ wegwischen. Mal abgesehen davon, was für ein autoritärer Übergriff es wäre, der Bevölkerung den Zugriff auf das Internet zu entziehen, wenn sie nicht eine bestimmte staatliche Prüfung bestehen… Von der Realisierbarkeit mal ganz zu schweigen. Das hat auch nichts mit „digitaler Bildung“ zu tun, die man auch auf unzählige andere Arten fördern könnte
Es sollte eine offene, staatlich oder EU‑geförderte Open‑Source‑Plattform geben, die speziell für Kinder und Jugendliche geeignet ist. Alle anderen sozialen Plattformen sollten erst ab 16 Jahren zugänglich sein. Die geförderte Alternative müsste ohne abhängig machende Algorithmen auskommen und einen sicheren, transparenten digitalen Raum bieten.