Sicherheit der Corona App, Anreize

Für mich ist die lange Diskussion um die Sicherheit der neuen Corona App absurd: Das ist die einzige „sichere“ App auf meinem Smartphone! Wer ein Smartphone nutzt hat immer Google sowie andere Apps installiert - z.B. WhatsApp, Facebook, Maps usw. die weniger nachvollziehbar und unkontrollierbar Daten abgreifen. Der Anreiz zur Nutzung der Corona App ist durch die Aufforderung eines Geschäftsinhabers - z.B. Restaurantbesitzers überhaupt nicht anzugreifen. Jeder darf legitim den Zutritt zu seiner Wohnung, Geschäftsräumen regeln - sehr akzeptiert ist das bereits bei Diskos oder im Rotlichtviertel oder auch in Freizeitparks bzw. Fahrgeschäften hinsichtlich gesundheitlicher Eignung. Die Grenze ist nur bei öffentlichen Einrichtungen zu ziehen. Aber auch das ist zu hinterfragen, ob hier nicht eine Zutrittsvereinfachung als Anreiz genutzt werden kann. Krankenhäuser, Altenheime sollten die Corona App selbstverständlich als Zutrittsvereinfachung nutzen dürfen. Wir leben 2020 in einer neuen Situation und nicht mehr vor 10 oder 20 Jahren. Wir sollten über alle neuen technischen Mittel froh sein, die uns allen den Vorteil der geringeren Ansteckungswahrscheinlichkeit ermöglichen.

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Hierzu gibt es mehreres zu sagen:

  1. Ja, Google, Facebook, etc sammeln jede Menge Daten, deutlich mehr als es eine App die Corona trackt jemals tun würde. Dennoch ist es ein Unterschied ob ein Unternehmen, dass mit meinen Daten Geld verdienen will, meine Daten sammelt, oder der Staat, der den Bürger eventuell total überwachen möchte (hoffentlich nicht, aber man weiss ja nie, denn wenn Daten einmal da sind wird man sie eigentlich nie mehr los).
  2. Der Einsatz einer App zum Zutritt zu Restaurants etc:
    Man schätzt dass derzeit maximal 50% aller Menschen über 16 Jahren ein Smartphone haben was den Anforderungen der App genügt. Was machen wir mit dem Rest? Insbesondere denen, die sich ein neues Smartphone nicht leisten können? Sperren wir diese Leute dann aus dem sozialen Leben aus? Was ist mit Mitbürgern, die so ein Smartphone einfach nicht bedienen können? Es fallen Sehbehinderte ein, es fallen alte Leute ein, etc.
  3. Der Effekt der App ist noch ziemlich umstritten. Man experimentiert hier am offenen Volkskörper, weil es eben nicht anders geht und man schnell nach Lösungen gesucht hat. Die Virologen sind sich allgemein recht einig, dass den meisten Schutz die Kontaktbeschränkungen und der Mundschutz gebracht haben. Die App wird maximal als kleine Unterstützung bei lokalen Ausbrüchen gewertet.
  4. Und zu guter Letzt: Die Diskussion über Sicherheit welcher Software auch immer ist eigentlich niemals „absurd“, sondern Pflicht. Viel zu lange hat man das Thema Sicherheit bei Programmen und Betriebssystemen sträflich vernachlässigt. Ganz besonders wichtig ist dies bei Software aus der öffentlichen Hand, denn dort gibt es keinen Markt, der eventuell regelt, ob es „Kunden“ für die Software gibt oder nicht. Es gibt üblicherweise keine Alternative (so eben auch bei der Corona Warnapp).
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Was in der Diskussion leider gerne übersprungen wird ist die Frage, ob denn die App überhaupt dafür geeignet ist sicherzustellen, dass keine Infektion in ein Geschäft oder Gastronomiebetrieb getragen wird. Also im Klartext: heißt „grüne“ App der Handybesitzer ist nicht infiziert? Und das kann (und soll) die App eben nicht leisten.
Daher ist es auch sinnlos, wenn die App als Einlassbedingung gefordert wird. Wenn in Folge des Überprüfens des App-Status dann sogar die wirksamen und wichtigen AHA-Regeln lax gehandhabt oder gar ignoriert werden, wird das ganze sogar kontraproduktiv.
Vielleicht sollte man diesen Punkt in der Diskussion nach vorne stellen, damit würde sich einiges vereinfachen.

Die App soll ja nur eine ZUSÄTZLICHE, ergänzende Komponente im Gesamtpuzzle zur Bekämpfung der Pandemie sein. Das Virus ist sehr flexibel, deshalb muss die Bekämpfung auch auf sehr vielfältige und lernfähige Art erfolgen. Natürlich kann die App nicht die Listenerfassung z.B. in Restaurants ersetzen. War auch nicht der Inhalt meines Beitrags. Ich lehne alle „Schwarz-weiß“ Denkansätze ab. Nichts ist schlußendlich perfekt. Grundsätzlich vertraue ich der Corona App UNSERES Staates mehr als Google und den anderen kommerziellen Datensammlern. Genau das ist der Unterschied!
Eine hohe Aufmerksamkeit hinsichtlich Sicherheit und Bürgerrechte ist sehr wichtig zur Erhaltung der Demokratie. Mein Beitrag meinte nur pointiert, dass die Corona App Relativierer und Sicherheitsbedenkenträger konsequenterweise ihr Mobilphone außer Betrieb nehmen sollten.Google et. al. ist unkontrollierbar und per se nicht vertrauenswürdiger als unser Staat! Alles andere ist eine schizophrene Argumentation.

Als ich heut gelesen habe, dass die Polizei in Bayern tatsächlich die Daten aus Restaurants-Besuchslisten für Fahndungen eingesetzt hat, war ich schockiert (Quelle: https://www.br.de/nachrichten/bayern/corona-gaestelisten-polizei-sieht-bei-der-fahndung-daten-ein,S4t2xV4).

Damit wird der Sinn dahinter (Verfolgung der Infektionskette) komplett konterkariert und das Vertrauen in die Maßnahmen nachhaltig geschädigt. Ich konnte in meinem Bekanntenkreis schon beobachten, dass diese fragwürdigen Maßnahmen der bayrischen Polizei in Verbindung mit den Retaurantlisten auch mit der Corona-App gleichgesetzt wurden - obwohl da ja gar keine Daten erhoben werden, die die Polizei auswerten könnte. Trotzdem führt das zu einem massiven Vertrauensverlust und unterm Strich dazu, dass die App nicht genutzt wird bzw. falsche Daten eingetragen werden.

Wie ist das zu rechtfertigen und wie kann das überhaupt strafrechtlich genutzt werden? Wenn jemand mit Name und Handynummer in einer Restaurant-Liste auftaucht, kann das doch kein Beweis sein.

Ergänzung (23.07.20): in dieser Quelle vom SWR ist sogar von eine Anwendung bei kleinen Delikten die Rede:
„Voraussetzung sei lediglich, dass es ein Ermittlungsverfahren gebe, sagte ein Sprecher des Landesministeriums. Das Gesetz unterscheide hier nicht nach der Schwere der Straftat. Es könne sich um Ermittlungen wegen Mordes, aber auch wegen Diebstahls, Betrugs oder Hausfriedenbruchs handeln.„