Nuklearer-Schutzschirm für Europa

Naja, man kann ja durchaus argumentieren, dass Russland aktuell in einer ähnlichen Problematik steckt, wie Amerika im Vietnam-Krieg, denn trotz scheinbarer Übermacht können sie nicht auf konventionelle Weiße gewinnen.

Was mir selbst auch lange nicht klar war, auch im Vietnamkrieg gab es in Amerika Forderungen nach einem Atomwaffeneinsatz (Quelle: atomwaffena-z.info):

Im Jahre 2002 machte die Veröffentlichung eines Tonbandes aus dem Jahre 1972 Schlagzeilen, aus dem hervorgeht, dass der damalige US-Präsident Nixon den Einsatz einer Atombombe in einem Gespräch mit seinem Sicherheitsberater Henry Kissinger in Erwägung zog.

Man hat sich aber glücklicherweise immer dagegen entschieden, zum Teil wohl auch, weil es sich dabei um rein populistische Forderungen handelte:

[…] etwa der republikanische Senator und (erfolglose) Präsidentschaftskandidat des Jahres 1964, Barry Goldwater, der sich während seines Wahlkampfes offen für den Einsatz von Atomwaffen entlang der Grenzen Südvietnams aussprach.

Daher gehe ich davon aus, dass diese Möglichkeit auch heute eher eine Drohkulisse Russlands ist.

Und das z.B. der Kreml-Sprecher diese Möglichkeit vor ein paar Tagen wieder ausgeräumt hat, sagt mir, dass selbst der Kreml einen gewissen Respekt hat, vor den Geistern, die sie da „herauf beschwören“ könnten.

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Vielleicht muss man da differenzieren zwischen den kleineren Sprengköpfen, die es sogar als Artilleriegranaten gibt, und größeren.

Ich bin selber kein Militär, daher mögen Experten mich gerne widerlegen, aber ich vermute Folgendes:

  • Kleinere Atomwaffen sind militärisch von geringem Mehrwert gegenüber anderen Waffen zur flächendeckenden Zerstörung wie thermobarische Bomben, Mehrfach-Raketenwerfer und Streumunition, haben aber den offensichtlichen Nachteil, dass sie das Land verstrahlen, in dem man selber kämpfen will (die Soldaten mögen Putin an sich egal sein, aber es schwächt auch die Kampfkraft) und, welches man ja erobern will und sie bergen ein unkalkulierbares Eskalationsrisiko.

  • große Atomwaffen sind militärisch primär deshalb von Wert, weil sie Angst und Schrecken verbreiten. Ansonsten sind sie komplett überdimensioniert für jedes operative Ziel. Die genannten Nachteile hingegen gelten in noch viel größerem Maße für diese größeren Waffen.

Ich möchte nicht zu viel über Putins Psyche spekulieren, aber er macht auf mich keinen irrationalen Eindruck, sondern den eines von Größenfantasien getriebenen, ansonsten aber lediglich kaltblütigen und amoralischen Akteurs, dessen Handeln einfach nicht durch Checks und Balances begrenzt wird und dessen Urteilskraft dadurch leidet, dass niemand sich traut, mit ihm Klartext zu sprechen.

Ich gehe aber davon aus, dass Putin am Leben und an der Macht bleiben will und dass er erkennt, dass der Einsatz von Atomwaffen in dieser Hinsicht ein Risiko ist - insbesondere, da der Westen ihm inzwischen gezeigt hat, dass man nicht bereit ist, ihm alles durchgehen zu lassen.

Ergänzung: der Einsatz von Atomwaffen würde Russland auch von China entfremden; China ist vom Ukraine-Krieg schon jetzt nicht begeistert, wie man liest.

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Spätestens wenn Putins „Herrschaft“ bedroht ist wird diese „existenzielle Bedrohung“ (durch den Westen) propagiert werden.

Aber der Unfall in einem AKW hätte ähnliche Folgen wäre aber (fast) nicht nachzuweisen. In dieser Hinsicht bleibt für mich auch die Frage offen warum die Russen so schnell Tschernobyl besetzt haben.

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Im Zweifel, weil es auf dem Weg lag. Ich hätte nicht erwartet, dass sie es nicht erobern, auf die Gefahr hin, dass sich ukrainische Truppen da verstecken.

Und ja, wenn Tschernobyl zerstört würde, hätte das schlimme Folgen, die wären aber militärisch noch wesentlich weniger hilfreich als ein Angriff mit einer nuklearen Waffe, bei der man das Ziel genau bestimmen kann.

Angeblich sollen die Russen Tschernobyl als gesicherte Stellung betrachtet haben, weil sie davon ausgingen, dass die Ukrainer dort keine schweren Kampfhandlungen anfangen werden oder mit Artillerie/Luftschlägen angreifen würden.

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