Nochmal zu Wahlcomputern

Einige Behauptungen hier sind nicht ganz korrekt.
Ersteinmal ein Beispiel für Wahlcomputer gegen Stimmzettel. Ich weiß nicht mehr welches Land es war, glaube Brasilien oder so. Dort gab es eine Wahl mit Papierstimmzetteln. Diese wurde von der Regierung manipuliert. Das kam raus, woraufhin Wahlcomputer verwendet wurden. Diese Wahl hatte dann ein anderes Ergebnis. Ob die Wahlcomputer manipuliert waren, oder nicht, weiß ich nicht. Die Bevölkerung war jedenfalls der Meinung es wäre besser.

Zur Aussage „bei einem Wahlcomputer könne ich meine Stimme nicht nachvollziehen“ ist falsch. Wenn vor der Stimmabgabe ein zufälliger eindeutiger Hash erzeugt wird, der meiner Stimme zugeordnet ist, dann kann ich sehr wohl meine Stimme nachvollziehen und NUR ich kann das. Alle Hashes und Stimmen werden veröffentlicht. Jeder kann selbst zusammenzählen und jeder kann seine Stimme selber überprüfen (gibt es meinen Hash nur einmal, ist die dazugehörige Stimme auch meine)
Dabei gibt es natürlich ein paar Probleme:

  1. Es muss genug Streuung bezgl. meiner Stimme geben, sodass eine Kollision (2-Personen mit gleichem Hash stimmen gleich ab), hoch unwahrscheinlich ist. Nur dann ist sichergestellt, dass man mehrere Stimmen nicht zu einer im Vorhinein „zusammenfassen“ kann.
  2. Damit die Wahl weiterhin geheim bleibt, muss ich neben meinen Hash auch einen Hash für andere Parteien bekommen (bereits abgegebene Stimmen). Dann könnte ich einem Erpresser oder Käufer diesen Hash geben und so behaupten ich hätte wie gewollt gewählt.

Es wäre also Prinzipiell sehr wohl möglich eine verifizierbare computerisierte Wahl zu erzeugen und die Möglichkeiten eines Wahlbetrugs ist dann auch für eine Diktatur nur schwer möglich. Weitaus schwerer als es bei einer Papierwahl der Fall wäre. Allerdings gilt in beiden Fällen: Das Volk muss sein Recht selber einfordern, wenn betrogen wurde. Bsp. Weißrussland.

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Ach, und wie wird mir garantiert, dass derjenige, wer auch immer diesen tollen Hash erzeugt, den nicht auch nochmal selbst im Zusammenhang mit meinem Namen abspeichert und dann in der Lage ist, meine Stimme (und die aller anderen, für die er Hashes erzeugt hat) mir nachträglich zuzuordnen?

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Ich lebe in Brasilien. Hier wird seit vielen Jahren ausschließlich über Wahlcomputer gewählt. Jede:r Kandidat:in verbreitet seine/ihre „Telefonnummer“ = Nummer, die im Wahlcomputer getippt werden muss, um ihn oder sie zu wählen. Quasi sofort nach Schließung der Wahllokale ist das Ergebnis da. Damit fuhr man bislang in Brasilien soweit gut. Niemand hat das Ergebnis angezweifelt. Und ehrlich: Hier ist dieses Wahlsystem durchaus fälschungssicherer trotz Anfälligkeit durch Hacker, denn es ist allemal einfacher, einen Haufen vorausgefüllter Wahlzettel in die Urnen zu geben, wie das wohl auch in Russland passiert.

Und nun kommt Bolsonaro und ficht das Wahlsystem an. Er will wieder über Zettel abstimmen lassen, wobei alle, die Bolsonaro kennen, ahnen, dass er seine Leute in die Wahllokale bringen will, damit sie in Analogie zu Russland vorausgefüllte Wahlzettel in die Urnen werfen können. Das brasilianische Verfassungsgericht hat die Beschwerden Bolsonaros gegen die Wahlcomputer abgewiesen - und damit das Gegenteil von dem beschlossen, was das deutsche Verfassungsgericht beschloss. Bolsonaro will sich dem natürlich nicht fügen.

