Rentenreform - Fortsetzung als Kommentar

Liebes Lage Team,

mir ist soeben ein interessanter Post in den Feed gespült worden, der sich um die Rentenreform dreht. Aus aktuellem Anlass fände ich es interessant, wenn das Thema einmal beleuchtet würde, durchaus auch mit extensivem Hintergrund.

Welche Auswirkungen hätte ein weiter sinkendes Rentenniveau, wäre das nicht letztlich sogar fair?

Was ist das Rentenniveau überhaupt?

Wie viele Menschen betrifft Altersarmut tatsächlich und wird das nicht über die Grundsicherung aufgefangen?

Wie kommt man, allgemeinverträglich, aus der ganzen Misere?

Mir wurde kürzlich gesagt, „Man hat uns vor 40 Jahren schon gesagt, die Rente gibt es irgendwann nicht mehr, heute ist sie auch noch da“. Ist in dem Zusammenhang nicht auch ein gewisses Maß an Risiko bewusst durch heute ältere Menschen, die nicht vorgesorgt haben, eingegangen worden?

Wenn ich es richtig verstehe, sollen die Renten ja aktuell vom Gehalt entkoppelt werden, das sehe ich als junger Mensch schon kritisch.

BG,

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Ich denke auch, das Thema wird und muss in der nächsten Folgen ausführlich behandelt werden. Es nimmt derzeit enorm viel Platz in der öffentlichen Diskussion ein, gerade durch die Junge Union, die berechtigte Kritik hinsichtlich der Finanzierung äußert.

Welcher Aspekt mir in der öffentlichen Diskussion fehlt ist die Pension. Warum spricht da keiner drüber? Verschlingt die nicht noch viel mehr Geld? Können wir uns die zwei-Klassen-Rente überhaupt noch leisten?

Hierzu vielleicht ein humoristischer Beitrag, um die Problematik zu verdeutlichen:

LG Florian

Junge zu Alte:

Solange die Produktivität steigt ist das reine Verhältnis irrelevant. Das Problem entsteht bei uns erst dadurch, dass die Zuwächse der Produktivität nur in die Taschen einiger Weniger gewandert sind. Diese wollen auch immer weniger Steuern zahlen welche dann über Umwege zumindest auf diese Weise im Rententopf landen.

Das Verhältnis Alt zu Jung ändert sich auch in ca 30 Jahren wieder wenn der Boomer-Bauch weg ist.

Junge Zuwanderer könnten die Lücke auch füllen (wir brauchen nicht nur Facharbeiter) aber die werden wir lieber los.

Private Alterssicherung:

Ein Grund warum Mieten explodieren. Weil Leute das als Anlage für das Alter sehen. Sprich Vermieter nehmen auch hier das Geld der Jungen für die eigene Sicherheit. Sprich die Jungen können sich weniger leisten, weil die Alten nicht auf ihre Rendite verzichten wollen.

Produktivitätssteigerung:

Wenn die Löhne steigen würden, wäre mehr Geld für die Sozialversicherungen da. Das beißt sich aber mit den Einzelinteresse der Unternehmen möglichst wenig zu zahlen. Ganz besonders, weil wir in Deutschland lieber für das Ausland als für das Inland produzieren.

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yep, wie immer. Der Mittelstand ist der Dumme. Der muss mit sehr wenig Rente klar kommen.
Die Reichen haben privat vorgesorgt und die Armen bekommen eine Grundsicherung von der öffentlichen Hand.

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Schäbig. Auch Bürger mit Grundsicherung haben teilweise ihr Leben lang Vollzeit gearbeitet, haben Kinder großgezogen, nur zu stark unter Durchschnitt verdient. Denen geht es keinen Deut besser, als dem Mittelständler und mit Sicherheit hättest du auch vor der Rente nicht mit ihnen tauschen wollen.

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wow. Grundsicherung im Alter oder Bürgergeld … das Ganze ist so dermaßen niedrig, plus dann die vielen Einzelzuschüsse, die man beantragen könnte, wenn man sie denn kennt (alle 500), während man damit kaum über die Runden kommen kann.

Klingt wieder sehr nach dem Narrativ, dass da Menschen ohne Eigenleistung in einer komfortablen sozialen Hängematte liegen.

