Das klingt nach einer sehr homogenen Gruppe, die es so nicht gibt. Wer heute schon mit seinem Lohn kaum über die Runden kommt, wird das in der Rente auch nicht tun.
Oder es ist anekdotische Evidenz. Wie @relang schon anmerkte: das ist mit den realen Zahlen so nicht belegbar.
Ich möchte nochmal auf die von mir geteilten Beiträge oben verweisen: die Zuspitzung “jung gegen alt” ist hier möglicherweise nicht die (alleinige) Frage. Es könnte auch ein bewusstes Framing sein, um die eigentlich fällige Debatte zu führen und die Überreichen weiter davor zu bewahren, sich angemessen zu beteiligen. Sebastian Klein (Buchautor von “Toxisch Reich”) jedenfalls unterstützt die These, dass es um “arm gegen reich” gehen müsste.
Ja, sehr gute Analyse. In der Merkel-Zeit konnte man solche Probleme einfach mit Geld zuschütten. Der Wirtschaft / den Steuereinnahmen ging es gut.
Doch jetzt hat sich der Wind gedreht - und wenn es an den eigenen Geldbeutel / Wohlstand geht, dann wird es ungemütlich. → Spannende Zeiten.
Die Renten mit der Inflation steigen zu lassen statt mit den Löhnen oder niedrige Renten stärker steigen zu lassen als hohe würde niemandem etwas wegnehmen. Auch würde man niemandem etwas wegnehmen, indem man die sogenannten versicherungsfremden Leistungen dort verortet, wo sie faktisch bezahlt werden, nämlich im Haushalt und nicht in der Rentenversicherung. Dann würde man zumindest mal Klarheit gewinnen, worüber wir überhaupt reden. Damit könnte man ja anfangen.
Aber bekommen tun wir, dass erstmal das Geld mit beiden Händen ausgegeben wird und die echten Reformen dann später ™ ganz bestimmt versprochen kommen werden…
Doch, damit würde man leider sehr wohl jemanden etwas wegnehmen.
Der „reiche“ Rentner hat ja jahrelang viel bezahlt, um dann weniger zu bekommen.
Nicht durch Beiträge gedeckte Leistungen (Ostdeutschland, Mütter,rente, Erziehungszeit…) sind ein Problem. Das über Steuern zu finanzieren belastet wiederum die Arbeitnehmer.
Die Rente ist ein Umlagesystem. Es wird also Jahr für Jahr das Geld umverteilt, das erwirtschaftet wird. Somit sind, ganz grundsätzlich, die Renten der ostdeutschen Rentner durch die Beiträge der ostdeutschen Arbeitnehmer gedeckt.
Bei den Schweden wird das solidarisch gelöst, da werden sowohl angesparte Rentenpunkte als auch auszuzahlende Renten gekürzt, wenn die Wirtschaft mal nicht richtig läuft. Die haben das mit der Umlage verstanden…
Aber in Deutschland scheint die Politik diese Art von Ehrlichkeit nicht leisten zu können.
Ich habe nicht gesagt, dass jemand weniger bekommen soll, sondern dass die Steigerungen unterschiedlich stark ausfallen können.
Wenn mir mein Chef eine Lohnerhöhung von 2% gibt und meinem Kollegen, der nur halb so viel verdient wie ich, 5%, hat mir mein Chef dann etwas weggenommen? Nach meinem Verständnis nicht.
Auch im Unternehmen ist es normal, dass man mit hohen Löhnen relativ gesehen weniger große Steigerungen bekommt als mit niedrigen.
Nehm ich also einem „reichen“ Rentner (dein Wort) wirklich etwas weg, wenn ich ihm bei einer eh schon guten Rente „nur“ die Inflation ersetze?
Die Diskussion gabs hier ja auch schon öfter. Es macht unter Solidaritätsaspekten viel Sinn, „eine Rente für alle“ zu entwerfen, in die dann auch Gruppen einbezogen werden, die bisher nicht dazu gehören. Und dann sind die Einzeldebatten um tatsächliche und vermeintliche Bevorzugung bestimmter Teilgruppen erledigt. Rechtlich unterschiedliche Systeme ständig miteinander ins Verhältnis setzen zu wollen, ist dagegen in meinen Augen wenig sinnvoll, weil bspw. Die Pensionen als Teil der Beamtenbesoldung nicht ohne weiteres gekürzt werden dürfen und sich daran auch nicht allzu leicht was ändern lassen wird. Wenn man ein einheitliches Rentensystem aufbaut, in das alle Berufsgruppen mit allen Einkommensarten gleichermaßen einbezogen werden, wäre das vielleicht eine rechtliche Basis, um die Beamtenpensionen schrittweise abzulösen. Ich sehe dafür aber wenig politisches Momentum, (wie für vieles, was ich sinnvoll fände).
