Also als Gedienter sage ich dazu ganz klar: Das ist illusorisch.
In der Grundausbildung gibt’s eh nur die Basics - und die sind wirklich nur bei der Landesverteidigung sinnvoll. Danach in den 6 Monaten waren 90% der Zeit Eierkraulen. Rumsitzen und warten. Das bisschen Ausbildung, das wir bekamen (als Fernmelder) war im Prinzip schon zum Zeitpunkt der Ausbildung völlig veraltet und würde heute so gar keine Rolle mehr spielen.
Wenn es darum geht, einen großen Anteil an „halbwegs ausgebildeten Notfallkräften“ haben zu wollen, spricht extrem vieles dafür, die Reserve zu stärken. Daher: Mehr aktive Reservisten, die zumindest 33 Tage im Jahr in der Reserve aktiv sind. Das sind Leute, die man so weit sinnvoll und vor allem dauerhaft ausbilden und weiterbilden kann, dass sie im Fall der Fälle auch tatsächlich ein Gewinn für die Verteidigungsfähigkeit sind. Zumal man über den Reservedienst auch Leute in die Bundeswehr bekommt, die man für eine Vollzeitstelle nie bekommen würde.
Daher ist das Gegenargument hier ganz klar:
Statt einer Wehrpflicht sollte man schlicht den Reservedienst massiv ausbauen.
Das hat damals schon nicht wirklich funktioniert. Ich war als antiautoritärer, linker, vegetarischer Nichtraucher ein ziemliches Einhorn bei der Bundeswehr. Fast alle Menschen, die so ticken wie ich, haben schon damals den Dienst verweigert.
Wenn man überhaupt einen Pflichtdienst wieder einführen wollen würde, würde man ohnehin den außermilitärischen Bereich zum „Standardfall“ machen, sodass der Effekt, dass nur - wie sage ich es - dem militärischen Klischeedenken zugeneigte Menschen bei der Bundeswehr landen, noch deutlich verstärkt wird.
Auch sehe ich weiterhin die Gefahr, dass die wenigen, die nicht konservativ geprägt sind und trotzdem zur Bundeswehr gehen, eher durch die Bundeswehr in Richtung „rechts“ sozialisiert werden, als umgekehrt…
Der Gefahr einer militärischen Parallelgesellschaft muss durch strikte politische Kontrolle über das Militär begegnet werden - und darüber, bestimmte Denkweisen in der Bundeswehr nicht in Machtpositionen kommen zu lassen. Das gelingt uns bisher in Deutschland ganz gut…