Hier wäre erstmal die Frage „was ist ein normaler Job?“ und die kann man so klar nicht beantworten.

Geht es um die Gefahr, dann sind wohl einige Jobs gefährlicher als Berufssoldat, geht es um das Repräsentieren des Landes, dann müsste man es mit anderen Jobs die das tun vergleichen, also z.B. mit Beamten.

Gerade wenn wir dann auch nicht nur das Bild vom normalen Soldaten im Feld haben, sondern auch von Spezialisten für bestimmte Waffensysteme, für IT-Sicherheit etc., dann ist das Berufsbild ja nochmal differenzierter.

Ich kenne z.B. viele Amerikanische Soldaten (da wohnortnah stationiert und gemeinsamer Sport) und da würde einige gerne in Deutschland bleiben. Könnte mir durchaus vorstellen, dass ein Angebot bei der Bundeswehr da für den ein oder anderen auch interessant wäre.

Soweit ich weiß, ist „Staatsbürgerschaft gegen Wehrdienst“ ein geläufiges Konzept, zb in Israel oder Südkorea. Mir fehlt da ein wenig Augenmaß, da Kriegsdienst zur Erlangung der Staatsbürgerschaft ‚viel‘ erscheint, während ein Multiple-Choice-Test mit 37 Fragen billig wirkt

Für mich klingt es eher nach einem weiteren Versuch, um die Bundeswehr besonders attraktiv zu machen, da ihnen weniger Rekruten zugelaufen kommen. So, wie nach dem Vorstoß AKKs (der für sich genommen schon sehr problematisch war), Bundeswehrsoldatinnen und Bundeswehrsoldaten kostenlos Bahn fahren können, wenn sie ihre Uniform tragen.

Und statt „Mobilität gegen Wehrdienst“ heißt es nun eben

Beides scheint mir eine aktionistische Kurzschlussmaßnahme zu sein, um die Bundeswehr aus ihrer Patsche zu helfen. Ich würde aber auf jeden Fall zustimmen, dass weder der eine noch der andere Vorschlag wirklich an den Kern der Probleme herantritt und jeweils ein gewisses „Geschmäckle“ der blinden Bevorzugung der Soldatinnen und Soldaten hat.

Eine tiefere ideologische und zynische Basis würde ich also bei dem jetzigen Vorschlag nicht vermuten – nur ein verzweifelter Versuch, Personal heranzukommen.

Aber darum geht es bei dem Vorschlag ja gar nicht. Es geht meines Erachtens darum, dass Menschen, die für unser Land ihr Leben aufs Spiel setzen (und dazu gehört auch der Dienst in Friedenszeiten, da dieser Frieden schneller obsolet sein kann als man manchmal ahnt) eventuell schneller die Staatsangehörigkeit erhalten können als der Normalfall. Schließlich haben sie durch ihren Dienst gezeigt wie sehr sie sich mit dem Land identifizieren und bereit sind mit ihrem Leben für unsere Gesellschaft einzustehen.

Dieses Bild von Staatsbürgerschaft gegen Militärdienst hat lediglich @Margarete als Schreckensszenario aufgemalt. Einen Beleg dafür, dass dieses Szenario angestrebt wird gab es bisher nicht. Ein solches Bedenkenträgertum ist in Deutschland ja nicht unüblich, aber oft eher hinderlich.

Ich habe vor allen Menschen Respekt, die das Leben in unserem Land positiv bereichern. Aber Menschen, die ihr wichtigstes Gut, die Gesundheit und körperliche/psychische Unversehrtheit für uns riskieren sind sicher größere Leuchttürme als das Autos repariende oder Software schreibenden Individuum. Daher finde ich den Gedanken durchaus nicht schlecht.

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Als Berufsarmee konkurriert man ja quasi mit dem normalen Arbeitsmarkt.
Das Berufsrisiko kann als Soldat schon recht hoch sein. Also muss ich Interessenten etwas anbieten, was andere Arbeitgeber so nicht anbieten können.
Soweit so nachvollziehbar.

Fachkräftemangel trifft also auch die Bundeswehr.

Dieses also ein Konzept der Politik. Was wären Alternativen?

Verstärkte Automatisierung (Drohnen, Kampfroboter, KI -Einsatz)?