Andre Länder - andre Sitten. Kein System ist ganz sicher, alle Systeme können missbraucht werden, aber alle Systeme können auch geschützt und sicherer gemacht werden.

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Wer stellt sicher, dass in der Wahlkabine nicht ne Minikamera ist, die aufnimmt wie du wählst? Die Dinger sind super klein. Abgesehen davon braucht der Wahlcomputer ja gar nicht deinen Namen.

Offener Quellcode der Software und unabhängige Kontrollen…

BVerfG: „Jeder muss sich ohne besondere Vorkenntnisse vom korrekten Ablauf der Wahl überzeugen können“

@HansHans : „Informatiker mit tiefen Kenntnissen in Programmiersprache X müssen reichen“

BVerfG: „Jeder muss sich vom korrekten Ablauf der Wahl überzeugen können“

@HansHans : „Ey BVerfG, das muss reichen wenn das ein paar unabhängige Experten können!“

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Ehrlich gesagt sind diese Art Aussagen genau was mich stört. Diese Aussage wird einfach in den Raum gestellt, ohne überhaupt den Gedanken zuzulassen, dass es eventuell nicht so sein könnte und zuzulassen, dass es ernstzunehmende Konzepte geben könnte, die es wert sind abzuwägen.

Sicher kann es das perfekte Wahlsystem nicht geben, das sicher, geheim und für jeden nachvollziehbar ist - irgendwo müssen Kompromisse eingegangen werden. Was ich mir wünschen würde ist nur, dass die Papierwahl mit ähnlichem Maße kritisch hinterfragt wird, wie elektronische Wahlmöglichkeiten und die Fürs und Widers fair in die Waagschale gelegt werden.

Wenn ich als korrupter Staat eine Papierwahl überwachen möchte, hab ich schließlich auch ausreichend Möglichkeiten: Ich kann Kameras installieren, Fingerabdruckscanner in die Kugelschreiber einbauen oder die Wahlzettel mit nicht sichtbaren Mustern versehen.

Eine elektronische Wahl kann mit der richtigen Infrastruktur und Komposition von Kryptoalgorithmen mit Sicherheit deutlich geheimer und sicherer stattfinden. Sie wäre dann eben nur nicht mehr für jeden nachvollziehbar - sondern nur von IT-Experten.

Das ist eine Abwägung, die man treffen können sollte. Und ich würde mich freuen, wenn man zumindest ein gut ausgearbeitetes Konzept hätte, über das man diskutieren könnte.

Wenn dieses ausgearbeitete Konzept, das ausreichend Sicherheit und Geheimhaltung garantiert, letztlich so kompliziert ist, dass es nicht praktikabel ist, könnte ich deutlich besser damit leben, wenn es abgelehnt wird. Aber mich würde schon interessieren wie (un-)praktikabel ein ausreichend sicheres System wäre oder anders herum, wie sicher man ein praktikables System bekommen könnte.

Aber diese Abwägung findet eben nur sehr einseitig statt: Es werden alle Nachteile der Papierwahl mit allen Präzedenzfällen in der jüngeren Geschichte komplett ausgeblendet und weiterhin die Papierwahl als alternativlose, makellose Lösung herausgestellt. Und sobald ein Computer involviert ist, heißt es „geht nicht, weil mit Bits“.

Ich fände eine etwas differenzierte Gegenüberstellung sehr begrüßenswert.

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Wie sieht das mit Blinden oder Personen die nicht Rechnen können aus? Können diese sich genauso überzeugen? Wenn ich weder ordentlich Zählen noch Rechnen kann muss ich mich auch auf andere verlassen. Abgesehen davon kann ich mich auch nicht von der kompletten Wahl überzeugen, sondern nur von ein paar Wahllokalen.

Blinde können immerhin ihre Vertrauenspersonen individuell frei wählen, was ein gewaltiger Unterschied zu einer Hand voll irgendwie ausgewählten Experten ist. Und „zählen“ gehört zu den „nicht speziellen“ Fähigkeiten, von denen man ausgeht, dass erwachsene mündige Bürger sie haben. Selbst Dyskalkulie verhindert normalerweise nicht einfaches Zählen. Und selbst wenn: dann gilt dasselbe wie bei den Blinden, nämlich dass die Möglichkeit zur Wahl eigener Vertrauenspersonen aus dem persönlichen Umfeld (für die im Grunde jeder ohne die fragliche Schwäche in Frage kommt, und nicht wieder „nur Informatiker“ oder so) den Unterschied macht.

