Ich muss ehrlich sagen, dass ich die ganze Diskussion absolut verlogen finde. Es wird immer wieder behauptet, dass der demographische Wandel angeblich das Rentensystem zum Kollabieren bringen würde und es außer einer Erhöhung des Renteneintrittsalters, einer Erhöhung der Rentenbeiträge oder einer Senkung des Rentenniveaus absolut keine Alternativen gäbe.
Was mich daran ärgert sind mehrere Punkte. Meiner Ansicht nach hat unser Rentensystem einige derart gravierende Konstruktionsfehler, die eine solche Diskussion eigentlich komplett obsolet machen solange man diese Fehler nicht korrigiert. Bei dem jetzigen System über Probleme durch den demopgraphischen Wandel zu sprechen ist ungefähr so als würde man über die Farbe der Tapete diskutieren während das Haus gerade komplett in Flammen steht.
Damit meine ich vor allem:
A) Dass ausnahmslos alle Arbeitstätigen in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen sollten, egal ob normaler Arbeitnehmer, ob Selbstständiger oder Beamter. Dass ein gesetzliches Rentensystem irgendwann nicht mehr funktionieren kann, wenn sich systematisch insbesonders viele einkommensstarke Gruppen aus diesem ausklinken können ist doch mehr als offensichtlich.
B) Dass auf jede Art von Einkommen auch Rentenbeiträge im gleichen Maße fällig werden, insbesondere auch auf Einkommen, die nicht durch Erwerbsarbeit generiert werden.
C) Abschaffung einer Obergrenze. Wer über ein hohes Einkommen verfügt darf sich auch gerne stärker am Sozialsystem beteiligen, einfaches Solidarprinzip.
Vor allem: Wenn wirklich angeblich der demographische Wandel der Kern des Problems sein soll, wie schaffen es dann einige unserer Nachbarländer erheblich bessere Rentensysteme aufzustellen, bei denen teilweise die Beiträge niedriger, aber das Rentenniveau deutlich höher ist, teilweise sogar mit einer garantierten Mindestrente, von der man hier nur träumen kann? Oder ist der demographische Wandel nur ein rein deutsches Problem, während hingegen um uns herum weiter fleißig Kinder in die Welt gesetzt werden? Das kann ich mir kaum vorstellen.
Aber auf Basis dessen finde ich die Diskussion halt sehr schwierig. Wenn jemand bei der Diskussion über die Rente „demographischer Wandel“ schreit ist das für mich im Moment nichts weiter als eine absolut plumpe Nebelkerze, weil offenbar niemand gewillt ist den Elefant im Raum anszusprechen. Und das schließt leider einen großen Teil der Medienlandschaft mit ein, die dieses Narrativ auch oft ohne zu hinterfragen 1:1 wiederkäuen.
Wenn man die o.g. Missstände korrigieren würde, dann könnte man auch mal ehrlich Bilanz ziehen und Überlegungen anstellen welche Beiträge notwendig sind, welches Rentenniveau möglich ist und welches Renteneintrittsalter sinnvoll wäre. Aber vorher ist die gesamte Diskussion doch eine komplette Farce, weil es anscheinend nur noch darum geht wie man ein in sich schon kaputtes System noch irgendwie im Streckbetrieb länger am Leben hält anstatt es endlich mal sinnvoll zu reparieren.