Mir ging es eigentlich auch nicht um die Sowjetzeit, sondern um die Jahrhunderte über die Personen mit russischer ethnischer Identität sich im Süden der Ukraine - um diesen Raum ging es mir konkret - durch normale Migration verbreitet haben. Genauso wie viele Ukrainer in das russische Kernland oder zum Beispiel auch Deutsche in dieses Gebiet eingewandert sind.
Darauf hatte mich auch gar nicht bezogen, ich schrieb bewusst „Albaner innerhalb des Osmanischen Reiches“. Vorallem nachdem der Großteil diese Volksgruppe zum Islam konvertiert war, denn das war der Ausgangspunkt vor der späten Entwicklung der albanischen Nationalbewegung.
Hier aus einem Kapitel aus " The Routledge Handbook of Balkan and Southeast European History"
Islamization gained momentum in the seventeenth century when the majority of Albanians converted to the imperial religion.
Schon davor:
By the fifteenth century, Albanians had started to join the Ottoman army and administration. Together with Bosnian Muslims, they formed a powerful interest group in Constantinople by the sixteenth and seventeenth centuries.
[…]
Muslim Albanians played a significant role in Ottoman campaigns in Hungary in the seventeenth century. […] The prominent position held by of Sunni Albanians helps to explain why Orthodox Serbs have equated Albanians with the resented Ottoman regime, an early modern legacy that remains an obstacle to regional reconciliation.
Hier wird auch darauf verwiesen, dass Ethnizität natürlich durchaus eine Rolle gespielt hat:
Although modern concepts of ethnic identity should not be mechanically projected back into the early modern period, it would also be misleading to ignore identity patterns that were related to language and culture. Albanians obviously felt their linguistic distinctiveness in comparison with surrounding communities. Muslim Albanian identity in Kosovo and Macedonia evolved around language, customary law, faith, and Ottoman Muslim privileges, such as the right to bear arms, a dominant social position in daily life, legal privileges in lawsuits against Christians, and virtual immunity in cases of violence against Christians.
Aber:
Ethnic difference existed in early modern Balkans, but it did not gain political importance as national identity until the late nineteenth century. Religious communities constituted the main frame of reference, and they sometimes bridged differences in language.
Die Migrationsentwicklung im Kosovo ist komplex und auch nicht gerade gut dokumentiert, aber ich denke, dass dabei der eingeschränkte Status, den die Serben als überwiegend orthodoxe Christen, gegenüber dem herausgehobenen Status, den Albaner als Muslime hatten, (wie oben beschrieben) eine Rolle gespielt hat, ist anzunehmen.
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Um es mal alles zurück auf das Thema zu führen. Natürlich trägt auch die russische Erzählung von der Krim als verlorenem russischen Gebiet in vieler Hinsicht der komplexen Historie gerade dieser Halbinsel nicht Rechnung, aber das hier zeigt, dass auch die NATO sich einer sehr vereinfachten Sicht auf Kosovo bedient hat.