Staatliche Buchführung

Hallo zusammen,

mir flatterte da dieser Artikel der Zeit auf den Tisch:
https://www.zeit.de/2021/22/kosten-begriff-staatshaushalt-investitionen-ausgaben-kostenrechnung-klimakrise/seite-2

Wirklich schnell zusammenfassen lässt sich das kaum, ich greife deshalb mal einen Punkt raus: Der Staat rechnet offenbar oft genug noch ohne doppelte Buchführung, also ohne z.B. Abschreibungen von Material, etc. Das ist insofern spannend, als das das eine recht kurzsichtige Planungsgrundlage ist.
Bei öffentlichen Institutionen ist sowas gar nicht so unüblich, wie man meint. Die ev. Kirchen haben da erst vor ein paar Jahren darüber diskutiert und einer der aufwendigsten Punkte war, wie man denn bestehendes Vermögen am besten bewertet, um die Abschreibungen richtig auszurechnen (dafür müsste man grob gesagt rauskriegen, welche Kirche heute wieviel kostet und wie lange sie stehen bleibt, wenn man nix macht) – es gab da aber durchaus einige, die das durchgezogen haben.
Die EKD hat dazu auch Material: Kirchliche Doppik - Kirchenfinanzen

Ich fand’s spannend, vielleicht hilft euch das auch irgendwann.

Hallo zusammen,

Vielleicht als zusätzlichen Hinweis: Hessen stellt bereits seit 10 Jahren zusätzlich zum althergebrachten kameralen Haushalt auch einen doppischen Geschäftsbericht auf. Nachfolgend findet ihr den Link zum Geschäftabschluss des Landes Hessen für 2019:

https://finanzen.hessen.de/haushalt/geschaeftsberichte/geschaeftsabschluss-2019

Damit verbunden ist auch der Gedanke die Verwaltung verstärkt über die erbrachten Leistungen zu steuern, anstatt über das Geld was jedes Jahr zur Verfügung gestellt wird. Das ist ein ziemlich großes Umdenken für die Verwaltung.

Hamburg hat seinen Haushalt übrigens schon komplett umgestellt.

Das ist zwar ein sehr spezielles aber auch sehr interessantes Thema mit großen Auswirkungen für den öffentlichen Dienst, insbesondere wenn die mit der Umstellung verbundenen Steuerungsgedanken tatsächlich gelebt werden.

Schön das das Thema hier mal angesprochen wird.

Viele Grüße
Chris

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Schwarz oder weiß ist es auch hier wieder nicht. Die Wirtschaftlichkeit wird auch bei der kammeralen Buchführung teilweise berücksichtigt (siehe z.B. Bayern: § 12 KommHV-Kameralistik, KommHV-Kameralistik: § 12 Kalkulatorische Kosten, kostenrechnende Einrichtungen - Bürgerservice). Ich befürchte, dass bei großen Entscheidungen nicht die mangelnde Datengrundlage (Kostengrundlage) das Problem ist, sondern der Wille transparent zu kommunizieren. Die Frage in Verwaltungen kann auch sein: lohnt der Aufwand zur Ermittlung einer ö-r Aufgabe. Z.B.: Was kostet ein Personalausweis?
Die Kosten von Gesetzen können teilweise schon jetzt genauer bestimmt werden, nur scheint teilweise ein Gewisses Interesse der Gesetzgeber vorhanden zu, diese nicht zu veröffentlichen. (Gerade, wenn nicht der Bund sondern z.B. Kommunen die Last zu tragen haben (siehe SGB-VIII-Reform).