Wie kann die Versorgung verbessert werden?
Ja, das frage ich mich auch…
Als erstes ist es wichtig festzuhalten, dass eine gute Versorgung vor allem erstmal gute Qualität bedeutet: sich selbst auf die Patient*innen einzulassen, das eigene individuelle Fallkonzept im Kopf zu haben, nicht von Termin zu Termin zu hetzen; die Biografie und persönliche Situation zu kennen und zu erinnern sowie therapeutische Interventionen gut zu planen und umzusetzen ist das A&O.
Dieses zu schaffen, braucht allein schon Zeit, Kraft und Energie auf Seiten der Therapeut*innen.
Psychotherapie in der Breite ist sehr individuell und nicht so standardisiert wie es vielleicht in Studiendesigns umgesetzt werden kann.
Ich bin mir sicher, dass die meisten Psychotherapeut*innen hier sehr hohen Standards folgen und in der Regel hohe Qualität zu erwarten ist.
Ergo, hier ist die Versorgung schon sehr gut.
Wenn es jetzt um die Frage der Quantität geht:
Die meisten Psychotherapeutinnen arbeiten Teilzeit und das wahrscheinlich aus gutem (individuellem) Grund. Das bedeutet, dass eine Steigerung der reinen Stunden mit den Patientinnen nicht einfach möglich ist.
Wie schon richtiger Weise geschrieben wurde, werden die meisten halben Sitze sogar mit mehr Patient*innen-Stunden bewirtschaftet als es ein „halber Sitz“ vermuten lässt, mehr als erwartet wird.
Letztlich ist also die einzige Möglichkeit Quantität zu steigern, mehr Gruppe anzubieten. Dies ist aber nicht für alle Therapeut*innen möglich; Wegen der Räumlichkeiten, fehlender Abrechnungsgenehmigung oder weil sie sich selbst dies nicht zutrauen und das, damit die Qualität am Ende für alle Gruppenteilnehmenden nicht noch sinkt. Vor dieser Selbstreflexion ziehe ich auch meinen Hut.
Gruppentherapie braucht des Weiteren auch wieder vermehrte Vorbereitung, Reflexion und erneute Anpassung, was wieder mehr Zeit braucht, das bedeutet innerhalb der möglichen Arbeitszeit ist eher weniger Zeit für ggf. Einzeltherapie am gleichen Tag.
Die Steigerung der Quantität ist daher m. E. bei der Anzahl der bestehenden Therapeut*innen nur minimal möglich.
Thema Patientinnen-Steuerung: Der Vorwurf ist, dass Theapeut/innem zu wenige schwere Fälle behandeln. Selbst wenn ich annehmen würde (Studien sagen was anderes), dass das stimmt und alle Therapeutinnen mehr schwere Fälle behandelt würden, dann würde dies erneut Auswirkungen auf die Anzahl der unmittelbaren Patientinnen-Stunden haben, da Arbeit mit Mitbehandlerinnen dazukommt, sowie ein komplexeres Fallkonzept (also Vorbereitung) mit erneut mehr Zeitaufwand. Außerdem lässt eine Behandlung von schwer erkrankten Patient*innen eher kleinere Therapiefortschritte und leider auch weniger positive Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit und somit das Funktionsniveau zu. Da Therapeut/innen aber PT nur anbieten können und dürfen, wenn die Prognose ausreichend gut ist, fallen leider auch hier bereits (leider!!!) Patient/innen durchs Raster. Das ist die Logik unseres Gesundheitswesens.
Und, wie sollen dann noch Gruppen mit schwer Erkrankten aussehen? Bei den meisten schwer Erkrankten ist Gruppentherapie gar nicht indiziert.
Nächster Vorwurf: Wir sollen frühzeitig behandeln, damit sich Störungen nicht chronifizieren. Da ist also wieder die Frage, wo sollen die knappen zeitlichen Ressourcen nun eingesetzt werden?
Meiner Erfahrung nach schaffen es die meisten niedergelassenen Kolleg*innen ganz gut, hier eine gute Balance zwischen leichten und schweren Erkrankungen sowie den eigenen Ressourcen zu finden, was für mich hohe Effizienz bedeutet.
Mein Fazit ist daher, dass zunächst erstmal die fehlenden circa 1600 Kassensitze geschaffen werden, die nach Studienlage (2400 fehlen, knapp 800 sind geschaffen worden) noch immer fehlen.
Danach sollte und kann erst abschließend geklärt werden, wie schwierig der Zugang zu PT noch ist. Dafür braucht es aber eine gute, solide und planbare finanzielle Ausstattung, damit der Beruf attraktiv bleibt.
Diese ganzen Überlegungen sind für KiJu-Therapeut*innen übrigens nochmals schwieriger.
Ich sehe auch, dass das Gesundheitswesen ein Ausgabenproblem hat, finde aber, dass bevor den Therapeutinnen in ihrer Arbeit Ineffizienz vorgeworfen wird, sollte die Struktur der Krankenkassen verbessert werden, damit die finanziellen Ressourcen da eingesetzt werden, wo sie tatsächlich die Versorgung der Patientinnen verbessern-das sind, ja plakativ gesagt, nicht die Vorstandsgehälter der knapp 100 Krankenkassen.