Ich finde die Diskussion einerseits spannend, andererseits stört es mich zunehmend, wie viel über Sprache diskutiert wird, anstatt über Inhalte. Ich klicke immer die Beiträge in der “Talk der Nation Zusammenfassung” - E-mail an, und fast jedes Mal ist mindestens einer der meist-kommentierten Beiträge etwas über gendern / political correctness etc. Natürlich ist es ein emotionales Thema, und ein Thema, was uns persönliche betrifft, und deshalb diskutiert jeder gerne darüber (inklusive mir). Aber bringt es uns wirklich weiter, so viel über Sprache zu diskutieren, anstatt über konkrete (politische) Maßnahmen?
Ich kenne die Studien, die zeigen, wie Vorstellungen und Assoziationen vom Sprachgebrauch beeinflusst werden. Es macht deshalb Sinn, kritisch darüber nachzudenken, welche Assoziationen mit bestimmten Wörtern bestehen. Es driftet aber so langsam ins Absurde, wenn man Wörter, die seit Jahrhunderten völlig neutral und ohne jeden Bezug zu einer bestimmten Personengruppe verwendet wurden, plötzlich umdeutet. Ich stimme Ulf und den anderen völlig zu, dass “schwarz” einfach immer schon negativ konnektiert ist. Es kommt auch in allen möglichen Redewendungen vor, zb “Schwarzmalerei”. Natürlich können wir versuchen, das jetzt alles umzustellen, und unsere Sprache grundlegend zu ändern, aber ist damit wirklich irgendjemandem geholfen?
Ich persönlich sehe das auch bei anderen Wörtern so - in der Sprachgeschichte waren zum Beispiel auch die Berufsbezeichnungen, die jetzt als männlich gelten, nicht auf Männer bezogen, sondern auf den allgemeinen Beruf. Zum Beispiel wurde das Wort Bäcker genauso für Frauen wie Männer verwendet, obwohl meistens die Frauen gebacken haben. Ich selbst würde mich auch einfach als Student bezeichnen, und nicht als Studentin. Solche Worte wurden erst jetzt in den letzten Jahren umgedeutet, sodass sie plötzlich nur noch Männer bezeichnen. Man kann das jetzt nicht mehr rückgängig machen, und ich habe mich damit abgefunden, Studierende zu sein, und bestimmte Wörter nicht mehr zu verwenden. Aber es kommen ständig neue Diskussionen auf, wo man neue Wörter plötzlich so umdeutet, dass sie diskriminierend sind, dann ausführlich darüber diskutiert, und schließlich die Wörter vermieden werden, weil sie allein durch die ganze Diskussion irgendwann einen schlechten Beigeschmack haben. Versteht mich nicht falsch - ich habe absolut nichts dagegen, dass Leute ihre eigene Sprache ändern, aber ich frage mich, ob eine „Sprachpolizei“ der richtige Weg ist, das Verhalten von Menschen zu verändern. Meiner Meinung nach kommen die Assoziationen, die wir zu Wörtern haben, vor allem mit Vorbildern. Wenn in Filmen weniger schwarze Gangester vorkommen würden, dann wäre allen mehr geholfen, als wenn der Schwarzmarkt nicht mehr Schwarzmarkt heißt. Oder beim Wort “Professor” denke ich halt automatisch an einen Mann, weil ich wenige Professorinnen kenne. Deswegen sollten wir uns doch darauf konzentrieren, dass es auch viele weibliche Professoren gibt, dann haben wir das Sprachproblem nicht mehr.
Zuletzt aber noch etwas, was ich als extrem positiv wahrgenommen habe: Die Reaktion von @papaya auf die ganzen Beiträge finde ich sehr gut! Das war ein schönes Fazit.
Insgesamt wird im Lageforum einfach super angenehm diskutiert - Leute hören sich Argumente an, können Punkte nachvollziehen, und nehmen etwas aus der Diskussion mit. Da freue ich mich immer aufs lesen.