Da es sich in Europa und USA „nur“ um eine bedingte Zulassung / Notfall Zulassung handelt, werden (zumindest in Europa) alle geimpften registriert um Nebenwirkungen zu beobachten und ggf. bei Problemen zu wissen wer potentiell Betroffen ist. Da kann (und wird) es zwischen durch immer mal wieder Schreckensmeldungen in den Medien geben über vermeintliche Nebenwirkungen. Diese werden sich wohl in den meisten Fällen als zufällige zeitliche Koinzidenz also zufällige zeitliche Überschneidung herausstellen ohne einen Wirkzusammenhang zur Impfung.
Siehe: MDR Aktuell – Kekulés Corona-Kompass Folge 127
Da braucht es von Politik, Medizin und seriösen Medien frühzeitig eine gute Strategie damit umzugehen und damit es nicht zu breiter Unsicherheit kommt.
Hier ein Auszug aus einem Zeit+ Artikel zum Thema Impfungen der sehr lesenswert ist (übrigens auch warum eine Masen-Impfpflicht keine gute Idee ist):
In der deutschen Gesellschaft, sagt Betsch, gebe es eine große Gruppe der Impfbefürworter. Daneben gebe es ein paar harte Impfgegner und eine ganz ordentliche Zahl von Menschen, die skeptisch und verunsichert seien. Sie nennt Betsch die Fence Sitter. Diese säßen auf dem Zaun zwischen den anderen Gruppen, und wüssten noch nicht, auf welche Seite sie springen werden.
In normalen Zeiten ist die Gruppe am Zaun nicht besonders groß. Die meisten Menschen sind sich ziemlich sicher, dass Impfungen eine gute Sache sind, mit der man sich und seine Kinder schützen kann. In außergewöhnlichen Zeiten wie in einer Pandemie aber kann die Gruppe wachsen. Mehr Menschen als sonst sind sich nicht mehr ganz so sicher, verlieren das Vertrauen oder haben es noch gar nicht gewonnen. Leute wie Bodo Schiffmann locken diese Unentschlossenen von der einen Seite. Gesundheitsbehörden, Politiker und die Zivilgesellschaft von der anderen Seite. Nun gehe es darum, dass möglichste viele Stimmen die Menschen auf die richtige Seite lotsen. Die Frage ist bloß: wie?
Eine Antwort darauf könnte ein Fall aus Dänemark geben. Und eine Geschichte, die dort im Jahr 2015 beginnt.
Damals ließen sich in Dänemark noch rund 90 Prozent aller Mädchen im Teenageralter gegen humane Papillomviren impfen, kurz: HPV. Die Viren verursachen Gebärmutterhalskrebs, eine Krebsart, an der jedes Jahr in Deutschland mehr als 1.500 meist junge Frauen sterben. Fast alle Tode hätten sich mit einer Impfung verhindern lassen, die als sehr sicher gilt. Weltweit sind heute mehr als 250 Millionen Menschen geimpft worden, schwere Komplikationen gibt es quasi nicht.
Im Frühjahr 2015 erschien in Dänemark ein Film. Er hieß: De vaccinarede Piger, die geimpften Mädchen. Es ging um junge Mädchen, deren Kreislauf verrücktspielte. Ihr Herz schlug zu schnell, immer wieder mussten sie sich setzen oder hinlegen. Einige berichteten von Kopfschmerzen, von Übelkeit, davon, dass sie sich immer wieder übergeben mussten. Viele der Eltern führten die Probleme auf die HPV-Impfung zurück. Sie warfen den Behörden vor, sich nicht um die Mädchen zu kümmern. Im Film fährt ein Bus vor, Mädchen steigen aus, manche fahren in Rollstühlen. Sie umarmen sich, sie müssen sich hinlegen. Am Ende posieren 47 Mädchen für ein trauriges Gruppenfoto.
Nach Erscheinen des Films sank die Impfquote von 90 auf unter 50 Prozent. Die Facebook-Seite der Impfkampagne Vidunverlivet („wunderbares Leben“) wurde von Impfskeptikern gekapert und schließlich geschlossen. Die Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im dänischen Parlament rief dazu auf, das Impfprogramm zu stoppen. Zwei Wochen später änderte sie ihre Meinung, aber da war es schon zu spät.
Die dänische Gesellschaft erlebte damals etwas, was Deutschland bei Covid-19 drohen könnte: Die Menschen hatten kein Vertrauen mehr.
Im Mai 2017 setzte die dänische Regierung eine neue Kampagne auf: Stop HPV. Die Gesundheitsbehörde, der Ärzteverband, die medizinischen Gesellschaften und die Verbände von Krebspatienten arbeiteten dafür zusammen. Sie folgten einem Prinzip, das sie heart-brain communication nannten: Sie veröffentlichten emotionale Statements von Frauen, die an Gebärmutterhalskrebs litten und kombinierten sie mit Fakten und Daten zur Sicherheit der HPV-Impfung. Zahlen, die belegten, dass die 47 Frauen aus der Dokumentation nicht wegen der Impfung krank geworden waren, sondern einfach nur kurz danach. Dass unter den nicht geimpften Mädchen genauso viele die Krankheit bekommen hatten wie unter den geimpften Mädchen.
Die Kampagnenmitarbeiter kamen auf zwei Wegen mit zweifelnden Eltern ins Gespräch: über Freiwillige der dänischen Krebsgesellschaft und über eine großangelegte Kampagne auf Facebook, YouTube und Instagram. Die Mitarbeiter bekamen Leitfäden, sie unterzeichneten Posts mit eigenen Namen. Cornelia Betsch sagt: „Da waren Mitarbeiter 24/7 in sozialen Medien aktiv und haben Stuss korrigiert. Und sie haben eins zu eins mit Menschen über ihre Sorgen geredet.“
Die Kampagnen-Spezialisten in Dänemark hatten zuvor eine Analyse gemacht, an wen sich die Kampagne richten sollte. Sie fanden heraus: Meistens treffen Mütter die Impfentscheidung. Also war ihr Zielpublikum Mütter von Töchtern im Alter von zehn bis vierzehn. Das ist das Alter, in dem in Dänemark gegen HPV geimpft wird.
Kenne dein Publikum – das ist eine Lektion, die auch in Deutschland wichtig werden könnte. Cornelia Betsch sagt: „Aus Umfragen wissen wir, dass Ältere und Männer sich eher impfen lassen wollen. Deswegen müssen wir jetzt zum Beispiel besonders Frauen und Jüngere in den Blick nehmen. Und wir wissen, dass Menschen, die Angst vor Covid-19 haben, sich eher impfen lassen wollen.“
Ähnlich wie in Dänemark müssten die Behörden auch hierzulande die Sorgen um die Sicherheit des Impfstoffs ernster nehmen. Sie müssten erklären, wie Impfstoffe geprüft werden und welche Sicherheitssysteme greifen, wenn es zu Komplikationen kommt.
Ein Jahr nach dem Start der dänischen Kampagne hat sich die Zahl der geimpften Mädchen wieder verdoppelt. Die Kampagne hat zurückgeholt, was verloren gegangen war: Vertrauen.
Auch heute geht es um Vertrauen. Auch heute braucht es jemanden, der den Menschen hilft, auf der richtigen Seite des Zauns zu landen.