Rente: Boomer sollten Verantwortung für ihren Lebenstil übernehmen

Mich beschäftigt beim Thema Rente seit längerem ein Gedanke:

Ist es fair der jüngeren Generation gegenüber, dass man die Versäumnisse der älteren Generation im Nachhinein ausgleichen möchte?

Konkret meine ich damit die Mütterrente und das Thema Altersarmut bei Frauen.

Zu dem Zeitpunkt, zu dem die jetzige Generation der Rentnerinnen und Rentner gearbeitet hat, war in Westdeutschland in der Mittelschicht oft der Mann der Hauptverdiener und es muss doch die stille Übereinstimmen darüber gegeben haben, dass er auch noch in der Rente die finanzielle Verantwortung für sich UND seine Ehefrau trägt.

Wieso entlasten wir ihn jetzt durch die Mütterrente nachträglich von dieser Verantwortung? Wieso gibt es nicht für die aktuelle Rentnergeneration ein Renten Splitting, wenn das doch damals eh die Annahme war, nämlich dass beide von seinem Geld leben. Und gäbe es dann überhaupt noch eine Debatte über Altersarmut bei Frauen, wenn wir die Westdeutsche Vorstellung vom Ehemann als Versorger konsequent bis zum Ende seines und ihres Lebens durchziehen?

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Kann man das für alle Renter pauschalisieren?

Aber welchen und bis zu welchem Geburtsjahrgang gilt das dann?

Ich räume mal mit ein paar Klischees auf. Ist offenbar immer wieder nötig.

Erstens: Die Mütterrente bekommen alle Mütter - auch die jüngeren, die bekommen bisher sogar mehr, obwohl sie, anders als die Mütter-Generationen vor ihnen, Elterngeld in Anspruch nehmen können und Betreuungsplätze schon für U3-jährige Kinder zur Verfügung haben. Die Angleichung der Mütterrente ist schlicht eine Frage der Gerechtigkeit. Das häufig zu hörende Argument, eine rückwirkende Anpassung der Mütterrente sei sinnlos, weil sie keine Anreiz- oder Lenkungswirkung mehr habe, steht auf sehr tönernen Füßen, denn die Frauen, die jetzt im gebärfähigen Alter sind, bekommen keinesfalls mehr Kinder als die ach so verantwortungslosen Boomerinnen, erfüllen den sog. Generationenvertrag also auch nicht.

Zweitens: Sehr viele Boomer-Mütter arbeiten. Die Mütterrente ist auch unabhängig davon, ob die jeweilige Mutter arbeitet/gearbeitet hat oder nicht. Sie soll lediglich die Nachteile ein wenig ausgleichen, die Frauen im Hinblick auf ihre Rente haben, wenn sie wegen ihrer Kinder pausieren (müssen).

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Aber das beantwortet doch nicht die Frage? Wieso sollte man im Nachhinein die damaligen Alleinverdiener aus der Verantwortung nehmen? Wieso müssen sie nicht dafür sorgen, dass die Frauen jetzt gut versorgt sind?

Ja, die jetzige Generation von Müttern erhält Elterngeld und Rentenpunkte, aber dieser Generation wird auch die ganze Zeit gesagt, dass sie für sich selbst sorgen können muss.

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Du gehst davon aus, dass Frauen mit der Anpassung bei der Mütterrente gut versorgt sind? Da geht es um 20 Euro pro Monat und Kind für die ggf. noch Steuer und Krankenversicherung anfallen. Davon können sich die Frauen dann einen Eisbecher kaufen.

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Dann ergibt es ja noch weniger Sinn, wenn es nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist.

Mir geht es aber nicht darum, sondern dass ich mir von der aktuellen Rentengeneration einen ehrlichen Blick auf ihr Lebensmodell wünsche.

Bei der Debatte ums Ehegattensplitting argumentieren die Befürworter, dass sowieso alles erwirtschaftete Geld beiden zugute kommt und es egal ist, wenn die Person in Steuerklasse fünf auf dem Papier netto im Monat weniger hat, da das Paar das am Ende mit der Steuererklärung wieder zurückbekommt. Ein gemeinsames Wirtschaften also. Meins ist deins, Frauen werden dadurch nicht vom arbeiten abgehalten. Sind deren Argumente.

Dann müssen sie diese Argumente aber bitte auch konsequent bis zur Rente zu Ende denken und der Staat ist nicht dazu verpflichtet, die Einversorger-Ehe dann auch noch zusätzlich über die Mütterrente zu subventionieren.

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Für den Osten stimmt das zum Beispiel nicht. Die meisten Frauen haben dort sehr früh nach der Geburt gearbeitet, denn Kitas waren ausreichend vorhanden. Viele waren prekär beschäftigt und ihnen droht Altersarmut.

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Wenn damalige Lebensmodelle darauf ausgelegt waren mit einem Gehalt ein Leben aufzubauen, und so auch die Absicherung der Partnerin zu gewährleisten, sollte das auch konsequent so weitergeführt werden.

