„Ein Dorf unter Strom“ - so oder so ähnlich könnte der Titel eines Beitrags lauten, der von Jettingen in Baden-Württemberg handelt. Das schöne Örtchen, das vor 50 Jahren aus den Orten Unterjettingen und Oberjettingen zusammen gewachsen ist, liegt am höchsten Punkt im energiehungrigen Landkreis Böblingen. Hier produzieren globale Player wie die Automarke mit dem Stern und andere Hightech Unternehmen unter Verwendung von sehr viel Strom das deutsche Wirtschaftswachstum. Im Norden Jettingens befindet sich ein großes Umspannwerk. Dieses und die hohe Lage des Ortes stellen die Bürgerinnen und Bürger für eine große Herausforderung. Im Zeichen der Energiewende soll das genannte Umspannwerk der Endpunkt einer 730 km langen Stromleitung aus dem Wind energiereichen Deutschlands in den Energie hungrigen Süden werden. 2 GW Strom Landen dann in Jettingen an und werden von hier aus weiter verteilt. Das entspricht der Energiemenge eines großen Atomkraftwerks ohne den Flächenverbrauch des Atomkraftwerks. Aber wo wir von Flächenverbrauch sprechen, hier liegt der Sprichwort a Hase im Pfeffer. Die Fläche für die Erweiterung des Umspannwerks und einen riesigen Converter, der die Größe einer gigantischen Sporthalle haben wird, wird natürlich von der hiesigen Landwirtschaft genommen. Wie können Grundbesitzer und Pächter hinreichend entschädigt werden?
Neben diesem interessanten Sachverhalt spielt die geographische Lage, Jettingen ebenfalls Energi, politisch in Bezug auf die Energiewende eine große Rolle. Alle umliegenden Gemeinden und angrenzenden Landkreise möchten ihre Windkraftanlagen so nah wie möglich an die Gemarkung Jettingen heran bauen. Weit oben bedeutet viel Wind. Ist denn beides zu schaffen? Kann einer Gemeinde Windkraft in Form von mehreren Windparks und die Belastung einer nie da gewesenen Stromtrasse zugemutet werden? Wie können Bürgerinnen und Bürger des Ortes davon profitieren und damit der Energiewende weiter positiv gegenüberstehen? Wie können Landwirte, die entlang der 730 km langen Leitung, Grund und Boden zumindest temporär einbüßen und mit den Umbaumaßnahmen leben müssen sich auf die positiven Seiten in der Energiewende konzentrieren?
„Natürlich ist eine Converter Halle besser als ein Atommeiler oder ein Kohlekraftwerk. Aber warum trifft das uns? Und wie können wir als Bürger damit leben, dass wir im Falle eines Angriffs als Nachbargemeinde kritischer Infrastruktur ins Kreuzfeuer geraten könnten?“ solche und andere Fragen treiben die Jettinger Bürgerinnen und Bürger sowie lokalen Politiker natürlich um. Gerade in Bezug auf die anstehende Gemeinderatswahl fällt es nicht nur Grünen Politikern, schwer, sich positiv zur Energiewende und gegen übermäßigen Flächenverbrauch zu positionieren. Quo vadis Energiewende? Wo Energiewende konkret wird…

Alles Liebe
Gregor Schelp

Es kommt wohl ein wenig auf die Perspektive an, mit der man die Situation betrachtet. Es gibt dort ja offensichtlich einen Standortvorteil für die Energiewirtschaft. Nun ist die Frage ob man die Nutzung eher im Sinne einer Ausbeutung gestaltet oder ob (und wie) man Kommune / Anwohner an den Gewinnen beteiligt oder Betroffene entschädigt.

Ist ja immer dasselbe, „Warum hier bei uns?“ ist die übliche Frage. Ob es nun Atomkraftwerke, Windräder, Umspannwerke oder Kohleabbau ist (die Liste geht weiter mit Stromtrassen, Autobahnen, Umgehungsstrassen, Bahnschienen, etc). Was will uns das also sagen?