Rente - ist Kapitalanlage wirklich besser als die aktuelle Umlage?

Hi,
in diversen Folgen wurde ja schon öfter positiv über mögliche Rente durch Anlage am Kapitalmarkt gesprochen (z.B. über den Plan der Ampelregierung).

Aber ist das das wirklich sinnvoll; gibt es irgendwelche Zahlen? Aus der “Renten-Anstalt” habe ich 3,5% “Verzinsung” für die aktuelle Umlagenrente. Da die Kapitalmarktrenten ja mehr kosten (Kosten für private Anlagen dürften so bei 0,25% bis 1,5% liegen), eventuell mehr Risiko haben, und auch irgendwie die Umstellung rechtfertigen müssen, müssten sie ja auch deutlich mehr als 3,5% bringen!?

Außerdem - würde man damit nicht massiv Kapitel “tot parken”? Das liegt ja dann bis zu 60 Jahre in Fonds rum. Die Umlagerente dagegen wird direkt eingesammelt und ausgegeben.

Grüße,
Florian

Ich denke, eine pauschale Aussage besser/schlechter ist kaum möglich. Beide Systeme haben ihre eigenen Vor- und Nachteile.

Beim Umlagesystem stellt sich die Frage naxh Kapitalanlage und -rendite nur am Rande, nämlich für Rücklagen, die jedes robuste System haben sollte. Es setzt voraus, dass zum Zeitpunkt des Rentenbezugs genug Beitragszahler den Rentenbeziehern gegenüberstehen, dass die Beiträge die zugesagten/in Aussicht gestellten Renten bezahlen können. (Genau genommen geht es nicht um die Anzahl Menschen, sondern um die Summe der Beiträge vs. Renten - wenn also heute mehr prekär und im Niedriglohnsektor Beschäftigte da sind, während früher die meisten Leute sich zum Mittelstand zählen durften, dann würde es schon ohne die demografische Schieflage schwierig.)

Beim kapitalgedeckten System bekommst du später im Prinzip das Anlageergebnis deiner Beiträge zurück. Es ist also robust gegen demografischen Wandel und gegen Verschiebungen in den Gehaltsstrukturen der Gesellschaft. Dafür setzt es voraus, dass sich Kapitalerträge erzielen lassen, die dir später eine Rentenzahlung verschaffen, mit der du glücklich bist. Für Aktien lässt sich sagen, dass sie in der Vergangenheit Renditen um die 8% erzielt haben, das ist langfristig deutlich mehr, als sich durch Anleihen haben erzielen lassen. Dafür ist das Kursrisiko erheblich. Aber es ist für ganze Märkte, z.B. den DAX, den S&P500, oder den MSCI World - nicht für Einzelaktien! - erwiesen, dass es ab einer gewissen Dauer in Jahren (typisch so 12-20) nie einen Zeitraum dieser Dauer gab, in dem nicht ein zwischenzeitlicher Verlust wieder aufgeholt worden wäre. Auch Anleihen sind Wertschwankungen unterworfen, die eine Abwertung von 20% oder mehr zur Folge haben können. Zinsschwankungen wirken sich nämlich auf den Kurs um so mehr aus, je länger die Restlaufzeit ist, denn z.B. ein Papier mit 3% p.a. (per annum=pro Jahr) auf die nächsten 20 Jahre würde bei einer Erhöhung des Zinsniveaus auf 4,5% mit neuen Papieren mit 4,5% im Wettbewerb stehen, man wird es daher um die schlechtere Verzinsung, in erster Näherung 1,5% jährlich weniger über 20 Jahre = -30% niedriger bewerten. Die Langläufer zahlen andererseits aber höhere Zinsen als kurze Laufzeiten. Und Emittenten schlechterer Bonität müssen höhere Zinsen zahlen, damit ihre Anleihe jemand kauft. Dafür gibt es ein Risiko, dass sie pleite gehen und man in der Insolvenz nur einen Teilbetrag zurückbekommt oder schlimmstenfalls gar nichts.

Jedenfalls ist das Kapital nicht “tot geparkt”, sei es als Aktie oder als Anleihe, es wird den Unternehmen (oder bei Anleihen auch Staaten) über diesen langen Zeitraum zur Verfügung gestellt, damit Geschäfte zu finanzieren und Umsatz und Wertschöpfung zu erzeugen. Die Unternehmen leihen sich ja Geld, nicht um es auf dem Konto liegen zu lassen sondern um es auszugeben, für Maschinen, für Gehälter von Entwicklern und Vertrieblern, die den Umsatz ermöglichen.

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Wenn man alleine von der „Rendite aus argumentiert, bestehen zwei Risiken:

Der Unterschied imZinseszinseffekt zwischen 2-3% und 7-9% ist übrigens über eine Laufzeit von zb 20 Jahren enorm .

Bsp: 5000€ Startkapital, 100€ monatliche Zahlung über 20 Jahre: 3%: 40k , 7%: 84k

Das Argument des tot rumliegenden Kapitals kam jetzt etliche Male im Forum: anhand ihrer Firmenbewertung können Firmen neue Kredite aufnehmen und ich kaufe die Anteile jmd anderem ab, Aktien sind ja kein Sparbuch, der Verkäufer macht auch irgendwas mit dem Geld .

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