Ich muss sagen, ich bin es langsam leid, diese Diskussionen immer wieder einfangen zu müssen. Ihr argumentiert doch überhaupt nicht „für“ Wahlen mit Wahlcomputern, in dem Sinne, dass irgendwelche handfesten, relevanten Vorteile bei mindestens gleichwertiger Situation bezüglich der Nachteile herausgestellt werden, sondern versucht lediglich, die eklatanten Nachteile etwas weniger nachteilig wirken zu lassen. Und auch das geschieht nicht, indem man die Nachteile an der Wurzel behebt, sondern indem man die Konkurrenz madig macht, sprich irgendwelche Randszenarien aufbauscht, in denen die Papierwahl angeblich versagt (wobei geflissentlich ignoriert wird, dass niemand je behauptet hat, dass sie 100% perfekt sei - nur mit Abstand die beste Option unter den gegebenen Anforderungen!). Der Witz ist, dass eure Alternative der elektronischen Wahl keinen Deut besser ist in diesen Randszenarien, bzw. meist sogar noch schlechter - eure fiktive Person mit Dyskalkulie muss es unter eurer Prämisse z.B. irgendwie geschafft haben, Informatik zu studieren UND in das unabhängige Expertengremium zu kommen, um in einer tatsächlich besseren Situation gegenüber der Beurteilung der Korrektheit einer Papierwahl zu sein. Wo ist da also jetzt genau das Argument für elektronische Wahlen?

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Der wichtige Punkt ist doch: bei der Wahl mit Zettel und Stift kann man Betrug nicht skalieren. Stattdessen muss man als ‚bad actor‘ in zig Wahllokalen mit einer kleinen Armee von helfern präsent sein und läuft überall Gefahr entdeckt zu werden. Das können de facto nur die Strukturen leisten, die die Wahl organisieren. Also die staatlichen Stellen selbst. Wenn diese korrumpiert sind, dann ist aber ohnehin alles verloren.

Wahlcomputer sind nur dann nützlich, wenn man die Organisiatoren einer Wahl nicht willens und/oder in der Lage sind, ein Heer von (im Schnitt) vertrauenswürdigen Wahlhelfern zu mobilisieren, um die Auszählung innerhalb von ein paar Stunden über die Bühne zu bringen.

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Meine Argumentation richtete sich nicht für oder gegen Wahlcomputer sondern nur auf den Punkt von Slartie bezüglich:

Ach, und wie wird mir garantiert, dass derjenige, wer auch immer diesen tollen Hash erzeugt, den nicht auch nochmal selbst im Zusammenhang mit meinem Namen abspeichert und dann in der Lage ist, meine Stimme (und die aller anderen, für die er Hashes erzeugt hat) mir nachträglich zuzuordnen?

Und darauf ist halt quelloffener Code die Antwort.

Um es genau zu nehmen

  1. Der Grundsatz der Öffentlichkeit der Wahl aus Art. 38 in Verbindung mit Art. 20 Abs. 1 und Abs. 2 GG gebietet, dass alle wesentlichen Schritte der Wahl öffentlicher Überprüfbarkeit unterliegen, soweit nicht andere verfassungsrechtliche Belange eine Ausnahme rechtfertigen.
  1. Beim Einsatz elektronischer Wahlgeräte müssen die wesentlichen Schritte der Wahlhandlung und der Ergebnisermittlung vom Bürger zuverlässig und ohne besondere Sachkenntnis überprüft werden können.

Bei Computern sind auch alle wesentlichen Schritte der Wahl öffentlich Überprüfbar und zum 2ten Punk. Mittels des Hashes den du alleine bekommst kannst du jederzeit nachprüfen ob und wie deine Stimme gezählt wurde. Also auch hier ist ohne besondere Sachkenntnis von dir jederzeit überprüfbar ob alles sauber abgelaufen ist.