Das kommt sehr auf das Steuersystem an. Weil das seit den 90ern permanent zugunsten der besonders Reichen umgebaut wird, ist das heute der Fall, das muss aber ja nicht so bleiben.
Natürlich lässt sich daran etwas ändern, wenn man denn wollte. Man will aber nicht. Pensionshöhen sind kein Naturgesetz und “amtsangemessene Alimentation” ist weit dehnbar, wenn man denn wollen würde. Auch Gesetze lassen sich anpassen.
Neben direkter Absenkung auf das Rentenniveau gäbe es auch unzählige weitere Optionen, z.B. Einfrieren, Wartezeiten und Anrechnungszeiten sowie Eintrittsalter ändern.
Des weiteren lässt sich das Problem langfristig vermindern, wenn man nicht mehr Hinz und Kunz verbeamtet und sich auf Kernfunktionen beschränkt (Justiz, Exekutive, Rettungsdienste, meinetwegen auch leitende Verwaltungsangehörige).
Dieses dauernde Reden der “Alternativlosigkeit” ist ja übrigens einer der Gründe, weshalb einige Wähler zur AfD gehen, obwohl sie zu vielen “alternativlosen” Themen nicht mal Positionen vertritt. Unsere Politik macht sich unglaubwürdig, wenn sie sich nur als unwirksame Verwalterin ohne echten Gestaltungsanspruch (weil “alternativlos”) präsentiert.
Ich schreibe nicht, dass man das nicht ändern kann, nur das es nicht einfach ist. Zur amtsangemessenen Alimentation gibt es ja einen bunten Strauß an Rechtssprechung auch aus jüngster Zeit, der deutlich macht, dass die in den Augen des Verfassungsgerichts aktuell meist eher unterschritten wird, von daher sind da schon Grenzen der Dehnbarkeit erreicht. Dazu kommt beim gesamten Thema Altersvorsorge, dass der Vertrauensschutz Änderungen erschwert.
Ich verstehe schon, dass es Alternativen gibt. Die wurden an anderer Stelle hier doch auch schon durchdekliniert, ich habe auch selber eine aufgezeigt. Ich sehe nur, dass diese Alternativen weder mal eben so erreichbar sind, dass sie keine Wunderheilung für die Probleme der Rentenkassen präsentieren und dass es vor allem nicht im Ansatz politische Mehrheiten für so weitreichende Reformen gibt. Wer deswegen (oder wegen irgendeines anderen Grundes als dem Wunsch nach rechtsextremer Politik) zur AfD geht, hat es auch verdient, von denen regiert zu werden.
Zu einer ernsthaften Diskussion gehört dann aber auch, Gesamteinkünfte der Rentner zu betrachten. Ich weiß z.B. das mein Vermieter und seine Ehefrau beide sehr kleine Renten erhalten (aufgrund niedriger Einzahlungen aus Angestelltenverhältnissen), aber durch die Vermietung mehrer Mehrfamilienhäuser verfügen sie über weitaus mehr Einkommen (von Vermögen ganz zu schweigen) als ich, obwohl ich bereits vergleichsweise gut verdiene.
Eine Rentenerhöhung benötigen beide sicher nicht.
Es wäre aber auch nicht zielführend, ihre Mieteinnahmen nun besonders stark einzubeziehen, denn dann würden sie sicherlich ihre bisher tatsächlich recht fairen Mieten deutlich anheben und letztlich zahlen die Mieter.
Die Belastungen sind insgesamt bereits sehr hoch in Deutschland. Anstatt neues Geld zum Zuschütten zu suchen, sollten erstmal die Ausgaben betrachtet werden.
Z.B. ist das Pensionsniveau hoher Entgeltgruppen absurd hoch im Vergleich zur Rente und wird zudem oft auch besonders lange bezogen. Ich sehe keinen Grund, warum man Pensionären ermöglichen sollte, im Alter substanziell neues Vermögen allein aus ihrer Pension aufzubauen. Das ist natürlich nur ein Baustein, aber er ist sehr offensichtlich und niemand möchte darüber auch nur im Ansatz sprechen.
Ostdeutschland war tatsächlich ein schlechtes Beispiel, stimmt. Auch wenn die Ostdeutschen Bundesländer unter gewissen alten DDR-Rentenprivilegien ächzen.
Eine geringere und innerhalb der Rentner ungleiche Steigerung der Rente (insb. unterhalb der Inflation) ist durchaus ein Wegnehmen.
