„Farbig“ wird von vielen Schwarzen Menschen aus verschiedenen Gründen abgelehnt. Der Grund, der am häufigsten genannt wird, ist folgender: Er deutet an, dass Schwarze Menschen eine „Farbe“ haben, die extra benannt wird. Es suggeriert, dass Weißsein die Norm ist und Schwarz eine Abweichung davon. Denn wenn Schwarze „farbig“ sind, sind dann weiße einfach „farblos“? Im FAQ von „der braune mob“ steht dazu: " Es gibt noch einen anderen Grund dafür, dass der Begriff “farbig” nicht okay ist:
Es klingt so, als sei weiß quasi der “Normalzustand”, die “Ausgangsposition” und als sei ein “Farbiger” sowas wie ein “angemalter” oder “eingefärbter” Weißer (dass die evolutionäre Wirklichkeit wie auch die der Proportionalitäten der Weltpopulation eine ganz andere Sprache sprechen, ist hinlänglich bekannt).
“Farbig” ist also das Konstrukt einer “Abweichung von Weiß”. Und das ist natürlich Quatsch. Genauso wenig, wie Weiße nur Schwarze mit Pigmentschwäche sind, sind Schwarze Menschen eingefärbte Weiße."
Eine Eins-zu-Eins-Übersetzung des englischen Wortes „Person of Color“ ins Deutsche ist aus verschiedenen Gründen schwierig. Es gibt ja auch im Englischen den Begriff „coloured“, der „farbig“ wahrscheinlich am nächsten kommt, aber der wird heute nicht als Selbstbezeichnung verwendet, sondern ist eine koloniale Fremdbezeichung. Als Abgrenzung zu dieser Fremdbezeichnung ist der Begriff „of Colour“ entstanden. Dahinter steht also ein Selbstermächtigungsprozess, der in der deutschen Sprache bezüglich des Wortes „farbig“ nicht stattgefunden hat.
„Dunkelhäutig“ funktioniert als Bezeichnung auch nicht, denn es geht beim Schwarzsein und bei rassistischer Diskriminierung nicht immer um die tatsächliche Hautfarbe - es gibt zB Schwarze Menschen, die hellhäutig sind, während weiße Menschen sehr gebräunt und dadurch dunkelhäutig sein können. Auch gibt es zum Beispiel in Südasien viele Menschen mit dunkler Haut. Diese sind dennoch aber nicht Schwarz.
Weshalb jetzt spezifisch die Bezeichnung „Schwarz“ ausgewählt wurde, kann ich als nicht-Schwarze Person nicht erklären, aber ich denke, das verfehlt auch das Problem. Diese Bezeichnung wurde nunmal ausgewählt und wird nun von den meisten Schwarzen Personen, Organisationen, Initiativen, etc. verwendet. Es ist ja absolut kein Aufwand für uns, statt „Schwarzmarkt“ einfach „illegaler Markt“ zu sagen. Egal ob wir es verstehen und beabsichtigen oder nicht, wenn wir weiterhin diese Begriffe verwenden, reproduzieren wir damit rassistische Denkmuster.
Abgesehen davon sollten meiner Meinung nach Selbstbezeichnungen von marginalisierten Personengruppen akzeptiert und verwendet werden. Es steht uns wohl kaum zu, diese Selbstbezeichnung zu hinterfragen und aus einer unwissener und unerfahrener Position heraus Vorschläge zu machen, nur weil es uns sinnvoller erscheint. Wie gesagt fehlen bei uns einfach der Wissens- und Erfahrungsschatz, der bei den betroffenen Personen vorliegt.
Ein letzter Gedanke: Möglicherweise ist das Wort „schwarz“ ja auch gerade wegen unseres kolonialen, rassistischen Hintergrunds so negativ konnotiert? Darüber habe ich allerdings keine Informationen, der Gedanke kam mir nur gerade in den Sinn.