Schwierig…

  1. Ich stimme zu, dass es zynisch ist, elementare Dinge vom Leisten eines Wehrdienstes abhängig zu machen.

  2. Ich stimme nicht zu, dass dahinter die Absicht steht, „unliebsame Migranten zu verheizen“.

Ich kritisiere diesen Vorschlag daher aus einem anderen Grund: Es erinnert mich an die USA. Nach dem Motto: „Wenn du aus der falschen Familie kommst (=arme Familie) und studieren willst, geht zur Armee, mach zwei Touren im Ausland und die Armee finanziert dir das Studium“. Diese Praxis lehne ich einfach völlig ab.

Jemand bringt entweder das Zeug mit, die deutsche Staatsbürgerschaft zu bekommen - oder eben nicht. Wenn wir das Problem haben, dass wir wehrfähige Männer in der Bundeswehr wollen, dies aber an der Staatsbürgerschaft scheitert, muss der Zugang zur Staatsbürgerschaft erleichtert werden - aber dann für alle, nicht nur für diejenigen, die konservativ genug sind, in die Bundeswehr zu streben.

Andererseits ist es natürlich „normal“, dass zu den Voraussetzungen für die deutsche Staatsbürgerschaft gehört, sich selbst versorgen zu können (ob das gut ist kann man natürlich auch diskutieren). So gesehen kann eine Zusicherung, nach Erhalt der Staatsbürgerschaft von der Bundeswehr beschäftigt zu werden, natürlich das „Staatsangehörigkeitserwerbshindernis der Mittellosigkeit“ beseitigen. Aber Militärdienst sollte keine „Abkürzung“ zur Staatsbürgerschaft sein, das halte ich moralisch für zuhöchst problematisch.

Die Bundeswehr hatte immer dann viel Zulauf, wenn die Wirtschaft kränkelte. Da war dann die Bundeswehr eben ein praktischer Arbeitgeber, über den man selbst wenn man nur Zeitsoldat war, nahezu immer eine Anschlussverwendung bekommen hat. Solange aber Fachkräftemangel herrscht, wird es die Bundeswehr schwer haben. Da sind eben unzählige andere Berufe wesentlich angenehmer und beliebter bei denen man von Berufswegen nicht sein Leben riskieren muss.

Vielleicht sollte man zwischen dem Framing „Staatsbürgerschaft gg körperliche Unversehrtheit/Leben“ (zugespitzt) und der Frage Öffnung des Soldat_innenberufs für Ausländer_innen unterscheiden. Ersteres halte ich auch für sehr bedenklich, die Frage der Öffnung kann man dann unter verschiedenen Gesichtspunkten abwägen. Da bin ich persönlich unentschlossen.

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Weil mehrere Beiträge hier auf einen Mechanismus Staatsbürgerschaft gegen Militärdienst (aka Unversehrtheit) abzielen nochmal die Frage, woher habt ihr das? Es geht doch um eine Verkürzung der „Wartezeit“ im Gegenzug für besondere Dienste am Land (bspw. auch die Bereitschaft im Konfliktfall für den Staat den Kopf zu riskieren).

Schon länger gibt es solche Abkürzungen, bspw. durch besondere Integrationsleistungen (oder auf Geheiß des Bundespräsidenten, hatte ich zumindest mal gelesen und hoffe es stimmt noch). Mit der Bundeswehr kommt nun eine weitere Option ins Spiel und ich finde wir sollten gefährliche Dienste für die Polizei oder Feuerwehr ebenfalls mit aufnehmen.

Es stellt sich mir daher die Frage wo das Problem ist. Niemand ist gezwungen diesen Weg zu gehen. Im Zweifel muss man halt 1-2 Jahre länger dauern, so what?

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Ach, vielleicht sehe ich nur Gespenster.
Ich weiß es nicht. Vielleicht ist es ok.
Ich hätte halt Sorge, dass der Weg von „du darfst“ zu „du musst“ sehr kurz sein könnte.
Mich erschrecken die aktuellen Debatten betr. Flüchtlinge wegen Unmenschlichkeit, Unsinnigkeit und Unwahrheiten oft sehr. Vielleicht befürchte ich in diesem Spezialfall ungerechtfertigt eine Negativspirale.

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Also ich bezweifle schonmal, dass die Flüchtlinge über die bei uns aktuell diskutiert wird die Hauptzielgruppe sind.