Versorgungswerke aufzulösen ist auch kein Allheilmittel. Diese Versicherten bekommen ja auch eine sehr hohe Rentenleistung (außer, man nimmt was weg). Ein Vorteil wäre die breitere Verteilung von nicht beitragsgedeckten Leistungen.
Zu hohe Beamtenpensionen ist ein wichtiges Thema, hat allerdings wenig mit der aktuellen Debatte zu tun.
Schweden ist sicher nicht 1:1 auf Deutschland zu übertragen aber zumindest ein gutes Beispiel, dass man grundlegende Reformen durchaus machen kann.
Auf die Gefahr zu nerven: Man wird jemanden was wegnehmen müssen. Ich würde mich freuen, wenn diese traurige Wahrheit ausgesprochen und das Problem angegangen würde.
Eine grundlegende Reform ist dringend notwendig, kommt aber schon zu spät. Der aktuelle Vorschlag ist absolut indiskutabel, sowohl in SPD als auch in CDU Auslegung.
Es gäbe unendlich viele Lösungsmöglichkeiten (Nachhaltigkeitsfaktor, Steigerung um fixe Beträge, Beteiligung von Versorgungswerken an ungedeckten Leistungen, Steuerfinanzierung durch Vermögenssteuer, Umstrukturierung in teilw. kapitalgedeckes-/Schweden-Modell, Streichung/sinnvolle Neuaufstellung Mütterrente…).
Es ist richtig über die Rente zu streiten. Es ist sehr traurig, welche sinnlosen Minimallösungen aktuell diskutiert werden.
Ich hatte auf die Aussage geantwortet, dass es “den aktuellen Rentners doch gut geht”. Darum ging es. Sicherlich gibt es auch einige mit einer ordentlichen Rente über 2000€, und sicherlich gibt es auch die beschriebenen Rentner mit mehreren Immobilien. Darum ging es aber nicht, sondern dass es im Durchschnitt den Rentnern heute nicht wirklich gut geht, und es wird viel zu oft so getan, dass die Rentner heute im Schlaraffenland leben würden.
Man kann auch die Perspektive anders einnehmen. Nach dieser Modellrechnung profitieren in Summe Staat die jungen Menschen von dieser Reform. So ab Minute 15 wird es erklärt.
Täuscht mich mein Eindruck, oder ist die Meinung in der Gesellschaft hin zu den jüngeren Einzahlern in die Rentenkasse gekippt?
Ich lese sowohl im linken und rechten Spektrum nur Kritik, dass dieses Rentenpaket „unbezahlbar“ ist. Auf beiden Seiten wird die junge Gruppe der Union als „Umfaller“ gesehen.
Außer der Rentnerpartei SPD scheint niemand zufrieden, und das ohne, dass die SPD in den Umfragen zu profitieren scheint.
Öffnet sich durch dieses Politiktheater jetzt ein Overton-Fenster für eine echte Reform?
Bleibt das Rentenniveau jetzt stabil, startet das System später auf einem höheren Niveau – und davon profitieren nicht nur heutige Rentner, sondern alle, die in den kommenden Jahrzehnten in Rente gehen.
Danke, das ist genau der Punkt, den ich auch schon gebracht habe. Und genau daran erkennt man mMn, dass es der JU eben nicht vorrangig um die jungen Rentenversicherten geht, sondern darum, den Wohlhabenden die nächsten Steuergeschenke zu finanzieren.
Und das die JU diese Vereinbarung bei ihren scheinheiligen Forderungen natürlich unter den Tisch fallen lässt, zeigt überdeutlich, wer in dieser Koalition wirklich nicht kompromißfähig ist.
Ich hatte auf die Aussage geantwortet, dass es “den aktuellen Rentners doch gut geht”.
Aber das Problem ist, dass deine Zahlen nur bedingt etwas mit der Aussage zu tun haben. Du hast leidglich die Durchschnittsrente genannt. Aber Rentner haben mitunter andere Einkünfte. Schaut man sich das Haushaltsnettoeinkommen der Bevölkerung ab 65 Jahren an, sieht es für Rentner in der Tat nicht schlecht aus: Demografieportal - Fakten - Haushaltseinkommen im Alter . Oder auch: “Das mittlere Nettoäquivalenzeinkommen (Median) für Personen ab 65 Jahren im Ruhestand lag zuletzt bei 1 990 Euro monatlich – die eine Hälfte von ihnen hatte also weniger zur Verfügung, die andere mehr. Zum Vergleich: Das mittlere Nettoäquivalenzeinkommen der Gesamtbevölkerung lag bei rund 2 300 Euro im Monat.“ (Jede fünfte Person im Ruhestand hat maximal 1 400 Euro netto pro Monat zur Verfügung - Statistisches Bundesamt). Ich kann hier beim besten Willen keine generelle Altersarmut erkennen.