Da hast Du absolut Recht. Das bestehende System ist aufgrund des dahinter stehenden demographischen Problems zwangsläufig zum Scheitern verurteilt.

„Rumdoktorn“ an Renteneintrittsalter, Rentenniveau und Steuerzuschüssen scheint keine Lösung zu sein.

Meiner Meinung nach muss man nicht an Beiträgen, sondern an der Demographie ansetzen. Wenn das Problem zu wenige Kinder sind, kann nur Familienpolitik und eine Berücksichtigung von Kindern für die individuelle Rente wirkliche Lösungen bringen.

Das Info-Institut hat bereits vor rund 20 Jahren einen Vorschlag gemacht, der genau diese Themen aufgreift: „Kinderrente und Vorsorgepflicht“, später auch abgewandelt und propagiert durch Prof. H.W. Sinn (man kann halten von ihm, was man will. In diesem Bereich finde ich den Vorschlag sinnvoll).

Kinderrente und Vorsorgepflicht

Vereinfacht gesagt sieht das Konzept vor, dass je mehr Kinder man hat, desto höher der Rentenanspruch. Die Anzahl der Kinder kommt also als weiterer Faktor zu den Beiträgen hinzu. Kinderlose müssen zusätzlich privat vorsorgen.

Damit wird berücksichtigt, wer mehr zur Umlagefinanzierung beiträgt:

Versicherte, die außer den Rentenbeiträgen zur Versorgung der alten Generation auch noch die erheblichen elterlichen Kosten für das Aufziehen von Kindern übernehmen und damit zugleich einen entscheidenden Beitrag zur zukünftigen Finanzierung gesetzlicher Renten leisten – oder kinderlose Ver-
sicherte, die sich den Aufwand für Kinder weitestgehend ersparen und daher im Durchschnitt auch viel eher über die erforderlichen Mittel zur ergänzenden privaten Altersvorsorge verfügen?

Die Idee, die vor allem wegen des Geburtenrückgangs erforderliche Senkung des umlagefinanzierten Rentenniveaus und den komplementären Ausbau kapitalgedeckter Vorsorge jeweils nach der Kinderzahl der Versicherten zu differenzieren, ist die Grundlage der vom ifo Institut vorgeschlagene Kinderrente. Effizienzüberlegungen und die normativen Leitlinien sowohl des Verursacher- bzw. Äquivalenzprinzips als auch des Leistungsfähigkeitsprinzips sprechen über-
einstimmend für eine solche Lösung.>

Ich denke der Grundgedanke ist durchaus überzeugend und auch nachvollziehbar. Ich denke auch, dass sich für ein solches Modell Mehrheiten finden könnten. Meine Stimme hatte ein solches Modell auf jeden Fall. :smile:

2 „Gefällt mir“

Zur Zeit ist es eben genau umgekehrt. Meine Kinder finanzieren später die Rente Kinderloser, die sogar mehr Geld für private Vorsorge hatten. Für mich ist dieser Zustand untragbar und schwer zu ertragen oft.

4 „Gefällt mir“

…aber ein anekdotisches das nichts aussagt. Mein Großvater war Buchhalter. Das dürfte sich auf ähnlichem Niveau, befunden haben - wenn nicht niedriger… Aber wie gesagt: Alles anekdotisch… Und daher sinnfrei damit zu argumentieren

Logisch, weil wir auch mehr Autos brauchen. a) gibt es mehr Singles und Alleinerziehende b) mehr Haushalte in denen BEIDE Partner arbeiten

Die Wohnfläche pro Kopf nimmt stetig zu
Das stimmt. Aber auch hier habe ich meine Zweifel, dass das relativ betrachtet einen Unterschied macht: Nämlich dann, wenn ich mit einbeziehe, wie viel Wohnraum kostet

Reisen: Mag sein!
Aber insgesamt bleibe ich dabei, dass man das ohne gezielte Studien die entsprechende Faktoren rausrechnen nicht bewerten kann. Vor allem ob das nun alles eine Folge der Produktivitätssteigerung ist.