Kryptoverfahren sind zu kompliziert, als dass sich das lohnen würde. Das von mir vorgestellte Verfahren ist aber weder komplex in der Pragrammierung noch schwer für den Wähler zu überprüfen. Einfach eigenen Zufallshash suchen und Stimme überprüfen, fertig. Man kann hinter jeden Hash auch einen eigenen Buchstaben setzten. (Eindeutiger-Hash + Buchstabe). Damit wäre es nahezu unmöglich Kollisionen in einem Wahlbezirk zu erzeugen.
Alle Stimmen zusammenzählen und man hat das Endergebnis. Wer dazu zu blöde ist, der kann auch in unserem aktuellen Wahlsystem nichts nachvollziehen. Dass Wahlsystem ist schwerer zu manipulieren als unser aktuelles. Es benötigt nicht einmal eine große Menge an leuten, um zu verifizieren, dass Stimmen gefälscht wurden. Nicht jeder muss seine Stimme überprüfen. Bei 60Mio stimmen z.B. um 0.1% Abweichung zu bekommen müsste man 60 000 Stimmen fälschen. Wenn 7 000 Menschen ihre Stimme überprüfen haben wir mit 99.9% Sicherheit mind. einen dabei dessen Stimme gefälscht wurde.

Einziges Problem: Wie gehen wir mit Wahlbetrugsbehauptungen um? Aber dieses Problem haben wir ja auch jetzt schon.

Jetzt verteilst du einfach wahllos Anschuldigungen. Die Wahlmanipulationen, die jedes Jahr weltweit stattfinden sind keine Randerscheinungen. Dass man nicht ein Konzept ausgearbeitet, den Githublink nach Belarus schickt und die Woche darauf ist die Demokratie gerettet, ist völlig klar. Wenn, dann wäre das ein Prozess der über Jahrzehnte andauert.

Ich kann aber immer noch nicht den Widerstand dagegen verstehen nicht einmal wissen zu wollen, was man dafür bekommen könnte, wenn man die Nachvollziehbarkeit für Laien nicht unangefochten an oberste Stelle setzen würde. Mit der Entscheidung des BVerfG sind wir weltweit auch soweit ich weiß allein.

Dass es kein besseres System als die Papierwahl gibt, ist ja auch eine scharfe These, wenn die Diskussion über ernste alternative Konzepte gar nicht stattfinden.

Ein wirklich sicheres System kann ich mir wie gesagt nur vorstellen, wenn die Infrastruktur dafür international verteilt ist - die Infrastruktur also nicht vom Staat überwacht werden kann und die Staaten sich untereinander die Ergebnisse verifizieren.

Ist sicher wenn überhaupt, dann ferne Zukunftsmusik aber ich denke man sollte die Zeit stabiler Demokratie nutzen, um ein System zu etablieren, das manipulationssicher ist und nicht bei wachsender Tendenz zu extremen Lagern scheitern kann. Mit noch mehr Fantasie könnte man in noch fernerer Zukunft, Druck auf Regime ausführen, die nicht über das „internationale Wahlsystemsnetzwerk“ verifiziert wurden, weil nicht legitim. Wie gesagt nur ein Gedankenspiel. Und auch für Entwicklungsländer, die auf dem Weg sind eine stabile Demokratie zu gründen, wäre ein ordentliches von Expert:innen ausgearbeitetes Konzept als Alternative zur Papierwahl sicher wertvoll.

Den Erfahrungsbericht von Hagedo aus Brasilien finde ich z.B. recht interessant. Auch wenn mich die Sicherheit des Konzeptes auch nicht vollends überzeugt ist es wohl ausreichend schwierig zu manipulieren, dass Bolsonaro es gerne wieder gegen Zettel eintauschen möchte, die er besser manipulieren kann. In den USA würde ich auch nicht ausschließen wollen, dass die Fronten sich in ein zwei Jahrzehnten so verhärtet haben, dass die Papierwahl nur noch eingeschränkt funktioniert.