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“Der Mittelstand” wählt seit Jahrzehnten fleissig die Parteien, die mit dem Mantra “Steuern runter, weniger Staat” den Sozialstaat und die Infrastruktur des Landes abwirtschaften. Ich bin ja auch kein Fan dieser Politik, aber hier jede Verantwortung für die Lage abzuschieben ist schon etwas dreist.

Das hätte “der Mittelstand” ohne Probleme verhindern können. Aber meiner Erfahrung nach gibt es in dieser Schicht die weitläufige Hoffnung, mal selbst zu “den Reichen” gehören zu können und dann will man natürlich nicht bei der privaten Vorsorge gestört werden. Der Reiz, sich selbst dem Sozialsystem irgendwann mal entziehen zu können wiegt bei vielen stärker als die Erkenntnis, dass man auf genau dieses Sozialsystem vermutlich mal angewiesen sein wird.

Siehe auch die elendige Diskussion um Vermögens- und Erbschaftssteuern, die nie jemanden aus “dem Mittelstand” ernsthaft betreffen würden, die aber besonders auch von diesen Menschen vehement abgelehnt werden.

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Nein, es ändert sich nicht. Das ist bereits jetzt erkennbar und war es auch schon vor ein paar Jahren. Die Boomer belasten das System kurzfristig, die Alterung der Gesellschaft jedoch dauerhaft.

Heute haben wir einen Anteil über 67 zu 20-66 von 21%, dieser steigt bis 2040 auf den höchsten Wert von 25%, sinkt dann kurz in 2040 auf 24% und geht dann wieder hoch auf 26% in 2070. Dies alles bei moderater Geburtenrate, Lebenderwartung und Wanderungssaldo.

Nur mit einem Renteneintrittsalter von 71 Jahren in 2070 käme man wieder auf 21% Anteil in der Verteilung der Gruppen Rentner zu arbeitsfähiger Bevölkerung.

(DESTATIS, Alterspyramide)

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Bitte Beamtenpensionen nicht vergessen, auch wenn die Rente natürlich der größere Block ist. Es kann aber nicht sein, dass Pensionäre sich schadlos halten können, wenn die Rente erwartbar weiter eingedampft wird.

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Ein wichtiger Aspekt, der jedoch weitgehend unbekannt ist: Menschen mit vielen Rentenpunkten leben etwa 50 Prozent länger als Menschen mit wenigen Rentenpunkten. Für einen eingezahlten Euro bekommt man eine bestimmte Anzahl Rentenpunkte und pro Rentenpunkt eine bestimmte Monatsrente. Das nennt man Äquivalenzprinzip. Aber weil es sich auf die Monatsrente bezieht und nicht auf die Lebensrente (bzw. den Barwert) ist es aufgrund der Lebenserwartung eine starke Umverteilung von unten nach oben. Meiner Meinung nach müsste die Rentenformel entsprechend angepasst werden und die höheren Renten so lange weniger erhöht werden, bis der Barwert äquivalent ist.

Studie: MPIDR - Wenig Rente, kürzeres Leben

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Um das ganze ein wenig einzufangen.

Mir geht es, auch wenn der ursprüngliche Post vielleicht etwas arg spitz formuliert war, explizit nicht darum Rentner in die Altersarmut zu stoßen.

Ich frage mich daher, wie viele Menschen es tatsächlich trifft, wenn das Rentenniveau sänke, dass diese in Grundsicherung gehen. Wie schlecht ist diese Grundsicherung überhaupt und wann bekommt man diese?

Mich interessiert der Vergleich früher zu heute. Ist das ganze beklagen der Generationenungerechtigkeit gerechtfertigt oder nicht? Wird alles besser, wenn die Boomer gestorben sind? Das habe ich auch noch nicht verstanden, warum das so sein soll. Soweit ich verstehe, ist die Geburtenrate doch immer weiter gesunken.

BG,

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Was mich an den politischen „Haltelinien“ beim Rentenniveau stört ist, dass sie nicht den richtigen helfen.

Wer sein ganzes Leben gearbeitet, aber nicht viel verdient hat, bekommt eine Rente unterhalb Grundsicherung. Dem bringt das „Rentenniveau“ gar nichts. Das ist für mich Schweinerei 1.

