Renteneintrittsalter

Nicht nur Modelle. Es ist nachgewiesen, dass das aufnehmende Land von Einwanderung erheblich profitiert.
Siehe "Das nomadische Jahrhundert " von Gaia Vince

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Ich glaube wir reden schon von denselben.
Mal ein konkretes Beispiel aus meiner Arbeitspraxis (allerdings schon gut 5 Jahre her):

Metallbaumeister. 62 Jahre. Hat diese Pommeswagen gebaut, aus denen man z. B. Immer die Brathähnchen kaufen kann.
Nun beide Knie kaputt. Kann schlecht laufen
Auf der Haben-Seite: Meister-Titel, Ausbilderschein, recht fit in Konstruktion, aber ohne Zertifikat.
Aber: er sagte, er muss noch bis 65 Jahre arbeiten, aber um seinen Lebensstandard halten zu können (Haus, Auto, laufende Kredite für Renovierungen), kann er gehaltlich keine großen Abstriche machen zu seinem bisherigen (guten) Gehalt.
Viele Arbeitgeber wollten ihn nur zu einem Berufseinsteigergehalt einstellen, oder gar nicht weil zu alt, zuwenig Restarbeitszeit, Krankheitsrisiko.
Was macht man nun mit diesem hochqualifizierten Mann, der Vollzeit arbeiten will und kann?

Heute wären seine Karten ggf besser, trotz gleicher Problematik. Aber ist immer noch schwierig.

(Wir haben ihn später als Ausbilder in einem Berufsbildungswerk unterbekommen mit leichten Gehaltsabstrichen)

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Wenn seine Krankheit (Knie) dazu führt, dass er den Job nicht mehr machen kann, sollte das natürlich nicht zu seinem Nachteil ausgelegt werden, wenn er daher früher in Rente geht.

Wenn er noch arbeiten will (idealerweise nicht ausschließlich, weil er finanziell darauf angewiesen ist) und er was kann, sodass Unternehmen ihn haben wollen. Dann sollte es nicht daran scheitern, dass die Rahmenbedingungen beide schlechter stellen, oder der Kollege quasi umsonst arbeitet.

So jemanden dann in eine andere Funktion als Ausbilder weiter zu beschäftigen klingt für mich insgesamt nach einer sinnvollen Lösung, von der viele was haben dürften.

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Zunächst mal meine ich natürlich 6-Stellungen Gehalt. Mit bspw. 120k-160k gehört man sicherlich zu den Besserverdienern - auf der anderen Seite ist das aber auch noch keine Dimension, in der Feld gar keine Rolle mehr spielt. Tatsächlich ist es ein Problem, dass diese Leute nach längerer Betriebszugehörigkeit faktisch unkündbar sind. Und die können natürlich rechnen. Wenn man dann weiß, das Unternehmen kann einem nichts und das Arbeitsrecht schützt einen (aus meiner Sicht zu stark), dann muss man sich halt nicht mehr anstrengen und kann nur das absolut mindeste machen und sich bspw. verweigern neue Technologien zu lernen. Das die letzten Jahre durchzuziehen bringt einfach deutlich mehr Geld und Unternehmen sind die Hände gebunden. Ich kann hier leider keine Studien nennen, aber das ist, was ich regelmäßig in Gesprächen mit HR-Verantwortlichen höre.

Wichtig!! Ich werfe hier ganz sicher NICHT allen Personen vor das so zu machen! Aber wir haben uns da ein System geschaffen, in dem das möglich ist, weil Arbeitsrecht auch im Mittel-Management genauso hart greift wie für einen Fabrikarbeiter. Und das erzeugt Unfairness und demotiviert andere, die für weniger Geld deutlich mehr leisten.

Diese Personen sind aber befangen und werden kaum eine objektive Meinung haben. Diese Personen mögen natürlich keine Mitarbeiter die sich nicht einfach mit Abfindung vertreiben lassen.

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So ist es. Und wer schon mal versucht hat, auch mit guter Qualifikation mit Ende 50 einen neuen Job zu finden, kommt auch zu dem Schluss, dass es mit dem Arbeitskräftemangel so schlimm offenbar doch nicht sein kann: Ältere bei Jobsuche im Nachteil - Hans-Böckler-Stiftung

Wir sollten am Ton arbeiten.