Glaube ich Dir auch ohne Statistik. But same thing: Das machen die Leute ja nicht aus reiner Lebensfreude damit sie mehr Zeit haben um in ihrem Luxus zu schwelgen, sondern in der Regel weil beide Eltern arbeiten… Und zwar weil sie arbeiten müssen!

Bin ich voll bei Dir. Das wollte ich damit auch nicht ausdrücken. Es ging nur um meine Kritik daran, dass Fortschritt primär der Industrie zugute kam, und man jetzt - wo man auch Nachteile des Fortschrittes wahrnimmt - plötzlich die Arbeitnehmer in Verantwortung nimmt.

Nein… Das Argument war ja sinngemäß, dass der Produktivitätssgewinn nicht primär den Unternehmen zugute gekommen ist sondern eher den Arbeitnehmern, der jetzt mehr Geld für iPhones ausgeben kann.
Das ist aber einfach kein Argument, weil es 1950 keine iPhones gab!

Mit Rentengeschenke meine ich beispielsweise die Absenkung des Renteneintrittsalters auf 63, Mütterrente, und das sperren gegen notwendige Anpassungsmaßnahmen - insb. seitens der SPD, vermutlich wäre es bei der Union aber nicht anders.

Nicht mit viel Rente zu rechnen würde ich nicht als Schwarzmalerei werten. Vielmehr ist es ein Aufruf dazu sich selbst Gedanken zu machen, wie man sich so aufstellt, dass man auch ohne Staat ein vernünftiges Leben hat. Nicht alles direkt verprassen :smiley:

Ja etwas Polemik gebe ich zu - will da aber niemandem etwas vorwerfen. Ich sage nur, dass es nicht mein Mindset widerspiegelt. Da kann man sicherlich auch durch Flexibilisieren etwas machen.

1 „Gefällt mir“

Dazu muss man die Bürger aber auch befähigen. Es ist leicht so etwas zu fordern ohne zu erklären wie Jan das stemmen soll.

2 „Gefällt mir“

Überproportional mehr Kinder hilft leider bei dem aktuellen Problem der BabyBoomer gar nichts, sondern im Gegenteil, schafft noch mehr Menschen, die nicht aktuell ins System einzahlen und die Renten der nächsten 20 Jahre bezahlen.

Damit ist immer ein Verzicht auf Rentenzahlung verbunden (außer man hat 45 Jahre eingezahlt).

Das war tatsächlich ein Geschenk der Union, das aber rein gesellschaftlich verständlich war.

Anpassungen für wen? Niedriglöhner zahlen ohnehin kaum ein. Oder des Mittelstands, der gerade die Hälfte seines Lohns in Mieten stecken muss? Oder die Rentner, die so wenig bekommen dass sie zusätzlich noch Sozialhilfe beziehen? Über welche Anpassungsmaßnahmen reden wir?
Maximal fällt mir die Deckelung der Rentenbeiträge der Spitzenverdiener ein. Und dass sich einige gut verdienende Berufsgruppen aus dem sozialen System Rente entkoppelt haben.

Der geringste Prozentsatz rechnet mit „viel Rente“. Man bekommt es sogar jedes Jahr Schwarz-auf-Weiß per Post.

Das ist eine sehr kurzfristige Sicht auf das Problem. Natürlich sind zukünftige Beitragszahler, egal ob Kinder oder hinzukommenden Fachkräfte, der Schlüssel, um eine längerfristige Finanzierung zu sichern.

Denn wenn diese 20 Jahre um sind, sind sie 45 Jahre Beitragszahler.

2 „Gefällt mir“

Es gibt ja bspw. die Vorschläge von Experten, bspw. den Wirtschaftsweisen. Die wurden in der Lage ja auch mal vorgestellt. Aus meiner Sicht hǒrt sich das deutlich vernünftiger an, als das was aktuell vorgeschlagen wird. Ein Punkt davon ist ja beispielsweise Arbeits- und Lebenszeit aneinander zu koppeln. Für die SPD und insb. unseren in Teilen sehr überheblichen Kanzler sind aber leider nur diejenigen “richtige Experten”, die das sagen, was man ohnehin will. Wenn wir irgendwann >50% des Haushalts in die Rente stecken, wird die Handlungsfähigkeit des Staates massiv eingeschränkt. Über Besteuerung von Gutverdienern kann man ja grundsätzlich diskutieren, aber das kann ja nicht die Lösung für jedes Problem sein.

