Psychotherapie: eine Reform ohne Umsetzung

Es ist mir ein großes Anliegen auf ein strukturelles Problem im Gesundheitssystem aufmerksam zu machen, das in den kommenden Jahren erhebliche Auswirkungen auf die psychotherapeutische Versorgung haben wird, wenn nicht umgehend gehandelt wird.

Die Reform des Psychotherapeutengesetzes (PsychThG) von 2019 hat die Psychotherapie-Ausbildung grundlegend modernisiert, jedoch fehlt bis heute eine ausreichende Finanzierung. Dadurch können viele Masterabsolventinnen trotz Approbation nicht in den Beruf einsteigen, während gleichzeitig tausende Therapeutinnen in den Ruhestand gehen. Das hat die Folge, dass die psychotherapeutische Versorgung in Deutschland langfristig gefährdet ist. Mit der Reform wurde 2019 unter dem damaligen Gesundheitsminister Jens Spahn ein modernes, universitär verankertes Ausbildungssystem geschaffen. Die grundsätzliche Zielrichtung (höhere Ausbildungsqualität, klare Strukturen, Approbation direkt nach dem Master) war sinnvoll und fachlich breit begrüßt. Unter der Ampel ist keine Umsetzung dieser Reform erfolgt und auch jetzt gibt es wenig politische Handlungsimpulse. Im Koalitionsvertrag der aktuellen Regierung findet sich lediglich folgende Formulierung: „[Wir] stellen die Weiterbildungsfinanzierung in der Psychotherapie sicher.“ Davon ist aktuell wenig zu sehen. Das Problem ist akut, weil es bereits seit Herbst 2022 Absolvent*innen des neuen Psychotherapie-Studiengangs gibt, die eine Weiterbildungsstelle suchen. Die Situation verschärft sich, da ab 2026 jährlich mindestens 2.500 Absolvent*innen erwartet werden. Die absehbare Versorgungslücke betrifft weit mehr als die kommenden Absolventinnen: Sie gefährdet die psychotherapeutische Versorgung insgesamt. Längere Wartezeiten, regionale Engpässe und eine zunehmende Belastung der bestehenden Versorgungsstrukturen werden weiter zunehmen. Ohne eine schnelle politische Lösung geraten sowohl Patientinnen als auch angehende Psychotherapeut*innen in eine Situation, die vermeidbar wäre.

Ich würde mich daher sehr freuen, wenn ihr dieses Thema in einer eurer kommenden Folgen aufgreifen könntet. Eine öffentliche Diskussion könnte entscheidend dazu beitragen, den politischen Handlungsdruck zu erhöhen und die dringend notwendigen Weiterbildungsplätze zu schaffen.

Weiterführende Infos gibt es auf der Seite der PsyFaKo

https://psyfako.org/weiterbildung/