Auch diese Einschätzung kann ich nicht nachvollziehen. Als wäre nicht wählerbezogen diskutiert worden, wie es z. B. zu den Erfolgen von Trump in den USA, von Le Pen in Frankreich, von Wilders in den Niederlanden, von Bolsonaro in Brasilien, von Orbán in Ungarn, von Milei in Argentinien, von Erdoğan bei Türken im In- und Ausland, von der PiS in Polen oder der FPÖ in Österreich gekommen wäre. Auch bzgl. Hessen und Baden-Württemberg wurde die Frage im Hinblick auf die Wahlerfolge der AfD diskutiert.
Und diese Fragen sind selbstverständlich legitim. Bei deren Beantwortung gibt es einerseits Verallgemeinerbares, aber andererseits eben auch Spezifisches, was die Wähler und deren Hintergründe angeht.
Und mit der irgendwie als Vorwurf gemeinten Einordnung als „Fremdperspektive“ kommt man da nirgendwohin. Einzig eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme, die bezogen auf ihren Untersuchungsgegenstand immer eine ‚Fremdperspektive‘ ist, hilft da weiter. Es ist ja nicht so, dass es zum in weiten Teilen Ostdeutschlands besonders verbreiteten Rechtsextremismus oder dem Rassismus von Trump-Anhängern in den USA keine Daten gäbe.
Mittlerweile werden sogar Binnendifferenzen minutiös erforscht:
Für den Vorwurf, Merkels Wahl von Nina Hagens Song, der ja lt. Interpretin „eine Anspielung auf die Mangelwirtschaft“ in der DDR war (vgl. Wikipedia), wäre in den ‚westdeutschen‘ Medien belächelt worden, habe ich jedenfalls in zugänglichen Internetquellen keinen Beleg gefunden, da ist vielmehr u. a. von einem „legendären Pophit“ (Spiegel) oder vom „feinen Humor“ der Kanzlerin (vgl. Tagesspiegel) die Rede.
Und ostdeutsche Journalisten sind nun wirklich medienpräsent, z. B. Antonie Rietzschel (SZ, Tagesspiegel, Spiegel Online), Anna Lehmann (taz), Doreen Reinhard, Jana Hensel und Martin Machowecz (Die Zeit), Jessy Wellmer und Marike Reimann (ARD). Letztgenannte wurde mit 36 Lenzen bereits Zweite Chefredakteurin beim SWR.
Auch diese Ostdeutschen vertreten unterschiedliche Sichtweisen, beileibe nicht nur …Rennefanz und Machowecz … (edit Mod)
Ich beziehe mich bzgl. dieser beiden mal auf Folgendes:
Der Kolumnist lebt übrigens in Ostdeutschland.
Die Verortung von Rennefanz spiegelt sich auch in ihrem eigenen Kolumnen-Titel »Du bist so rechts geworden«:
Dass ‚ostdeutsche‘ Perspektiven medial unterrepräsentiert wären, erscheint mir jedenfalls nicht schlüssig.