Wer das Rentenniveau um einen Prozentpunkt hebt, gibt einem Rentner mit doppelt so viel Rente auch doppelt so viel mehr Euro. Das ist für mich Schweinerei 2, v.a. wegen der Lebenserwartung, siehe vorletzter Post.

Ich würde mich sehr freuen, wenn bei dem Thema mal neu gedacht wird. Die Diskussion ist ekelhaft festgefahren und es fehlt an neuen Ideen. Mein Vorschlag:

  1. Hohe Bestandsrenten weniger erhöhen, bis Barwertäquivalenz hergestellt ist (spart sehr viel Geld).
  2. Bisherige Rentenansprüche von Beitrags- auf Steuerfinanzierung umstellen, kein Erwerb zusätzlicher Umlageansprüche mehr, Grundrente für alle, verpflichtende kapitalgedeckte Altersvorsorge, deren Renten (teilweise) von der Anrechnung auf Grundrente freigestellt sind. Damit gibt man die Farce dieses Umlagesystems auf und stellt auf ein individuell-kapitalgedecktes System um, das individuell in jeden Fall positiv ist, und alle wissen, dass sie ohne Vorsorge nur die Grundrente bekommen.
  3. Beamte und alle anderen Sonderformen von Rente mit ähnlichen Übergangsregeln integrieren.
  4. Denkbar wäre noch einen Teil der Rentenansprüche an den Förderalstaat zu übergeben, so wie in Belgien. Dann können reformwillige vorangehen und andere ihre Vogelstraußtaktik bis zum Untergang weitermachen.
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Liebes Lage-Team,

Eins vorweg: Das aktuelle Rentensystem hat sich überlebt und MUSS dringend reformiert werden. Das darf aber nicht auf dem Rücken derjenigen passieren die 40 Jahre oder mehr in das aktuelle System eingezahlt haben und sich für ihre Altersversorgung darauf verlassen mussten.

Und damit niemand herumrätseln muss: Ich bin 63 Jahre alt und werde noch ein paar Jahre aktiv in dieses System einzahlen. Ich werde danach eine sehr gute Rente beziehen und habe mich auch zusätzlich absichern können. Und trotzdem hat meine Generation (die bösen Babyboomer) in den letzten 20 als einzige Generation massive Einschnitte hinnehmen müssen um die „Rente zu retten“. Die ersten 20 Jahre meines Berufslebens hat mir keiner gesagt, dass ich nicht bis 65 sondern bis 67 arbeiten muss. Mir hat auch keiner gesagt, dass die „Haltelinie“ nicht mehr 60% sondern 48% ist. Und erst recht hat mir keiner gesagt, dass ich auf meine Betriebsrente und freiwillige Direktversicherung mal den Arbeitnehmer UND den Arbeitgeberanteil zur Krankenversicherung selbst übernehmen darf. Ist halt doof wenn man sozial denkt und gesetzlich versichert bleibt. Die Privatversicherten müssen das nicht abdrücken (das wäre mal einen Beitrag wert). Dass für jedes Jahr dass man später in Rente geht ein Prozent mehr der Rente versteuert werden muss hat auch keiner angekündigt. Und auch wenn ihr es immer weiter wiederholt: Es gibt schon seit Jahren keine abschlagsfreie Rente mehr mit 63. Selbst wenn ich heute 45 Beitragsjahre voll hätte müsste ich bis 64 und 8 Monate arbeiten um „abschlagsfrei“ gehen zu können. Ach ja, dass was auf meinem Rentenbescheid aktuell ausgewiesen wird bekäme ich dann trotzdem nicht, denn ich habe ja dann 2 Jahre weniger eingezahlt.

All diese schönen Überraschungen kamen 2005 plötzlich aus der Wundertüte gesprungen. Unter anderm auch weil die Kassen leer waren weil unsere Generation die Lasten der Wiedervereinigung getragen hat ( inklusive Renten für Rentner die nie ins System eingezahlt haben ) Was hat die „böse Generation“ gemacht: Schnauze gehalten und weiter gearbeitet. Damals gab es dafür ein Wort, dass immer mehr zum Fremdwort geworden ist: Solidarität.

Aber warum regen mich eure Kommentare so auf? Weil ihr immer nur die Fakten aufzählt die zur Story passen. Ja, es gibt 10-15 % der Rentner denen es im Alter sehr gut geht, weil sie rechtzeitig privat vorsorgen konnten. Bei denen dürfte die jährliche Rentensteigerung gerne geringer ausfallen. Und ja, es gibt die 10-15% mit einer Rente am Existenzminimum. Da helfen auch 5% Rentensteigerung nur bedingt.

