Selbst-Test (Corona) - Game Changer, um Inzidenz massiv zu senken

Man muss das tatsächlich mal gedanklich durchspielen:

Was sind Selbsttests?

Ich rede hier über Sars-CoV2-Antigentests,

  • die von Laien selbst einfach vorgenommen werden können (Probe aus der Nase, vorn; Spuken; Gurgeln - Auswertung vergleichbar zu einem Schwangerschaftstest)
  • deren Ergebnis innerhalb von 15-30 Min. vorliegen
  • von denen (erst) jetzt 3 Produkte zugelassen wurden

Die Mindestanforderungen in der Zulassung sind (u.a.):

  • max. 3% der Nichtinfizierten dürfen als falsch positiv erkannt werden (im Vergleich zu PCR)
  • max. 20% der Infizierten dürfen als falsch negativ erkannt werden (im Vergleich zu PCR)

Was unterscheidet Selbsttests von PCR-Tests?

Vor allem letztere Zahl zeigt, dass die Antigen-Schnelltests nicht „der kleine Bruder der PCR-Tests“ sind. Während der PCR-Test im Labor das Vorliegen der Virus-Infektion nachweist, weist der Selbsttest (wie auch die durch Fachpersonal vorzunehmenden Schnelltests) lediglich nach, ob man aktuell ansteckend (infektiös) ist.

Quelle der o.g. Informationen: Süddeutsche, 26.2.21, „Nasenabstich leicht gemacht“

Weiß jemand, wie hoch denn bezüglich der Frage „Bin ich jetzt aktuell ansteckend?“ die falsch negativen Ergebnisse der Selbsttests sind?

Praktische Anwendung

Selbsttests können also lediglich genutzt werden, um herauszufinden, ob man für die nächsten x Stunden ansteckend ist. Wenn diesbezüglich die falsch-negativen-Ergebnisse niedrig wären (s.o.), dann könnte und sollte jeder verantwortliche Mitbürger diese jedesmal nutzen, bevor sie / er in ein Pflegeheim, zur Arbeit, in die Schule geht oder in ein öffentliches Verkehrsmittel steigt. Und auch vor dem Einkaufen, vor einem Restaurant- oder Konzertbesuch etc.

Masken müssten trotzdem getragen und Abstand gehalten werden etc.

Allerdings dreht dies die Verantwortung um, im Beispiel der Schulen: Schulen bleiben nicht geschlossen, sondern an die Schüler (Eltern) wird die Verantwortung delegiert, die Schule nicht zu besuchen, wenn der Selbsttest positiv ausfällt.

Dazu muss

  • der Selbsttest sehr günstig sein (symbolische Schutzgebühr)
  • muss die Aussage „Mein Schnelltest war heute morgen positiv“ ausreichen, damit Arbeitnehmer für einen Tag bezahlt freigestellt oder Schüler einen Tat von der Schulpflicht befreit werden, um sofort den PCR-Test zu machen.

Solange als diese Tests selbst ohne „zuverlässige Zeugen“ durchgeführt werden, erfordert das viel Vertrauen in mündige Bürger …

  • dass sie sich quasi täglich testen
  • dass sie im Fall eines positiven Tests zuverlässig die richtige Konsequenz ziehen (Selbstquarantäne mit Freitestung via PCR-Test) und diesen nicht ignorieren, um Selbstquarantäne und Konsequenzen durch das Gesundheitsamt (nach dem PCR-Test) zu umgehen (die z.B. für die ja bereits arg gebeutelten Selbstständige ja nicht einfach nur „lästig“ sind)
  • dass sie nicht positive Schnelltest-Ergebnisse vorgeben, um „blau zu machen“ oder zu „schwänzen“ (z.B. weil ein Schultest ansteht).

Ich wage, zu bezweifeln, dass „die Politik“, „der Staat“ und „die Verwaltung“ dieses Vertrauen aufbringen werden …

Dabei muss man sich nur klar machen: Die meisten Ansteckungen erfolgen durch Menschen, die gar nicht wissen, dass die infiziert sind (weil sie keine Symptome haben). Daher können wir einen Großteil der Infektionen verhindern, wenn sich schon die meisten Menschen verantwortungsvoll verhalten.

Damit wären die Selbst-Tests die Game-Changer, mit denen man die Inzidenz massiv nach unten drücken könnte, oder nicht?

Selbsttest sind also kein Game Changer, mit denen man sofort alles wieder öffnen kann.
Sondern sie sind ein Game Changer, um die Inzidenz massiv zu senken … um dann (und zwar erst dann) nach und nach alles wieder zu öffnen.

Wenn dann die Gesundheitsämter - z.B. dank dem Einsatz moderner digitaler Instrumente - alle Infektionen akribisch nachverfolgen würden … ein Traum …

Kurzfristig würde die Inzidenz erst einmal massiv ansteigen (mehr Tests => mehr erkannte Infektionen) und die Gesundheitsämter wären vermutlich erst mal wieder überfordert (nicht aber die Intensivstationen). Dieses vorübergehende Phänomen spricht in keiner Weise gegen diese Strategie!

Inwieweit das der Wirtschaft helfen wird, hängt davon ab, welches Menschenbild wir als Gesellschaft haben: Sind wir bereit, uns angesichts der hochansteckenden Virus-Varianten mit anonymen Mitbürgern in Besprechungsräume, S-Bahn, Restaurants, Theater, etc. zu setzen im Vertrauen darauf, dass alle anderen genau so verantwortlich handeln würden? Wenn angesichts von Leichtsinnigen / Verantwortungslosen, Entnervten, Covidioten, … viele Menschen bei diesem Gedanken ein mulmiges Gefühl haben, werden sie weiterhin den Einzelhandel, Restaurants, etc. meiden.

And now for a complete different Story?

Könnte mal jemand bitte nochmal herausarbeiten, warum einfach zu bedienender Selbsttest (einfache Probe vorn in der Nase) nicht schon längst auf dem Markt sind?

  • Ist die Medizinindustrie erst jetzt so weit mit der Produktentwicklung, dass diese als Übergangslösung bis zur Impfung massenhaft zum Einsatz kommen können?
  • Dauert die Zulassung so lange? Wenn ja: Warum?
  • Warum weiß das BGM immer noch nicht, was es kosten würde, diese massenhaft zu verteilen?
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Aus der Süddeutschen von heute … so geht das

Spätestens in der Vorweihnachtszeit standen sie in Paris an jeder Straßenecke: kleine Zeltpavillons, in denen Corona-Schnelltests angeboten werden. Wer will, kann vorher online einen Termin vereinbaren, aber es reicht auch, einfach aufzutauchen. Um getestet zu werden, muss man die Karten seiner Krankenversicherung vorzeigen. Aber auch wer nicht Teil des französischen Gesundheitssystems ist oder seine Karte zu Hause vergessen hat, hat kein Problem: Man hinterlegt einfach nur Namen und Adresse. Das Ergebnis liegt meist zehn bis fünfzehn Minuten nach dem Test vor. Schlangen vor den Zelten gibt es selten.

Manchmal spricht das Testpersonal sogar Passanten einfach an: „Wollen Sie heute einen Test machen?“ Das Wattestäbchen in der Nase ist für die Getesteten die einzige Unannehmlichkeit: Die Kosten für die Tests übernimmt der französische Staat. Apotheken können die durchgeführten Corona-Schnelltests mit 34 Euro pro Test abrechnen. Wer bei dem Schnelltest ein positives Ergebnis bekommt, wird im Anschluss zum PCR-Test geschickt. Diese sind zwar langsamer, aber zuverlässiger.

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