Wie gesagt würde gerne wissen, was man bekommen könnte, wenn man die Verständlichkeit für Laien in die Waagschale legt und die Fürs und Widers fair abwägt. Und kann nicht verstehen, wie man sich so sehr an ein Wahlsystem klammern kann, das in der jüngeren Geschichte (wenn auch nicht in Deutschland) so häufig gescheitert ist.

Das ist leider noch nicht die Antwort, denn das garantiert ja noch lange nicht, dass selbiger Code auch tatsächlich auf dem Wahlcomputer bzw. auf welchem System auch immer läuft.

Sowas kann man dann natürlich wieder versuchen mit digitalen Signaturen, commitment schemes, trusted computing o.ä. zu lösen, aber das ist dann natürlich schon wieder deutlich komplizierter in der Praxis (und auch durch Laien) zu verifizieren.

Nein, ist es nicht.

Code ist das Eine. Das andere ist, was auf den fraglichen Systemen am Wahltag tatsächlich läuft. Woher weiß ich denn selbst als jemand, der den Code lesen und verstehen kann, dass das, was ich da auf GitHub wochenlang untersucht habe, auch das ist, was am Wahltag auf den Systemen läuft?

Und selbst, wenn dem so sein sollte: Woher soll ich wissen, dass da nicht neben der Software noch ein weiteres Programm läuft, das Hashes und Identitäten mitschreibt, oder einfach für jede zehnte Stimme eine weitere dazu erfindet, inklusive frei erfundenem Hash (den nie jemand prüfen wird, weil er niemandem gehört), oder sonst etwas tut, was die Wahlsoftware eigentlich nicht tun sollte?

Ich nehme deine Antwort mal vorweg, um die Diskussion abzukürzen: die „unabhängigen Experten“ sollen Zugang zu den Systemen bekommen und das prüfen, nicht wahr? Okay. 1. Wo treiben wir so viele davon auf, dass jedes System in jedem Wahlbüro geprüft werden kann? 2. Wie genau sollen die das prüfen? Nachzuweisen, dass ein Programm aus exakt einem bestimmten Quellcode erstellt wurde, ist ein Problem, das selbst die meisten IT-Experten vor unlösbare Probleme stellt. Und mit dem Nachweis der Sauberkeit der Laufzeitumgebung (Betriebssystem, Hardware) hab ich noch gar nicht angefangen. Sollen die Experten ein Jahr vor der Wahl anfangen, damit sie rechtzeitig fertig sind?

Das mal ganz abgesehen von dem fundamentalen Problem, dass eine solch komplizierte Kontrolle eben gegen die verfassungsgemäße Art und Weise verstößt, wie Wahlen hierzulande stattzufinden haben, aber das wurde in den letzten Postings ja schon dargelegt.

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Ich verändere aber im Zweifelsfall überhaupt keine Stimmen, ich erfinde einfach zusätzliche Stimmen, indem ich ins System weitere Stimmen einstreue, denen auch ein Hash zugeordnet ist, der aber nie an einen Wähler ausgegeben wurde. Diese Stimmen wird nie jemand überprüfen.

Das ist übrigens genau dieselbe Art und Weise, wie Papierwahlen tatsächlich manipuliert werden (siehe die Videos kürzlich aus Russland, wo Leute unverfroren einfach hundert weitere vorbereitete Wahlzettel in Urnen stopfen) - auch da „biegt“ meist niemand bestehende Stimmen um, man verschiebt die Mehrheitsverhältnisse stattdessen, indem man zusätzliche Stimmen nicht existenter Wähler hinzufügt. Nur dass dafür bei klassischen Wahlen eine größere Menge Mitwisser in den Wahllokalen sowie genug Personal nötig sind, um das nennenswert zu skalieren, und dass natürlich der Vorgang selbst Zeit braucht und potenziell beobachtet oder gefilmt werden könnte - das kann man im großen Stil eigentlich nur machen, wenn die ganze Wahl sowieso eine Farce zur Verschleierung einer faktischen Diktatur ist.

Wenn ich hingegen in der Lage wäre, das voll durchzuautomatisieren in der zur Wahl eingesetzten Software…jo, dann kapere ich auch als Einzelperson die Wahl und streue landesweit je ein paar Stimmen rein, damit’s nicht auffällt.