Dafür wirst du ja aber auf der anderen Seite kräftig finanziell unterstützt beim Großziehen deiner Kinder.

Kinder zu bekommen ist immer noch eine freiwillige Sache, die Menschen machen, weil sie Freude am eigenen Kind haben. Wenn Kinder kriegen Pflicht wäre zum Erhalt der Gesellschaft, würde ich dir zustimmen, dass dann sämtliche extra Kosten eines Kindes komplett von der Gesellschaft getragen werden sollten + eine Kompensation für geleistete Arbeit bei der Erziehung.

2 „Gefällt mir“

Selbstverständlich, aber man könnte Familien mit Kindern deutlich besser stellen bei Steuern und Rentenpunkten. Das wäre angemessen.

2 „Gefällt mir“

Sie werden ja schon besser gestellt, durch Kindergeld, Elternzeit, vergünstigte Kitas (korrigiert Nacht Anmerkung von @Margarete), kostenlose Schulbildung. Bei der Pflegeversicherung werden sie auch besser gestellt und vermutlich noch einiges mehr.

Das ist ja auch vollkommen in Ordnung, dass die Gesellschaft einen Teil der Kosten übernimmt, weil sie ja auch davon profitiert.

Nur mich stört dieses Argument, „die Gesellschaft profitiert davon“, als Totschlagargument zu verwenden, um sämtliche Kosten auf die Gesellschaft abzwälzen.

Man kann ja gerne argumentieren, dass Eltern mehr unterstützt werden sollten, aber dann bitte mit mehr Argumenten, als nur „die Gesellschaft profitiert von Kindern“

3 „Gefällt mir“

Nicht genug.
Kinder sind viel teurer. Die Verantwortung ist groß. Der Nutzen für die Gesellschaft ist unschätzbar (groß).
Ich habe für meine Rentenpunkte für meine Kinder kämpfen müssen und anerkannt bekommen, aber ehrlich gesagt: ein Witz, was diese Care-Arbeit am Ende schwarz auf weiß wirklich bringt.

Es gibt übrigens einen anderen Thread betr. hohe Kita-Gebühren.
Sind Kitas überhaupt irgendwo kostenlos? Ich glaube nicht. Hast du das recherchiert?

Wie gesagt, Kinder kriegen ist ein Art „Hobby“. Und wir reden hier schon echt von ganz großen Summen, die dieses „Hobby“ von der Gesellschaft unterstützt wird.
Aber was ist denn genug? Wenn 50% der kosten von der Gesellschaft übernommen werden? Selbst wenn wir uns darauf einigen würden, was hindert dann irgendwen daran morgen 60% zu fordern, weil „die Gesellschaft profitiert von Kindern“? Und übermorgen dann 70%, mit dem gleichen Argument?

Bessere Argumente fände ich sowas wie zu sagen, dass die staatliche Unterstützung nicht mit der Inflation mithalten konnte, und deswegen Eltern heute deutlich mehr zahlen, als Eltern früher. Oder zu sagen, Kinder großzuziehen ist so teuer, dass viele potentielle Eltern deswegen davon absehen. Oder zu sagen aufgrund mangelnder finanzieller Unterstützung des Staates, leidet die Erziehung/Bildung der Kinder darunter.

1 „Gefällt mir“

Als Service @riodoro
https://www.bildungsserver.de/kita-gebuehren-und-beitragsfreiheit-5674-de.html#Bremen

Hab es nur überflogen. In den meisten Bundesländern ist die Kita anscheinend ab 3 Jahren u.U. beitragsfrei. Na toll. Wie war das mit "Frauen sollen mehr arbeiten "?

Uff. Du hast keine Kinder, nehme ich an.

1 „Gefällt mir“

Meine Definition von Hobby: etwas das auf freiwilliger Basis gemacht wird, weil es einem Freude bereiten kann.

Natürlich gibt es auch Eltern, die Kinder kriegen bereuen und es dann natürlich nicht so einfach wie andere Hobbys wieder ablegen können.

