Die Forschungserkenntnisse aus diesen Bereichen sind insbesd. bei wirtschafts- und klimapolitischen Themen zentral.
Vorweg: De- und Postgrowth wird medial häufig falsch dargestellt als „Schrumpfung“, „Rezession“ etc. oder als „links“, „fortschritts- oder technikfeindlich. Dabei ist De- und Postgrowth inzwischen ein internationales, transdisziplinäres Forschungsfeld: es gibt für nahezu jedes Politikfeld Artikel in high gerankten Peer-Review Journals und wissenschaftliche Konferenzen. Es geht um eine (Wirtschafts-)Politik innerhalb plantarer Grenzen, um neue Wohlstandsindikatoren (BIP ergänzen/ersetzen), um selektives Wachstum, die institutionelle Unabhängigkeit von Wachstum, die Identifizierung von (schädlichen) Wachstumstreibern und Barrieren der Transformation, um Suffizienz, transformative Unternehmensmodelle u.v.m.
Wenn konservative und z.T. progressive Ökonom:innen das Narrativ reproduzieren, wir brauchen Wirtschaftswachstum, um aus den Krisen zu kommen o.Ä. ist das eine sehr verengte und streitbare Perspektive:
• Es gibt schlicht keine wissenschaftliche Evidenz für sog. Grünes Wachstum (vgl. Vadén et al. 2022; Parrique et al. 2020).
• Die aktuellste Studie (Vogel/Hickel 2023) zeigt: Eine Strategie des „grünen Wachstums“ für Länder des globalen Nordens ist nicht (mehr) kompatibel mit dem Pariser Klimaabkommen.
Diese Sichtweise ist übrigens längst keine Nischen-Position mehr:
• IPCC-Report 2022: Erstmals Kapitel zu Degrowth und Suffizienz.
• Stellvertr. Vorsitzende des Weltklimarates (Diana Urge-Vorsatz) hielt Eröffnungsvortrag auf internationaler Degrowth-Konferenz 2023 und plädiert für Abkehr vom Wachstumsparadigma.
• Internationale Studie in nature sustainability (King et al. 2023): Von 800 Klimawissenschaftler:innen haben über 70% inzwischen eine Green Growth Position ab und befürworten Agrowth (agnostisch gegenüber Wachstum, aber Unabhängigkeit) oder Degrowth (Energie- und Materialverbrauch senken durch umfassende Transformation). Sogar 65% der Ökonom:innen.
• Claudia Kemfert (die ja schon in der Lage war) befürwortet inzwischen eine vorsorgeorientierte Postwachstumsökonomie; eine Position, die das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) (z.B. Ulrich Petschow) 2018 entwickelt hat.
Für Rückfragen (oder Empfehlungen für Interview-Partner:innen oder Literatur) stehe ich gerne zur Verfügung.