Und das liegt daran, dass Parteien keinen Druck mehr auf problematische Mitglieder und vor allem Führungspersönlichkeiten ausüben, um diese zum Rücktritt zu bewegen.
Das wiederum liegt daran, dass das, was wir bei Weimer kritisieren, für weite Teile der Partei Weimers (also der Union, auch wenn er offiziell kein Mitglied ist) ganz tolle Arbeit ist. Die Merz-CDU hat Weimar nicht als Kulturminister eingesetzt, damit er neutrale, gute Arbeit dort leistet, sondern sie hat ihn gerade für das dort installiert, was er nun tut. Ähnliches könnte man auch über das Verhältnis von Trump und den Republikanern sagen.
Weite Teile der CDU-Basis finden Weimers Handlungen leider richtig. Und Weimer hat seinen Job genau deshalb: Um diese konservativen Kulturkampf-Wähler in der Partei zu halten.
Das Problem ist daher nicht Politikverdrossenheit, sondern im Gegenteil der Tribalismus, den wir in den USA im Endstadium beobachten können, der aber eben auch hier Bahnen bricht, gerade wenn es um Kulturkampf-Themen geht.
Exakt, Zurückgetreten wird für objektives Fehlverhalten (hier: schlechtes Krisenmanagement und schlechte Kommunikation), da hier eben selbst die eigene Partei aufmuckt. Kai Wegner ist zurückgetreten, weil die eigene Partei Druck auf ihn ausgeübt hat, ganz konkret weil Harald Burkart als Chef der Jungen Union Wegner offen die Unterstützung entzogen hat.
Hätte Wegner irgendwas fragwürdiges gemacht, was zur CDU-DNA passt (Maskendeals, Maut-Unsinn, Ignorieren von der Union nicht genehmen Gerichtsentscheidungen oder eben „zu harter Kulturkampf von Rechts“), würde man ihn dafür nicht fallen lassen. Inkompetenz beim Verfolgen von Unions-Zielen ist verzeihbar („der Zweck heiligt die Mittel“), Inkompetenz beim politischen Tagesgeschäft bzw. beim einfachsten politischen Handwerkszeug hingegen nicht.
Dem würde ich mich anschließen. Aber nur die Union kann ihn zum Rücktritt drängen - und für die Union ist er noch zu nützlich. So lange sein Nutzen für die Kulturkämpfer in der Union noch überwiegt, wird er wohl nicht zurücktreten. Fragt sich nur, wie lange das noch der Fall sein wird.