Die Aussage „Hobby“ von @riodoro bezog sich m.E. auf die Freiwilligkeit, soweit ich informiert bin wird man in Deutschland heute nicht gezwungen Kinder zu bekommen.

Im Gegenzug finde ich es jetzt auch kein besonders gelungenes „Framing“ zu sagen, Kinder bekommt man damit irgendwann jemand von ihrer „Produktivität“ profitieren kann…

Und „… auch die die keine Lust auf dieses Hobby haben …“, ist insbesondere gegenüber denen die durchaus gerne Kinder gehabt hätten, aber aus welchen Gründen auch immer, keine haben, meine Meinung nach vollkommen unangemessen.

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Leider bist du sehr einseitig. Du kritisierst vielleicht zu recht meinen Ton, aber verteidigst das absolut genauso unangemessene Wording von @riodoro . Von daher musst du mit zweierlei Maß und deine Aussage kann ich so auch nicht akzeptieren.

Ich habe überspitzt auf diese schlechte Aussage reagiert, gebe ich gerne zu. Ich erwarte aber auch, dass das von der anderen Seite passiert.

Und ich weiß sehr wohl dass es Menschen gibt die unfreiwillig kinderlos sind. Ich hatte selbst mit Fehlgeburten zu tun. Trotzdem ist es jetzt so, dass Kinderlose profitieren in der Rente. Sie können besser privat vorsorgen, da sie keine Kosten für Kinder haben. Sie werden beruflich vermutlich auch noch mehr verdienen. Zeitgleich profitieren Sie von der Umlage meiner Kinder später. Das ist kein fairer Zustand im Moment.

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Nochmal: Es geht nicht um die Sicht des Einzelnen, sondern um die Gesellschaft als Ganzes.

Das Argument, dass es sich um Freiwilligkeit oder ein „Hobby“ handele, wurde als Argument gegen die Berücksichtigung von Kindern für die Rente ins Feld geführt.

Und selbstverständlich geht es bei der Ausbildung und der Förderung von Kindern aus staatlicher Sicht auch darum, produktive Arbeitskräfte der Zukunft auszubilden (Produktivität). Das hat absolut nichts mit „Framing“ zu tun.

Aus Sicht der Rente geht es auch nicht darum, ob jemand gerne Kinder gehabt hätte oder aus welchen Gründen auch immer keine hat.

Es ist einfach ein Faktum, dass Eltern im Hinblick auf die Rente benachteiligt sind, bspw. durch Reduzierung der Arbeitszeit und daraus folgend geringere Renteneinzahlungen.
Auch private Vorsorge ist durch höhere Lebenshaltungskosten nur in geringem Umfang möglich. Oben drauf kommt noch, dass nicht nur weniger Rente bezogen wird, sondern durch die Kinder die Umlagefinanzierung aller gestützt wird.

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Die Statistik illustriert aber auch, dass die größten Produktivitätszuwächse schon länger hinter uns liegen.
Die demografische Entwicklung wird einen höheren Anstieg nicht gerade begünstigen.

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Gerade mit dem letzten Absatz sprichst Du einen wichtigen Punkt an.
Die Weichen müssen jetzt gestellt werden.
Durch die demografische Entwicklung wird es In Zukunft noch schwieriger werden, nachhaltige Rentenpolitik, die auch die jeweils aktuelle Rentnergeneration belastet, bei einer zunehmend älterern Wählerschaft durchzusetzten.

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Falls sich das auf meinen Post bezieht: ich hätte den triefenden Zynismus dabei stärker hervorheben sollen, Anführungszeichen sind ganz und gar nicht ausreichend. :wink:

Es ist halt auch ein Faktum, dass die Politik, unter anderem aufgrund ständigem Druck der Arbeitgeberverbände, gar nicht möchte, dass die Eltern zu lange sich mit der Erziehung der Kinder beschäftigen, sondern möglichst schnell beide wieder zurück in die Vollzeit kommen.

