Nun, das ist zumindest mal ehrlich. Diese Ehrlichkeit vermisse ich in der Diskussion zuweilen.
Aber natürlich würde ich auch hier wieder zu bedenken geben, dass wenn du Russland mit der Ukraine den kleinen Finger reichst, er als nächstes die ganze Hand nehmen wird.
In der Ukraine wird aktuell halt um mehr als nur um die Ukraine gekämpft, es ist bereits jetzt ein vollständiger Stellvertreterkrieg zwischen den Systemen „West und Ost“ - die Ukrainer sind dummerweise nur zwischen die Fronten geraten.
Abrüstung fordern denke ich nahezu alle vernünftigen Menschen.
Das Problem ist halt nur, dass Abrüstung nur funktioniert, wenn alle bereit sind, mitzumachen - und ein gewisses Grundvertrauen zwischen den Partnern (vor allem den USA und Russland) herrscht. Dieses Grundvertrauen haben sowohl die USA (dank Trump, dessen Wiederwahl wie ein Damoklesschwert über allen internationalen Bemühungen der USA schwebt) als auch Russland (spätestens mit dem Angriffskrieg in der Ukraine) aber halt verspielt.
Damit haben wir wieder den klassischen Streit zwischen Realisten und Idealisten. Die tatsächlichen Gegebenheiten machen aktuell eine nukleare Abrüstungsdiskussion unmöglich, egal, wie sehr wir uns diese wünschen. Im aktuellen Klima werden weder die USA noch Russland zu Verhandlungen bereit sein. Das ist natürlich unbefriedigend. Aber welche Konsequenzen soll man daraus nun ziehen? Die Ukraine den Russen überlassen, in der Hoffnung, dass sie sich dann auf Abrüstungskontrollen einlassen und sich nicht als nächstes Moldau einverleiben?
Dass nun Friedensforschungsinstitute natürlich mehr Abrüstung fordern, ist logisch. Was sie nicht liefern können, sind konkrete Ideen, wie es zu dieser Abrüstung vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieges kommen soll.
Ich halte es jedenfalls für falsch, den implizierten russischen Drohungen mit Atomwaffen nachzugeben, eben weil kein Szenario denkbar ist, in dem das langfristig positive Früchte zieht. Im Gegenteil: Wenn Russland sieht, dass es mit Atomkriegsdrohungen politisch-militärische Siege forcieren kann - warum zur Hölle sollte Russland sich dann auf irgend eine Abrüstung einlassen?
Abrüstung kommt als Alternative in Frage, wenn sowohl Russland als auch den USA klar ist, dass „mehr Atomwaffen“ gerade kein zusätzliches Verhandlungsgewicht durch zusätzliches Drohpotential werden. Nur dann können Russland und die USA auf einen großen Teil ihrer Atomwaffen verzichten, weil sie wissen, dass sie sie ohnehin nie sinnvoll (auch nicht durch Drohung!) einsetzen können.
Die Appeasement-Logik gegen Atomwaffendrohungen wird nicht funktionieren - und eine aus Angst getriebene Politik ist grundsätzlich eine schlechte Politik, weil Angst einfach ein schrecklicher Berater ist.