Ein spannender Gedanke.

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Die wievielte Diskussion zu den „bösen Boomern“ ist das nun hier? Ich bin selbst ja keiner, aber die Leute haben nach damals bestehenden Regeln ihr leben und ihr Alter geplant, da kann man ja nun schlecht jetzt kommen und das spontan umkrempeln. Ganz davon ab dass niun wirklich nicht alle Boomer im Alter in Saus und Braus leben.

Diese Kampflinie Alt vs Jung ist auch völlig falsch und führt zu nichts.

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Die jetzige Generation kann natürlich aus den Fehlern der vorherigen Generation lernen und man darf ihr natürlich zugute halten, dass sie es nicht besser wusste.

Das gesagt; wenn jetzt die jüngere Generation versucht, eine Ehe zum Beispiel gerechter zu gestalten, indem die Frau mehr arbeitet und der Mann etwas weniger, muss sie sich von den Boomern, konkret Friedrich Merz, anhören, sie würde nicht mehr arbeiten wollen. Nur weil er zu unklug ist und nicht versteht, dass die Wochenarbeitszeit gesunken ist, weil jetzt mehr Frauen überhaupt arbeiten und die Teilzeitquote gestiegen ist. Die tatsächliche geleistete Arbeit ist aber mehr geworden.

Genauso sieht es aus mit der Debatte zur Reform des Ehegattensplittings. Man kann sich sicher sein, dass irgendwoher jemand kommt, aus der älteren Generation, der argumentiert, dass es ja eine Gemeinschaft ist und es keinen Nachteil für die Frau durch Steuerklasse fünf gibt.

Habe ich ja geschrieben, Lebensstil im Westen in der Mittelschicht. Zudem ist die Altersarmut von Frauen im Osten geringer als im Westen, eben weil sie mehr gearbeitet haben.

Ich will ja gar nicht darüber diskutieren, dass den Frauen Anerkennung für ihre Erziehungszeit zusteht. Es geht mir vielmehr um die Diskussion, warum man das Modell Einverdienerehe beziehungsweise Solidargemeinschaft in der Ehe nicht konsequent durchzieht, zum Beispiel auch durch ein Rentensplitting.

Ich glaube, die Lage hatte den Fakt sogar schon mal beleuchtet: die Mütterrente wird sogar angerechnet, wenn man staatliche Leistungen bezieht, heißt also, wer mehr hat, hat etwas davon, wer weniger hat, eben nicht.

Auf die Eingangsfrage zurückkommend: alle Reformdebatten drehen sich derzeit um drei Stellschrauben Rentenhöhe, Rentenbeiträge und Renteneintrittsalter. Beim Renteneintrittsalter bewegt sich immerhin was, indem die Diskussionen die Lebensarbeitszeit als faires Modell mmit einschließen.
Eine Reform ist aber nicht das Drehen an den Stellschrauben, um hier a) das System am Laufen zu halten und b) etwas zwischen den Generationen neu zu verhandeln. Eine Reform bedeutet, das alte System als nicht zukunftsfähig zu beerdigen und etwas Neues zu entwickeln, das die Erfahrungen der Vergangenheit und Zukunftsmodellierung miteinander kombiniert. Eine Reform wäre dabei die Operation am offenen Herzen, es braucht, bis die greift, ein zweites Herz, sprich eine zusätzliche Haushaltslinie, um die Doppelfinanzierung abzubilden.
Gerecht ist vieles nicht, aber singulär auf die Rente zu schauen lässt außer acht, dass die Boomer auch den meisten Wohlstand geschaffen, aber auch viele Reformen verschlafen haben.
Siehe Griechenland: das Renteneintrittsalter wurde zur Zeit der Eurokrise massiv kritisiert, aber da die Rentner in der Regel die Carearbeit für die Enkel übernommen haben, wurde unterschlagen.
Gerechtigkeit findet man nicht mit der Lupe, sondern mit der Gesamtschau.

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Herrje. Ich kann es langsam echt nicht mehr hören. Die „Boomer“ sind genauso vielfältig wie die Generationen X,Y und Z. Sie haben nicht gesamthaft die CDU gewählt und die Hausfrauenehe propagiert. Ohne die Boomer gäbe es die Grünen nicht, und die Boomerinnen waren vermutlich die erste Generation von Frauen, die mehrheitlich berufstätig waren (und sind - der stärkste Boomer-Jahrgang geht erst 2032 mit 67 Jahren in Rente) - ganz ohne Ganztags-Kita und Elterngeld. Unter anderem deshalb haben sie ja auch nicht so viele Kinder bekommen. Was ihnen absurderweise dann ebenfalls vorgeworfen wird.

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Bei 1,3 oder 1,4 Kindern pro Frau in der aktuell „jüngeren Generation“, wird das Rentensystem eh kollabieren. Die Frage wird also in 40 Jahren von der noch nicht geborenen Generation deutlich lauter der „jüngeren Generation“ entgegenschlagen. Ist aber tatsächlich zu früh für das Popcorn.