Fair wäre, jedem, der einen echten Vollzeitjob ausführt, einen Rentenpunkt zu geben. Und jedem, der beispielsweise bis zum 10. Lebensjahr des Kindes zu Hause bleibt, auch einen Rentenpunkt pro Jahr zu geben (man könnte die Eltern auch verpflichten, sich die Zeit aufzuteilen). Fair wäre, die Eltern, die zu Hause bei den Kindern bleiben, in dieser Zeit entsprechend vom Staat zu bezahlen. Fair wäre, die Kinder mit einem Bildungssystem zu unterstützen, das jedem Kind ermöglicht, sein volles Potential zu entfalten.

Die Wahrheit ist halt, dass Kinder Eltern haben, die für den Gap aufkommen können (und das meist auch gerne machen), für den der Staat nicht aufkommen will. Sei es beim Geld, der Betreuung oder bei der Bildung.
Gleichzeitig haben Rentner keine Eltern, die das übernehmen können. (Höchstens Kinder, und die machen das meist nicht so gerne).
Also ist der politische Druck, sich um die Rentner zu kümmern, wesentlich größer als bei Kindern.

Aber speziell zum Renteneintrittsalter zurück:

Es gilt also als sicher und langfristig gesetzt, das wir bis mindestens 2070 stetig Fachkräfte brauchen, die idealerweise 40h oder mehr Vollzeit arbeiten, um dann eine (demographisch bedingt) geringer werdende Zahl von Rentnern zu versorgen, um diesen einen wie auch immer definierten Wohlstand zu garantieren?

(Zuwanderung mal außen vor, das hängt von den nächsten Wahlen ab)

Mir erschließt sich die Logik nicht so ganz. Das Geld mit dem ich privat vorsorgen kann, kann doch genauso gut als höherer Beitrag zur Rentenkasse dienen. Außer für die Leute, die die Provision bekommen, sehe ich da keinen Vorteil.

  1. Es gibt auch sinnvolle Rentenversicherungen (Netto-Policen) oder auch die Möglichkeit, mit Anleihen, Festgeld, Tagesgeld oder Aktien vorzusorgen.

  2. bin ich damit unabhängig von der demografischen Entwicklung und noch viel wichtiger von der Willkür von Politikern und Parteiprogrammen.

Wenn ich die Wahl hätte, würde ich nicht in die gesetzliche RV einzahlen.

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All das muss man sich aber leisten können. Als Privatperson. Wie das dann ausschaut kann man sich z.B. in den USA anschauen.

klar, kann man das alles machen. Aber eben nicht mit dem Argument, dass man damit die Rentenbeiträge niedrig halten kann, da man ja auch bei der privaten Versicherung Beiträge entrichten muss.

Der zweite Punkt ist primär eine Entsolidarisierung. Es ist halt die Frage ob wir etwas gegen Altersarmut tun oder halt nur selber die Schäfchen ins Trockene bringen wollen.

Von meinen Beiträgen zu einer privaten Altersvorsorge kann ich aber erwarten, später mindestens das rauszubekommen, was ich eingezahlt habe. Bei der gesetzlichen Rentenversicherung darf das angezweifelt werden. Insbesondere, da aktuell vermehr diskutiert wird, dass höhere Rentenansprüche niedriger bewertet werden sollen.

Die Entsolidarierung wird in meinen Augen aktuell mit dem Rentenpaket II betrieben, nämlich mit der einseitigen Belastung der Beitragszahlenden zugunsten der Rentner.

Es gibt zudem viele überdurchschnittlich verdienende Berufsgruppen, die gar nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen: Beamte, deren Pension mit Steuermitteln bezahlt werden, sowie Ärzte, Apotheker, Architekten, Notare, Patentanwälte, Rechtsanwälte, Steuerberater beziehungsweise Steuerbevollmächtigte, Tierärzte, Wirtschaftsprüfer und vereidigte Buchprüfer, Zahnärzte sowie jeweils partiell Psychologische Psychotherapeuten und Ingenieure mit ihren Versorgungswerken.

Wenn jetzt nur die Mitglieder der gesetzlichen Rentenversicherung herangezogen werden sollen, um mit Umverteilung Altersarmut zu bekämpfen, wird tatsächlich Entsolidarisierung betrieben.

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Oh, spannend. Was sieht man denn dann in den USA? Soweit ich weiß sind die Rentenbeiträge da niedriger, dafür bekommen aber gerade Geringverdiener mehr ausgezahlt.