Aber was ihr völlig ausblendet sind die 70% die zwischen 1.400€ und 2.000€ Rente im Monat erhalten, davon Steuern und Krankenversicherung, Miete und Lebenskosten decken müssen. Glaubt ihr wirklich die können es sich leisten drei Monate auf Malle zu sitzen oder auf Dauerkreuzfahrt in der Karibik zu sein. Und bei einer aktuellen durchschnittlichen Lebenserwartung von 79 Jahren(Männer) und 82 Jahren (Frauen) werden die auch nicht mehr mit 90 fröhlich über den Deich radeln, wie ihr es immer so schön sagt. Es stimmt zwar, dass Menschen jenseits der 60 immer fitter sind aber ich keine KEINEN der GESUND ist. Das ist nämlich ein großer Unterschied.

Und das konterkariert auch die tolle Idee des Arbeitens bis 70. Kaum ein Unternehmen außerhalb des öffentlichen Dienstes wird mit Freude Menschen jenseits der 65 beschäftigen (viel zu viele Ausfalltage, viel zu teuer, viel zu sinnlos in deren Weiterbildung zu investieren,…). Die Folge: Die Menschen gehen entweder trotzdem früher in Rente, mit allen Konsequenzen: Abschläge (aktuell 0,3% pro Monat plus fehlende Einzahlungen) oder sie werden einfach in die Arbeitslosigkeit verschoben und dann wundern sich alle, dass die Agentur für Arbeit uns kostenmässig um die Ohren fliegt. Und ja, die gesunde 65-jährige Fachkraft mag es geben aber sie ist die Nadel im Heuhaufen.

Zusammenfassend: Rentenreform so schnell wie möglich, private Vorsorge so schnell wie möglich, aber hört endlich auf Menschen die 1.700€ Rente im Monat erhalten pauschal als Schmarotzer darzustellen, die sich auf Kosten der „jungen Generation“ ein laues Leben machen.

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Und was ist, wenn bei dieser Rentenreform raus kommt, dass die Rente zwar nominell, also vom Euro-Betrag her, nicht sinken soll, aber jahrelang entweder gar nicht mehr oder nur noch deutlich schwächer steigt, als die Inflation?

Auch deinen Frust über die Anhebung des Rentenalters kann ich nachempfinden. Ich denke das Problem liegt hauptsächlich darin, dass die Umlagerente ein System ist, dass man im Grunde jährlich anpassen müsste und zwar an allen Ecken, also Beitragssatz, Renteneintrittsalter und Rentenhöhe.
Das müssten eigentlich die Rentenversicherten untereinander und zum kleinen Anteil die Arbeitgeber machen, in etwa so, wie die Tariflöhne ja auch zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern ausverhandelt werden.
Dadurch wäre die Akzeptanz auch höher, denn die man hätte ein gewisses Mitspracherecht als Einzahler bzw. später als Empfänger. Leider muss man sich diesen Einfluss auf der Strasse (mit Demos usw.) erkämpfen. Bei den Franzosen sehe ich da noch eine gewisse Bereitschaft aber in Deutschland aktuell leider nicht.

Auf die Gefahr hin, dass ich zu spät eingestiegen bin und das Argument bereits hier vorgebracht wurde… Es gibt auch Stimmen, die das ganz anders darstellen.

“Die zentrale Gerechtigkeitslücke in umlagefinanzierten Systemen entsteht nicht bei jung versus alt, sondern bei arm versus reich. “

Ehrlich gesagt, das erscheint mir sehr schlüssig - wie ordnet ihr das ein?

Gefunden auf LinkedIn

Wenn man sich abseits der Diskussionen hierzulande einmal mit den Systemen der Alterssicherung in anderen OECD-Ländern befasst, könnte man einiges lernen.

:backhand_index_pointing_right: Das durchschnittliche Rentenniveau bezogen auf den letzten Netto-Verdienst liegt im OECD-Durchschnitt bei 63% (Deutschland: 48%). Das durchschnittliche Renteintrittsalter liegt bei derzeit 64,7 Jahren und zukünftig bei 66,4 Jahren (Deutschland: 67 Jahre). Beide Kennzahlen weisen aber eine sehr hohe Bandbreite auf. Insbesondere das Rentenniveau schwankt zwischen 35% und 90%. Die Probleme sind OECD-weit im wesentlichen identisch, wobei der demografische Wandel in Deutschland vergleichsweise moderat ausfallen wird.

:backhand_index_pointing_right: Die leistungsfähigsten Rentensysteme zeichnen sich durch folgende Merkmale aus: Heranziehung aller Einkunftsarten, also auch Mieten und Kapitalvermögen, sehr hohe oder keine Beitragsbemessungsgrenze (z.B. Schweiz) sowie Integration von Beamten und Selbstständigen in das System. Benchmark ist ein Drei-Säulen-Modell aus umlagefinanzierter gesetzlicher Rente zur Abdeckung des Grundbedarfs, einer geförderten Betriebsrente sowie einer kapitalgedeckten Komponente, die auch zur Ansparung für Wohneigentum genutzt werden kann.

:backhand_index_pointing_right: Die zentrale Gerechtigkeitslücke in umlagefinanzierten Systemen entsteht nicht bei jung versus alt, sondern bei arm versus reich. Ein nach Geschlecht und Einkommensniveau nicht differenzierendes Eintrittsalter sorgt für enorm unterschiedliche Bezugsdauern. Ein Mann im untersten Einkommensdezil bezieht hierzulande 8 Jahre Rente, eine Frau im obersten Einkommensdezil 24 Jahre. Die impliziten Vorsteuer-Renditen der gesetzlichen Rente schwanken nach Einkommensdezilen zwischen negativ und 6,5%. Daher können in einigen Ländern einkommensschwache Personen früher in Rente gehen. Diese Art von Flexibilisierung wäre überlegenswert.

:white_check_mark: Es ist zu hoffen, dass die Rentenkommission auch einmal über den deutschen Tellerrand hinaus schaut.

Quelle: Pensions at a Glance 2025. OECD and G20 Indicators

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Und auch mal noch ergänzt, dass diese Themen auch gerne sehr von extrem rechten Kreisen für Stimmungsmache genutzt werden. Spannende Analyse dazu bezugnehmend auf den Handelsblatt-Artikel

Aufruf: Top-Ökonomen fordern vollständigen Rückzug des Rentenpakets

Wie marktfundamentale Thesen seit 20 Jahren den Boden für die AfD bereiten: Der „Hamburger Appell“ (2005) und der „offene Brief“ der 22 Ökonomen (2025).

:information_source: Kontext: 2005 initiierte der spätere AfD-Gründer und VWL-Professor Bernd Lucke den „Hamburger Appell“. Die passende Anzeigestrecke in Welt und FAZ wurde vom marktfundamentalen Think-Tank „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ (INSM) finanziert. Der Appell wurde von 243 Ökonom*innen unterzeichnet, die mit „gebotener Deutlichkeit vor Augen […] führen“ wollen, dass „Deutschland sich in einer tiefen, strukturellen Krise befindet, die drastische und schmerzhafte Reformen verlangt.“ Weiter heißt es: „Die unangenehme Wahrheit besteht deshalb darin, dass eine Verbesserung der Arbeitsmarktlage nur durch niedrigere Entlohnung der ohnehin schon Geringverdienenden, also durch eine verstärkte Lohnspreizung, möglich sein wird. Eine Abfederung dieser Entwicklung ist durch verlängerte Arbeitszeiten, verminderten Urlaubsanspruch oder höhere Leistungsbereitschaft möglich. […] Die Konsolidierung der Staatsfinanzen erfordert weitreichende Einschnitte […] Davon können auch die sozialen Sicherungssysteme nicht ausgenommen bleiben.“ Die Anzeigestrecke der INSM bringt die Weltsicht auf den Punkt: „Wer Märkte stört, mindert die gesamtwirtschaftliche Nachfrage.“ Im 2025er Wahlprogramm der AfD lebt die Idee weiter, wenn es u. a. heißt „Vorrang für den Wettbewerb.“

