Signa und Hermannplatz oder: Wie man Gentrifizierung macht, sodass die Leute sie unbedingt selbst wollen

Hallo,

hier mal ein Thema was in Berlin schon ein paar Schlagzeilen gemacht hat, vermutlich noch ein paar mehr machen wird: Karstadt, Signa und der Hermannplatz.

Ausgangslage ist, dass der Hermannplatz neu gestaltet werden soll. Wie immer ist hier in Berlin der Ort um den engen Stadtraum noch einmal zu nutzen um Bodenpreise hochzutreiben, etc. Dieses Mal läuft es aber noch ein bisschen konfuser.

Die Immobilienbesitzer ist die Signa, eine Unternehmensgruppe, die einem gewissen Herrn Benko gehört. Der hatte auch was mit den Ibiza Videos zu tun, ist dicke mit Sebastian Kurz und hat sehr, sehr viel Geld. Hier mal ein Portrait: Das Benko-Reich: Liechtenstein, Luxemburg, Delaware - Addendum

Weil der Benko und die Signa wissen, dass das in Berlin etwas schwieriger wird machen sie also folgendes. Sie tun so, als ob sie ein Bürgerbeteiligungsverfahren wären, setzen die Hippe HRMBX auf und servieren Chai Latte an den Kiez um zu zeigen, dass sie sich ja total kümmern. Es gibt sogar extra online Auftritte, hier mal die Twitter-Seite https://twitter.com/nichtohneeuch, Insta haben die natürlich auch.

Klickt man dort mal auf die Seite, lernt man viel über ein hippes, freshes Konzept, an dem sich der ganze Kiez beteiligt, denn es geht ja darum die Stadt für alle zu gestalten. Also geht man mal aufs Impressum und sieht: das ist ja ein Unternehmen. Und dieses Unternehmen besitzt die Kaufhof-Immobilie am Hermannplatz. Und sie würden gerne das Gebäude komplett abreißen und ein fetten Glaskasten draufsetzen, mit dem man dann noch mehr Geld verdienen kann.

Die Berliner Zeitung hat da mal auch schon genaueres recherchiert. Lesenswerter Artikel.

Auch die taz hat gut recherchiert:

Jetzt kommt aber der Hammer. Die Filiale schreibt schwarze Zahlen, genauso wie übrigens die anderen in Berlin auch, die jetzt geschlossen werden sollen. Signa droht jetzt offen damit einen funktionierenden Laden dichtzumachen, damit man ihn nochmal neu hinstellen kann, gaukelt dem Kiez vor, sie würden mitreden können und erschleichen sich so die Stimmung der Bevölkerung. Es geht schlicht nicht darum wieder Gewinn zu machen (machen sie ja mit der Filiale), sondern um mehr Profit.

Es ist nicht verboten so etwas zu tun aber es ist natürlich alles andere als guter Stil. Es ist sicherlich auch richtig, dass Karstadt/Kaufhof ein neues Konzept für den Digitalen Handel braucht und das die Situation am Hermannplatz umgestaltet werden könnte. Dafür braucht es von Seiten der Politik konstruktive Vorschläge. Dafür braucht es auch Investitionen sicherlich. Aber alles was bisher darüber bekannt ist, lässt darauf schließen, dass es nicht für den Kiez gut ist, sondern Menschen noch mehr aus ihren Kiezen verdrängt werden.

Liebe Grüße

Kleiner Nachtrag: