Ich halte die Argumentation „man schafft auch mit 30 Stunden dasselbe wie mit 40“ auch für falsch. Das hängt zum einen sehr vom Beruf ab, und natürlich auch mit dem Optiminierungspotential.
Die Idee ist aber auch eher, dass man bei 20% weniger Arbeitszeit dann 20% mehr Menschen beschäftigen muss. Wir haben ja bei weitem keine Vollbeschäftigung. Und dass weniger Arbeit und mehr Erholung auch dafür sorgt, dass die Mitarbeiter zufriedenen, ausgeglichener, potentiell auch mental und körperlich belastbarer/gesünder sind sollte auch immer ein Argument sein.
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LIM
62
Nur sind bei gleichem Stundenlohn die Personalnebenkosten usw. für 4 Leute höher als nur für 3.
ich glaube aus dem Grund sehen manche Arbeitgeber Teilzeit eher weniger gern.
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pbf85
63
Das ist klar. Aber es ist eben auch so, dass einzelne Ausfälle weniger schwer ins Gewicht fallen und auch wenn ich weiter der Auffassung bin, dass man nicht in 6 Stunden so viel leistet wie in 7 oder 8 ist die Leistungsfähigkeit pro Stunde Arbeitszeit dennoch etwas höher. Insgesamt wiegt das die Mehrkosten für mich auf.
Nur findet man eben gar nicht so leicht Leute mit 30h. Entweder richtig Teilzeit oder Vollzeit ist meist die Forderung.
ffiene
64
Oh super, dann haben wir ja auch keinen Fachkräftemangel.
Ich denke, dass für die jetzigen Arbeitslosen einfach keine adäquaten Jobs existieren oder sie diese nicht machen wollen, und man somit schwerlich unter die 2Mio-Grenze kommen wird.
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Solange ich Chefs sehe, die mit Verachtung auf potentielle Lehrlinge schauen oder die Lehrlinge, die sie dann einstellen, nicht anständig behandeln, haben wir noch nicht genug Fachkräftemangel.
…(edit Mod.), wie viel Bürokratie da drauf geht, wie viele Dokumentationen, wie viel Zeit verschwendet wird, um sich von Angehörigen erklären zu lassen, wie man den Beruf richtig macht, wie viele sinnlose Meetings da geführt werden. …
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Ich habe nicht bestritten, dass es besonders in Mangelberufen wie Carearbeit problematisch wird. Aber diese Probleme lösen sich auch nicht dadurch, dass wir die Menschen, die in dem Bereich jetzt schon unter der physischen und psychischen Belastung ächzen (von der Bezahlung mal abgesehen) weiterhin sagen: Eigentlich müsstet ihr noch mehr arbeiten, seit froh dass es nur 40 Stunden (+Überstunden) und bis 67 Jahren ist.
Und mir ist auch klar, dass man nicht von heute auf morgen eine flächendeckende Wochenarbeitszeit von 30 Stunden einführen kann. Es ging mir darum auch mal diese Ziele und deren positiven Aspekte überhaupt mal anzusprechen, denn in der Politik findet das quasi nicht mehr statt.
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pbf85
67
Man könnte einen Bürokratieabbau aber auch dazu nutzen, dass z.B. nicht über 50% der Aktivitäten die über die Standardbetreuung hinaus gehen ausfallen müssen oder teils gar nicht mehr angeboten werden.
Oder dafür, dass alle Kinder Plätze bekommen.
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pbf85
68
Was bei den Teilzeitquoten in diesen Berufen aber ja auch nicht der Realität entspricht.
Wenn es um Arbeitsbedingungen geht sind es ja z.B. auch Faktoren wie gesplittete Schichten die insbesondere Kräfte in Vollzeit treffen, die den Job unattraktiv und noch belastender machen. Was ich aus Gesprächen heraushöre wäre da wohl eher eine breitere Personaldecke zielführend um die Kräfte zu entlasten als eine reduzierte Arbeitszeit bei noch mehr Druck für den einzelnen während der Arbeitszeit.
Breitere Personaldecke ist aber vor allem bei höherem Stundenlohn und generell höherem Personalbedarf in vielen Branchen eher unrealistisch umzusetzen.
WayneS
69
Das kommt drauf an, jedenfalls bei uns. Allerdings sind wir bereits in der dritten Kita, deswegen vermute ich, dass ich das System besser kenne als du. Typischerweise machen die Pädagogen nur die Betreuung plus kindernahe Dokumentation (Portfolios, Elterngespräche, etc.). Der übrige Kram läuft über die Einrichtungsleitung und extra Kräfte wie „pädagogische Leitung“ oder dedizierte Verwaltungsangestellte. Damit meine ich natürlich ich nicht den Kram wie Abrechnung usw., sowas machen Kitas nie selbst. Aber rein zeitlich ist es zu beobachten, dass die Pädagogen quasi die gesamte Zeit mit den Kindern verbringen.
Die übrigen Aufgaben kann man auch nicht effizienter machen. Schneller Elterngespräche führen und Portfolios schreiben?
…
Omid Nouripour gestern in der ARD „wir haben nicht zu viele Migranten, wir haben zu wenig Leute, die sich um die Migranten kümmern“.
Frage: über 40% der Lehrer in Deutschland arbeiten in Teilzeit.
Wäre es zu viel erwartet, hier kurzfristig die Vollzeit zu fordern, um die Integration zu unterstützen?
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Ja, wäre es. Die Lehrerinnen und Lehrer arbeiten ja weit überwiegend wohl kaum aus Spaß an der Freude Teilzeit, sondern weil persönliche Faktoren das nicht anders zu lassen.
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ffiene
72
Was wäre das übrigens für ein Signal? Für alle wird die Wochenarbeitszeit reduziert, außer für Carearbeit.
Das wird sicher einen großen Zulauf für letzteres geben - nicht.
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Ich glaube, so war es nicht gemeint…
Soweit ich das sehe, in der Theorie ja.
„Beamtinnen und Beamte Im Beamtenverhältnis kann auf Antrag Teilzeit bewilligt werden, wenn dienstliche Belange nicht entgegenstehen (§ 91 Abs. 1 BBG)“
Ein Notstand wäre vermutlich ein dienstlicher Belang. Wie sich das dann auf Krankmeldungen auswirkt ist dann auf einem anderen Blatt. Bin allerdings kein Fachmann für Beamtenrecht ^^ war nur der erste Google Treffer.
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pbf85
75
Vor allem wird z.B. in Bayern schon heute ohne Grund keine normale Teilzeit mehr Gewährt. Also entweder sind die schon lange in Teilzeit oder haben Kinder oder Pflegefälle daheim.
Wenn die Mutter nach einem Jahr heute aber mit reduzierter Stundenzahl zurück in den Dienst kehrt, dann ist sie immerhin für einige Stunden da. Wenn am Ende nur die Wahl bliebe zwischen Vollzeit und Elternzeit, dann würde sich schon aus der Not heraus wohl der größte Teil der Mütter für Elternzeit entscheiden müssen, weil der Beruf sich in Vollzeit kaum mit Kindern vereinbaren lässt, da man z.B. an Schließtagen der Kita keinen Urlaub bekommt oder aufgrund der Betreuungszeit der Kinder nicht schon in der ersten Stunde unterrichten kann.
Gleiches gilt für manche ältere Lehrer*innen, die noch in Teilzeit arbeiten, weil sie so viel arbeiten wie sie noch vertragen. Ich kann mir gut vorstellen, dass es bei einigen eher Richtung vorzeitiger Ruhestand rausläuft oder sie bei Vollzeit aus gesundheitlichen Gründen regelmäßig ausfallen.
Es ist ja auch nicht so, dass diese Lehrer um bei der hiesigen Diskussion zu bleiben bei vollem Gehalt weniger arbeiten, sondern dass diese Lehrer aus fundierten Grünen in Teilzeit sind.
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ffiene
76
Das wäre aber das Ergebnis, es gibt Berufe, bei denen ist das machbar, bai anderen nicht.
Sollen sie dann mehr verdienen, wenn sie doch 40 Stunden (oder Teilzeitäquivalent) arbeiten müssen?
Das führt zu einem Ungleichgewicht.
Ich steige hier nicht in die Diskussion ein.
Aber die Folge von Fachkräftemangel wird nicht sein, dass Care-Berufe länger arbeiten müssen, sondern dass die Versorgung schlechter wird, fürchte ich. Sie können ja nicht immer noch länger arbeiten. Ich fürchte, in dem Bereich muss man sowieso viel tun, um genug Arbeitskräfte zu haben, wenn der Anteil der Älteren an der Bevölkerung weiter zunimmt. Die Arbeitszeit in so anstrengenden Berufen zu reduzieren, damit die Überlastung abnimmt, wäre eigentlich ein Fundament dafür, überhaupt noch Menschen zu finden, die diese Arbeit machen.
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Im Prinzip ja. Möglich wäre ja beispielsweise, dass die Wochenstundenzahl für Vollzeit grundsätzlich reduziert wird und tarifvertragliche Möglichkeiten geschaffen werden auch Arbeitsverträge mit mehr als dieser Wochenstundenzahl (beispielsweise Regel 30h, maximal 40h) abzuschließen. Die Stunden über die neue Wochenstundenzahl hinaus müssten dann aber mit Sicherheit deutlich besser vergütet werden, damit Menschen so einen Vertrag abschließen.
Ungleichgewicht zwischen wem? Zwischen Menschen in Berufen, die auch bei verringerter Arbeitszeit die gleiche Leistung bringen können und denen, deren Beruf das nicht zulässt? Inwiefern soll das ein Problem sein, wenn wir Menschen in „Zeitleistungsberufen“ besser bezahlen? Weil dann insbesondere Care-Berufe besser bezahlt würden, ist das das Problem aus deiner Sicht?
Mike
79
Ich glaube eine Standardlösung gibt es da nicht, sehr tätigkeitsabhängig.
Teils kann man mit Arbeitszeiten flexibel agieren, teils geht das nur mit mehr Personal im Sinne von Entlastung
Tris
80
Man muss hier natürlich schon zwischen verbeamteten und Angestellten Lehrern unterscheiden. Beamte haben sehr viele Rechte und Vorteile, aber eben auch Pflichten. Da ließe sich sicher Teilzeit stoppen. Ob das klug wäre ist was anderes.
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