:red_exclamation_mark:Wissenswert: Zu den Unterzeichnern von 2005 gehörten bereits Clemens Fuest, Michael Hüther, Lars P. Feld, Justus Haucap, Monika Schnitzer, Friedrich Breyer, Bernd Raffelhüschen, Klaus M. Schmidt. Diese acht Namen findet man nun 20 Jahre später auch im Aufruf „Rentenpaket zurückziehen!“. Allen tut man sicher kein Unrecht, wenn man sie als engagierte Befürworter des „freien Marktes“ bezeichnet. Bei Monika und Klaus gehört das quasi zum Familienethos (die beiden sind verheiratet). Justus sitzt im Beraterkreis von Katharina Reiche (laut seiner Uni sei das die Anerkennung seiner Arbeit „zur evidenzbasierten Politikgestaltung“). Bernd R. sitzt im Aufsichtsrat von Union Investment & betätigt sich gerne als Sprachrohr bei der INSM. Clemens, Michael und Lars werden die meisten kennen.

:double_exclamation_mark:Inhaltlich argumentiert dieser harte Kern 20 Jahre später ähnlich schlicht wie 2005: Ausgaben für Renten & soziale Sicherung senken, „Gürtel-enger-schnallen“-& „Wir-können-uns-das nicht-leisten“-Rhetorik. Genau dieses Mantra gehörte schon zum Markenkern der frühen AfD. Dass namhafte Vertreter des ökonomischen Mainstreams in Deutschland nach 20 Jahren immer noch in dieses Horn blasen, finde ich bedenklich.

:right_arrow: Denn bedenke: Bei der Rente geht es um die reale Versorgung von Menschen. Können und wollen Erwerbstätige den Eltern und Großeltern ermöglichen, in Würde zu altern? Es geht um Zugang zu lebensnotwendigen Gütern, medizinischer Versorgung, Wohnraum, Ernährung, Pflege und Teilhabe. Meine Meinung: Das ist leistbar, volkswirtschaftlich sinnvoll & eine 1a Maßnahme gegen die AfD!

gefunden hier Wie marktfundamentale Thesen seit 20 Jahren den Boden für die AfD bereiten: Der „Hamburger Appell“ (2005) und der „offene Brief“ der 22 Ökonomen (2025). ℹ️ Kontext: 2005 initiierte der spätere… | Andreas Lerche | 51 Kommentare

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Können wir bitte nicht so tun als wäre die Alterspyramide im Jahr 2070 - in 45 Jahren - schon in Stein gemeißelt? Wir machen seit Jahrzehnten familienunfreundliche Politik und wundern uns dann, dass die Geburtenzahlen zurückgehen. Wir machen ausländerfeindliche Politik und wundern uns, dass die Einwandererzahlen nicht das selbstgemachte Problem für uns lösen. Wir versuchen ja nicht mal, das Demografieproblem anzugehen. Lieber lassen wir uns weiter von Rechten und Liberalen einreden, dass die wichtigen Konflikte “Alt gegen Jung”, “Faul gegen Fleißig” oder “Weiß gegen Braun“ und vor allem unlösbar sind.

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Selbst wenn sie die Geburtenrate und die Zuwanderung in der Statistik verändern, werden sie nicht um das Problem herumkommen, dass die Gesellschaftsformen der Zukunft nicht mehr einen pyramidalen Aufbau haben. Die nachfolgende Verteilung ergibt sich wenn ab sofort die Zuwanderung hoch und die Geburtenrate hoch wären.

Eine Bevölkerungspyramide wird es in Zukunft nicht mehr geben, sofern die Gesellschaft weiterhin diesen Wohlstand besitzt. Der Weg zu einem besseren Rentenversicherung ist die Entlastung des Faktors Arbeit von Rentenbeiträgen, längeres Arbeiten, Einbindung weiterer Quellen, etc. oder ganz radikal, die Grundrente plus Förderung privater Altersvorsorge.

Den aktuellen Rentner geht es doch gut. Und jetzt - da die Brandmauer zu den Linken gefallen ist - werden die Rentner auch in Zukunft es gut haben.
Die Gekniffenen sind die jungen Menschen, die dieses ganze kranke System finanzieren müssen. Da hatte zumindest ansatzweise die JU einmal ein klares Stop-Schild gehoben.

Soso:
Unter Berücksichtigung aller Altersrenten zeigt sich, dass monatlich im Durchschnitt nur etwa 1100 Euro auf die Konten von Millionen Rentnern in Deutschland ausgezahlt werden.

Quelle:

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