ProSieben Spezial: "Rechts. Deutsch. Radikal."

Danke für den Hinweis. Der Film ist sehr wertvoll. Meine Schlußfolgerungen: Junge Menschen suchen eine Peergoup, die ihnen Anerkennung zollt. Junge Menschen mit geringer Bildung und psychischen Problemen landen allzu leicht bei den faschistischen Trollen. Also 3 Dinge braucht Deutschland:
Hervorragende Bildung für alle
Frühe psychosoziale Betreuung, sobald nötig
Aussteigerprogramme

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Du durchaus berechtigte Kritik an dieser Sendung fehlte leider, zu wenig Analyse der Ursachen z.B.

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Dem letzten Kommentar möchte ich zustimmen und meine Kritik zudem ein wenig ausführen. Ich finde es sehr gut, Philip und Ulf, dass ihr die Doku empfohlen habt, allerdings hätte ich mir gewünscht, dass ihr sie vielleicht unter einem gewissen Vorbehalt empfehlt, weil es meiner Meinung nach doch einige problematische Aspekte daran gibt, die nicht ignoriert werden sollten: Zum einen glaube ich, dass die Doku zwar ziemlich interessant ist für ein kritisches, tendenziell links-intellektuelles Publikum bzw. für Meschen, die ohnehin ein innerhalb der Verfassungsgrenzen liegendes, gefestigtes politisches Weltbild haben. Wenn man allerdings bedenkt, dass die Doku zur Prime Time auf ProSieben ausgestrahlt wurde, so finde ich, dass der Fokus deutlich zu wenig auf den politischen Inhalten und den Konsequenzen einer realen gesellschaftlichen Umsetzung eines rechtsradikalen Weltbildes lag und zu sehr die psychologisierende Haltung "wir wollen jetzt mal Rechtsextremistinnen verstehen" eingenommen wurde. Meiner Ansicht nach hat der Moderator nur in einem einzigen seiner Interviews die beiden Gesprächspartner auf die inhaltlichen Konsequenzen und Probleme ihres Weltbildes festgenagelt (im Gespräch über die moralische Verwerflichkeit von „Nazi-Merchandise“). In anderen Gesprächen jedoch, insbesondere denjenigen mit Alexander Deptolla oder Sanny Kujath, haben die Interviews eine Bühne geboten für die heroische Darstellung der „Stärke“ der rechten Ideologie und der entsprechenden Protagonisten. Das kann auf weniger politisch gefestigte, junge Menschen, die die Doku ansehen, durchaus glamourös und beeindruckend wirken. So wurde Deptolla z.B. beinahe empathisch auf schwierige biographische Konsequenzen der Zugehörigkeit zur rechtsradikalen Szene befragt (man werde zum Außenseiter, verliere Freundschaften etc., man erbringt sozusagen Opfer für die „gute Sache“), anstatt viel konkreter die menschenverachtenden Inhalte zu entlarven, die sich hinter Parolen wie „rechts hat mich immer schon mehr fasziniert als links, weil es einfach so viel Stärke ausstrahlt“ verstecken. Ich finde das insbesondere deshalb problematisch, weil in öffentlichen politischen und auch journalistischen Gesprächen mit Rechtsextremen meiner Ansicht nach ohehin häufig zu sehr das Verstehen-Wollen im Fokus steht und auf Kosten einer inhaltlichen Bloßstellung rechtsextremer Ideologie geht. In solchen Gesprächen wird suggeriert, das Gegenüber habe ein aufrichtiges Interesse daran, endlich einmal seineihre Sicht auf die Dinge darzulegen, was aber in den wenigsten Fällen zutrifft. Vielmehr (und das wird auch in der Doku deutlich) sind Rechte strategisch darauf vorbereitet, mit erschreckender rhetorischer Stärke ihre Ideen zu verbreiten. Die Doku übersieht dieses manipulative Interesse in vielen Fällen und geht ihm auf den Leim.
Abgesehen davon fand ich es enttäuschend, dass unter den zahlreichen Expertenstimmen keine einzige Frau zu finden war. Gerade angesichts der zutiefst frauenfeindlchen Rollenbilder in der rechten Szene wäre es doch von journalistischer Seite umso wichtiger gewesen, zu zeigen, dass es auch Frauen gibt, die sich qualifiziert zum Rechtsextremismus äußern.

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Ich würde diese Dokumentation auch empfehlen allerdings erst kurz vor der Wahl nächsten Jahres bzw. Endspurt des Wahlkampfes da das Thema AFD und ähnliche kleinere Parteien mehr besprochen wurde als das Warum wieso weshalb.
Generell hatte ich das Gefühl das dieses Letzte Interview mit dem ehemaligen AFD Funktionär doch von Seiten Pro7 die Doku gerettet zu haben scheint. Immer wieder und auch schon zu Beginn wird darauf verwiesen. Und es fühlt sich leider auch so an, das die Doku zwar nicht schlecht und wichtig war aber ohne dieses Glückliche Interview am Schluss doch nur eine von vielen geworden wäre.

Es gibt einige Dokumentationen die die Szene deutlich genauer unter die Lupe nehmen.
Nichts desto trotz hoffe ich das durch diese Doku die AFD und Ihre Partner endlich als das entlarvt wurden was sie wirklich sind und vorhaben.

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Ich habe die Doku jetzt auch ganz gesehen und schließe mich @Der_Chris weitestgehend an.
Grundsätzlich positiv zu bewerten ist, dass sich P7 dem Thema überhaupt annimmt, von den vielen anderen freien Privaten ist in der Richtung nicht viel zu erwarten.
Wer sich mit der Thematik beschäftig, darf allerdings nicht viel neues erwarten.

Die Darstellung und auch die Gespräche sind für mein Empfinde zu nett, so nach dem Motto, naja bist halt ein Rechtsextremer aber ansonsten kann man mit dir ja auch mal um die Häuser ziehen.
Sicherlich begeht Thilo Mischke hier eine Gradwanderung, zu viel Konfrontation hätte die meisten Gespräche zu früh beendet und einige sehr eindeutige Aussagen hätte es so nicht vor laufender Kamera gegeben.
Auf der anderen Seite dürfen Rechtsextreme 2h lang, auf eloquente Weise für eine Ideologie werben, nach dem Motto wir sind zwar ein bisschen schlimm aber so schlimm auch nicht. Genau das ist es ja, was deren Auftreten und Botschaften so verfänglich für junge Menschen macht die nach einer Orientierung suchen.
Wie es auch Deptolla selbst sagt, er kam in die Szene weil er zu den Starken gehören wollte, nicht zu den Guten.
Einzig in der Szene mit den HKN KRZ-Devotionalien empfand ich die Klarstellung um was es geht ausreichend deutlich.
Und wenn der Twist mit Lisa nicht gewesen wäre, wäre die Doku im gesamten eher als Werbefilm für die neuen Rechten geendet.
Ich denke schon, das die Motive für die Doku die richtigen waren, gut gedacht ist aber nicht zwangläufig gut gemacht.