2 „Gefällt mir“

Alleinerziehende sind besonders übel dran.
Und dann stellt sich Herr Lindner hin und behauptet, sie bräuchten Anreize zu arbeiten.

Das Bildungssystem wurde kaputt gespart.

Aber ich glaube, ich drifte ab. Es geht hier ja um das Renteneintrittsalter.

2 „Gefällt mir“

Bei uns (RLP) ist die Kita (bis auf das Essen) kostenlos.

Das ändert nichts daran, dass die Summe der staatlichen Transferleistungen nur einen Bruchteil der tatsächlichen direkten Kosten auffangen, die mit der Aufbringung von Kindern einhergehen. Ausnahme ist vielleicht, wenn die Familie insgesamt komplett durch Bürgergeld, Wohngeld usw. versorgt wird, dann ist allerdings auch keine menschenwürdige Lebenssituation für die Kinder mehr gegeben.

Als Vater zweier Kinder empfinde ich das Framing, dass der Staat die Aufbringung von Kindern möglichst finanziell belohnen bzw. kostenneutral gestalten sollte aber auch nicht an jeder Stelle hilfreich. Aus gesellschaftlicher Sicht fände ich es besser, wenn wir weniger die individuelle Entscheidung Kinder zu bekommen belohnen, sondern durch die richtigen Investitionen sicherstellen, dass tatsächlich alle Kinder die Chance bekommen Ihr maximales Potential zu entfalten.

Bei der Rentenversicherung halte ich die Berücksichtigung von Erziehungszeiten für durchaus angemessen (was ja aber schon zumindest teilweise Gesetzeslage ist).

5 „Gefällt mir“

Wir haben übrigens die niedrigste Geburtenrate seit 15 Jahren. Das „Hobby“ scheint an Attraktivität zu verlieren. :open_mouth:

Spricht perspektivisch nicht für das bisherige Umlageverfahren

1 „Gefällt mir“

Hier gibt es ein schönes Tool, um die Bevölkerungsentwicklung der nächsten Jahrzehnte zu analysieren: Bevölkerungspyramide: Altersstruktur Deutschlands von 1950 - 2070

  • Aktuell macht die Gruppe 20-66 Jahre noch 61% der Bevölkerung aus
  • 2035 sind es bei „mittleren“ Annahmen zur Geburtenrate und Lebenserwartung noch 56%, danach sinkt der Anteil nur noch langsam auf 54% im Jahr 2065. Die Altersgruppe 67+ ist dann mehr als ein Viertel der Bevölkerung.
  • An der Prognose ändert im Übrigen auch das Szenario „niedrige Lebenserwartung, hohe Geburtenrate“ nichts Wesentliches. Abschwächen lässt sich die Entwicklung nur durch ein deutlich höheres Wanderungssaldo

Das Umlagesystem der Rente ist damit am Ende, es sei denn die gesellschaftliche Einstellung und Praxis beim Thema Migration ändert sich grundlegend. Wer in 30 Jahren noch mehr als eine „Grundsicherung“ aus der Rentenkasse bekommen möchte, dem bleiben eigentlich nur zwei Möglichkeiten (die am besten gleichzeitig greifen sollten):

  1. Dafür sorgen, dass wir jährlich mehr als 500.000, besser aber mehr als 1 Mio Wanderungssaldo haben. Und zwar nicht nur „Fachkräfte“, sondern jeder, der kommen und arbeiten will.
  2. Maximale Investitionen in die zukünftige Produktivität der Arbeiter, insbesondere der aktuell Heranwachsenden. Also zum Beispiel eine dauerhafte und massive Erhöhung der Ausgaben für frühkindliche und Schulbildung. Systematische und verpflichtende Erfassung von Entwicklungsproblemen ab dem Kleinkindalter und entsprechende Förderangebote. Engmaschige Betreuung und finanzielle Förderung von Ausbildung und Studium. Robustes System der Erwachsenenbildung.

Das Ganze müsste schuldenfinanziert sein, was den Vorteil hätte, dass sich an der Rückzahlung der Schulden die aktuelle Rentnergeneration noch beteiligen könnte (z.B. über niedrigere Renten, höhere Steuern auf Vermögen).

1 „Gefällt mir“