Ersetze „Flüchtling“ durch „Migrant“. Der Satz gilt genauso.

Sehe ich nicht so. Leute die gezielt kommen weil sie in der Bundeswehr eine gute Perspektive sehen handeln wohl doch aus anderen Gründen als es ein Flüchtling täte, der vor die Wahl Bundeswehr oder Abschiebung gestellt werden würde.

Edit:
Zudem unterscheidet sich die Debatte über Flüchtlinge und Migranten für den Arbeitsmarkt dann aktuell doch auch erheblich.

Verstehe ich nicht. Sorry. Es geht doch sowieso nur um Menschen, die hier sind.
Meinst du, sie meinen, dass sie Leute im Ausland anwerben wollen mit diesem Versprechen? So hatte ich es nicht verstanden :thinking:

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So hatte ich den Text nicht verstanden, auch wenn in einem Absatz Ausländer hier ohne deutschen Pass Thema waren. In der Tat aber eine Frage die für die Diskussion sehr relevant ist.

Aber nehmen wir als Beispiel Soldaten der US Army, die gerne hier bleiben wollen (formell sind die ja quasi nicht in Deutschland). Mangels Ausbildung haben die meist aktuell nur eine Chance bei der Army als zivile Angestellte hier einen Job zu kriegen.
Die hätten doch eine ganz andere Perspektive als ein Flüchtling.

In dem Spiegelartikel steht aber auch, dass es offen sei, ob das über NATO und Europa hinaus geöffnet werden soll. Strack-Zimmermann spricht auch von europäisch denken. Da denke, Deine Sorgen @Margarete sind in puncto Ausnutzung von Geflüchteten/Migrant_innen in prekären Situationen (noch?) unbegründet.

Nachdem ich mich ein bisschen eingelesen habe, war es wohl so, dass Pistorius dafür warb, die Bundeswehr auch für Menschen ohne deutschen Pass zu öffnen und Strack-Zimmermann mit einbrachte, dass diesen dann ja dafür die Staatsbürgerschaft schneller zuerkannt werden könnte.
Und dann sind wir plötzlich in einer ganz anderen Diskussion, denn es hat ja Gründe, warum der Staat in manchen Positionen nur Beamte und in manchen nur deutsche Staatsbürger beschäftigen darf.
Die Frage ist dann plötzlich: steigt dadurch die Gefahr, dass die Bundeswehr von Spionen, Agenten oder Attentätern unterwandert wird? Plötzlich ist die Frage gar nicht mehr, ob die bei uns an der Front kämpfen sollen, sondern wir sind wohl eher im zivilen Bereich, wo kein Zugang zu kritischer Infrastruktur besteht, keine Strategien beeinflusst, keine Waffensysteme ausgespäht oder Software kompromitiert werden kann.

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Es gibt auch Menschen, die nicht die deutsche Staatsbürgerschaft annehmen wollen, obwohl sie alle Anforderungen daran erfüllen. Das ist erst vor kurzem wieder bei der Vereinfachung der doppelten Staatsbürgerschaft diskutiert worden. Für diese Menschen sollte trotzdem die freiwillige Option Bundeswehr offen stehen, wenn man eine Stelle anders nicht (mit Deutschen) besetzten kann.

Gilt nicht aber dieselbe Logik auch für PolizistInnen (mal angesehen davon, dass diese auch ihre Gesundheit und im Extremfall auch ihr Leben aufs Spiel setzen)? Hier ist aber wiederum auch ein Dienst ohne deutsche Staatsbürgerschaft möglich.

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Auch bei der Polizei wurde abgewogen, ob das sinnvoll ist. Hier ist die Situation etwas anders, weil sie im Land selbst eingesetzt wird.
So kann eben ein Polizist mit migantischer Geschichte bei Bürgern mit gleichem Herkunftsland Sprachbarrieren überwinden und besser Vertrauen aufbauen.
Ein Polizist aus Los Angeles hat erzählt, dass bei ihnen darauf geachtet wird, dass in Problemvierteln nach Möglichkeit immer ein Latino pro Streifenwagen eingeteilt wird. Auch dort ist die Pflicht zur Staatsbürgerschaft wohl erst vor kurzem gefallen - allerdings weil sie zu wenige Bewerber haben.