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Das wird ja angeblich in der Rentenkommission diskutiert.

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Ich finde es falsch gedacht, das Problem darin zu sehen, dass nicht genügend Kinder für das jetzige Rentensystem „produziert“ werden oder wurden. Man muss aber doch leider sagen, dass über Jahrzehnte versäumt wurde, dieses Rentensystem auf die tatsächlichen demografischen Verhältnisse vorzubereiten oder anzupassen. Meiner Ansicht nach hätte man die Generation der „Boomer“ schon über höhere Rentenbeiträge Rücklagen für Ihre eigene Rente aufbauen lassen können, als die Entwicklung absehbar war. Das hat man nicht gemacht und muss jetzt, wo die zum größten Teil schon in Rente sind, sehen, wie man die nun finanziert.
Dieses Versäumnis kann man der Generation der „Boomer“ aber nicht pauschal vorwerfen, sondern eigentlich nur denen, die an diesem Ergebnis auch irgendwie beteiligt waren (Entscheider, Meinungsmacher o.ä.).
Unabhängig davon, wie man in diese Lage gekommen ist, muss aber nun dennoch eine Lösung gefunden werden und da es hierbei absolut nichts zu gewinnen gibt, geht es nur darum, die Lasten möglichst gerecht zu verteilen.
Das halte ich - um den Bogen zurück zu spannen - bei der sog. „Mütterrente“ (also der Anpassung, dass Mütter für Kinder die vor 1992 geboren wurden, rückwirkend ebenfalls 3 Rentenpunkte erhalten) für nicht gegeben. Für sich betrachtet wäre das vielleicht schon gerecht, aber um an dieser Stelle eine alte Ungleichbehandlung auszugleichen, muss doch anderen eine umso höhere Last aufgebürdet werden, oder sehe ich das falsch?

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Ich bin noch keine 40 und ich finde, dass der Nachteil für die Frau nicht bereits durch die Steuerklasse entsteht, sondern erst, wenn Ihr Mann den steuerlichen Vorteil nicht fair mit Ihr teilt. Deshalb befürworte ich durchaus die Abschaffung von 3/5 um dieses zu verhüten, nicht aber eine komplette Abschaffung des Splittings, denn es ist in der Tat eine Gemeinschaft (mit u.a. auch gegenseitigen Pflichten).

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Also bereitest du dich schon mal darauf vor ein oder zwei Müttern das direkt zu überweisen?

Meiner Ansicht nach hätte man die Generation der „Boomer“ schon über höhere Rentenbeiträge Rücklagen für Ihre eigene Rente aufbauen lassen können, als die Entwicklung absehbar war.

Wo doch jeder von der Rentenversicherung ein Konto hat auf das er einzahlt und wieder entnimmt oder?

Sarkasmus wieder off.

Die Rente ist ein Gesellschaftsvertrag. Schon um die Jahrhundertwende um 1900 haben die „Wirtschaftsweisen“ vorausgesagt, dass das System zusammenbricht. So gelingt es der Masse einzureden sie müssten persönlich die Rente von jemandem zahlen. Statt dessen geht es darum Herrn Merz sein Flugbenzin zu subventionieren.

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Die Realität ist durchaus, dass spätestens mit Norbert Blüms „Die Rente ist sicher“ jeder wusste, wie es um die Rente steht. Dass man dann das Problem lieber ausgesessen hat und ganz christlich gehofft hat, dass ein Wunder das schon regeln wird, müssen sich die Beteiligten schon vorwerfen lassen.
Sicher kam die Dividende nicht bei allen gleich an. Aber dass diese Generation sie sich zu unrecht in die Taschen gesteckt hat, zu Lasten nachfolgender Generationen, sehe ich schon so.
Vielleicht ein Argument, sich einen Teil des nötigen Geldes über eine Vermögenssteuer zu holen. Traditionell wird der größte Teil der Dividende ja dort liegen.

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Nein, aber das Geld für die „Mütterente“ stammt nur zu einem sehr geringen Teil aus Steuermitteln. Hauptsächlich wird das über Rentenbeiträge finanziert. D.h. also entweder sinken dafür allgemein die Renten, oder die Beiträge müssten steigen. Und vor dieser Frage steht man aufgrund der demografischen Entwicklung ja ohnehin schon.

Nein, aber man hätte doch 1999 und 2012, anstatt den Rentenbeitragssatz zu senken, ihn bei ca. 20% belassen und den Überschuss in einem staatlichen Rentenfonds anlegen können, um mit den Erträgen nun heute einen Teil der Kosten der Rente für diese zahlenmäßig starken Jahrgänge tragen zu können.
So hätte man die Lasten der demografischen Entwicklung im Rentensystem auf mehr Jahre verteilt und müsste heute weniger hart reformieren/sparen.

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