Polenz Interview

Hallo,

ich hab gerade mit Freude in der Lage vernommen, dass Ihr Ruprecht Polenz interviewed. Ich hoffe, dass Ihr Namibia generell und insbesondere auch die jüngeren Entwicklungen zum Versöhnungsabkommen ansprechen werdet. Polenz ist ja der offizielle Vertreter der scheidenden Bundesregierung im Dialog um den Völkermord an den Herero und Nama mit Namibia.

Beispielsweise würde mich da interessieren, dass dieses Abkommen ja zwischen der namibischen und der Bundesregierung bzw. ihrem Vertreter ausgehandelt wurde und Polenz auf dem Standpunkt steht, die namibische Regierung konnte das als legitime Vertretung der Interessen aller NamibierInnen tun. Muss man es in Anbetracht der großen Proteste mittlerweile nicht doch als Fehler ansehen, Nama und Herero nicht unmittelbarer einbezogen zu haben? Tatsächlich scheint diese Frage ja sogar die Sprengkraft zu haben das Land zu destabilisieren.

Auch die finanzielle Größenordnung der Entschädigung scheint unangemessen. Im Wesentlich läuft es so wie ich das verstehe darauf hinaus, dass die deutsche --zugegebenermaßen hier vergleichsweise großzügige-- Entwicklungshilfe weiter gezahlt wird. Die von N/H-VertreterInnen geforderten 100 Mrd mögen aus unserer Sicht befremdlich anmuten, aber sind die genannten 1,1 Mrd über 30 Jahre nicht ein Schlag ins Gesicht der Opfer und ihrer Nachfahren? Nutzen wir da nicht einfach unsere Machtposition aus und nötigen Namibia dazu ein völlig unangemessenes Angebot anzunehmen, weil die Alternative, nichts zu bekommen, für das Land ein Problem darstellen könnte?

Schließlich stellt sich mir die Frage, ob wir überhaupt das Recht haben, in Person des Bundespräsidenten um Entschuldigung zu bitten? Im Wortsinn, wie kann man dieses Verbrechen jemals entschuldigen oder wieder gut machen? Wohl gar nicht eigentlich. Ist es dann überhaupt richtig, eine derartige Frage überhaupt zu stellen? Ich weiß nicht genau, was die richtige Alternative wäre, aber gingen die richtigen Worte da nicht eher in die Richtung, sich zu der Schuld und der daraus erwachsenen Verantwortung zu bekennen, ohne eine Entschuldung seitens der Opfer zu erwarten?

Gibt sicher noch genug interessante andere Frage in dem Themenkomplex, aber das wären die ersten, die mir einfallen

Beste Grüße, Euer Podcast ist jedes Mal wieder ein Highlight zum Ausklang der Woche!
Florian

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Danke für die Anregung - na klar :slight_smile:

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