Ein paar Anmerkungen:
Würden Rundfunkräte etc. gewählt, wären die Öffentlich-Rechtlichen abhängig vom Placet der Mehrheit. Das würde eine verschärfte Politisierung bedeuten und dem Populismus Tür und Tor öffnen. Entlang der politischen Mehrheiten würde sich dann ein Quasi-Staatsfunk etablieren. Wohin das führt, sieht man in autokratischen Ländern wie Ungarn und Russland oder auch in Polen.
Man kann den Einfluss von Politiker:innen sicher noch stärker begrenzen, doch schon heute sind sie eine Minderheit in den Gremien.
Zivilgesellschaftliche Akteur:innen zu stärken wäre aber durchaus sinnvoll.
Der Rundfunkbeitrag ist für den Medianhaushalt ein zu vernachlässigender Kostenposten. Von Armut Betroffene können sich zudem befreien lassen.
Ein ordentliches Controlling, das teilweise in der Vergangenheit etwas vernachlässigt wurde, ist zweifelsohne sinnvoll.
Gemessen am Gesamtvolumen der eingesetzten Gelder ist allerdings wenig auszusetzen. Einzelne Negativbeispiele wie das der ehem. RBB-Intendantin fallen da so gut wie gar nicht ins Gewicht. Und die Führungsebene verdient im Vergleich zur freien Wirtschaft geradezu lächerlich wenig.
Selbstverständlich kann man über die Kostenstruktur nachdenken. Man kann sich z. B. fragen, ob jedes sportliche Großereignis im Öffentlich-Rechtlichen übertragen werden muss.
Man sollte jedoch nicht gänzlich außer Acht lassen, dass auch bildungs- und politikferne Zuschauenden-Milieus durchs „Brot und Spiele“-Fernsehen mithin in den Genuss von höherwertigen Sendungen kommen, weil sie z. T. einfach hängen bleiben - sei’s nach dem „Tatort“, in der Halbzeitpause eines Fussballländerspiels oder beim Durchzappen, was längst nicht der Vergangenheit angehört.
Es stimmt halt einfach nicht, dass die große Mehrheit der Zuschauenden hoch selektiv und ganz gezielt nur die Programme aussuchen würde, die sie unbedingt und schon immer sehen oder hören wollten. Bei einem vorrangigen Mediatheken-Programm - Verbesserung der Usability hin oder her - würde mit hoher Wahrscheinlichkeit sehr viel selektiver geschaut/gehört (Stichwort: verschärfte Blasenbildung).
Ohne Zweifel muss gleichwohl die Digitalstrategie der Öffentlich-Rechtlichen noch sehr verbessert werden. Das sollte jedoch nicht zulasten eines wesentlichen Teils des Programmangebots im Sinne des öffentlich-rechtlichen Auftrags gehen.
Was in jedem Fall bedenklich stimmt, ist, dass Bildungs- und Jugendprogramme empfindlich eingekürzt werden sollen.