Nun, es gibt ja durchaus die Theorie, dass mehrere Theorien gleichzeitig nah an der Wahrheit sein könnten.
Was wäre, wenn NS1 und NS2 von unterschiedlichen Akteuren gesprengt worden wären? NS1 von diesem Trupp auf der Andromeda, und NS2 von den Russen. Das würde den unterschiedlichen Explosionszeitpunkt erklären, und die unterschiedliche örtliche Platzierung der Sprengladungen ebenso wie die unterschiedliche Sprengtechnik.
Diejenigen, die NS1 gesprengt haben, hatten womöglich gar nicht die Zielsetzung, NS2 auch zu sprengen, weil die Röhre gar nicht in Betrieb war und es den Akteuren letztlich darum gegangen sein könnte, abzusichern, dass Deutschland das Gas über NS1 nicht einfach wieder stillschweigend akzeptieren würde, sofern Russland die Blockade aufheben sollte. Dafür kann man NS2 durchaus erst mal ignorieren, die politische Hürde, darüber Gas zu beziehen, wäre ungleich höher.
Russlands primäre Motivation wäre hingegen gewesen, Angst und Schrecken zu verbreiten, um Märkte und Menschen zu verunsichern - und idealerweise dazu zu treiben, Russland zu beknien, doch bitte bitte wieder Gas zu liefern. Dafür NS2 zu sprengen, und auch nur einen Strang mittels präziser einsetzbarem Sprengstoff, wäre nachvollziehbar, denn genutzt wurde die Leitung eh nicht, im Zweifel würde das Gas erst mal wieder über NS1 fließen, und immerhin blieb die zweite NS2-Leitung ja auch noch intakt für den Fall, dass Deutschland sogar so weit einknickte, NS2 auch noch öffnen zu wollen.
Wenn aber zwei Akteure im ungefähr selben Zeitrahmen aus unterschiedlicher Motivation heraus eine Sprengung hinbekommen wollten und man mal annimmt, sie sind beide dazu gekommen, fernzündbare Sprengsätze zu platzieren, wäre der zweite in dem Moment zu schnellem Handeln gezwungen, in dem der erste zündet. Wobei „schnell“ relativ ist - immerhin muss man erst mal davon erfahren, und dann gibt’s insbesondere in Russland natürlich Befehlsketten. Das würde den Zeitversatz von mehreren Stunden zwischen den Sprengungen erklären. Den Russen könnte schlicht das etwas „amateurhafter“ agierende Andromeda-Team in die Planung gefunkt haben, und bevor der lang vorher platzierte russische Sprengsatz im Zuge einer Untersuchung des NS1-Lecks entdeckt werden konnte, zündete man ihn dann eben vorzeitig.