Elektronische Wahlen sind auf jeden Fall aus theoretischer Sicht ein sehr interessantes Thema, aber - abgesehen von den Hürden, die das BVerfG setzt - die große Mehrheit der Sicherheitsforscher scheint sich einig, dass zumindest zum aktuellen Zeitpunkt keine Systeme existieren, die zuverlässig sowohl Geheimhaltung der Stimme und Unverfälschbarkeit der Wahl genügend gut garantieren können und dass die Methode der Papierwahl hinreichend gut bekannt ist und es auch durchaus moderne Möglichkeiten gibt, diese noch sicherer zu gestalten.

Zudem wurden, soweit ich weiß, in vielen (allen?) bisher untersuchten elektronischen Wahlsystemen, die zurzeit eingesetzt werden (z.B. Estland) erhebliche Mängel gefunden, sowohl in der Konstruktion als auch in der praktischen Umsetzung.

Ein Kernproblem besteht weiterhin darin, dass selbst solche Systeme, die theoretisch gute Eigenschaften haben (so dass man die beiden Ziele Anonymität und Fälschungssicherheit wenigstens zum Teil garantieren kann, solche Konstruktionen existieren), in der Praxis aufgrund der komplexen technologischen bzw. kryptographischen Prozesse oft nicht sicher umgesetzt werden (ein Beispiel aus dem estnischen Wahlsystem zeigte beispielsweise wie das W-LAN-Passwort eines internen Netzes einer Wahlzentrale öffentlich zugänglich auf einem Post-It stand). Das ist ja ohnehin eines der Hauptprobleme der Kryptographie, dass viele Probleme gar nicht in der Theorie sondern in der fehlerhaften Praxis entstehen.

Der Vollständigkeit halber sollte man aber auch noch erwähnen, dass die Geheimhaltung der Wahl auch bei der Briefwahl streng genommen nicht gegeben hat. Insbesondere kann ich jemanden dafür bezahlen, dass er das Kreuz an der Stelle macht, die ich möchte (Stimmkauf). Es ist aber natürlich unwahrscheinlich, dass sowas im großen Stil passiert ohne dass es auffällt. Eher vorstellbar sind Situationen wie „Rentner lassen sich ihren Stimmzettel von ihren Kindern ausfüllen“, aber vermutlich hat auch das keinen enormen Einfluss.

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Es gibt viele Ansprüche an eine freie Wahl, die auch eine digitale Version von Wahlzetteln erfüllen muss:

1- Wenn ich bei Partei X ein Kreuz mache, muss auch bei X was stehen und danach gezählt werden. Deswegen gibt es auch keine Bleistifte in Wahlkabinen. Was im Computer nach dem Kreuz bei X passiert ist sagen wir mal nicht sicher zu sagen.
2. Man muss nachzählen können. D…h. die Wahlzettel des Ortes auf den Tisch kippen, und noch einmal zählen. Das geht zwar auch mit Wahlcomputern, die einen Paper-Trail hinterlassen, nur büsst man hier genau die Vorteile ein die man glaubt geschaffen zu haben.
3. Massenmanipulationen (also nicht nur in einem Wahlbüro, sondern eben z.B. in einem ganzen Bundesland) sind möglich. D.h. nicht dass sie wahrscheinlich sind, aber eben möglich.
4. Man braucht eine Menge IT-Fachwissen, um Software zu auditieren und die Computer sicher vor nachträglichem Zugriff zu machen. Diese Computer stehen oft unbewacht nächtelang irgendwo rum, wenn man die bewachen will braucht man viel Personal. Das kann man auch dazu nutzen manuell zu zählen.

und zuletzt 5.
Welchen Vorteil bringt eine elektronische Wahl in einem Land wie Deutschland? Ich verstehe wieso z.B. die USA oder Russland auf solche Systeme setzen, aber ich hatte bisher immer das Gefühl dass die Wahl mit Papier hier in Deutschland recht gut funktioniert.

Ich finde die Vorteile liegen doch auf der Hand. Der Weg zur Urne könnte ggf. entfallen, damit würden auch mehr Menschen ihre Stimme abgeben können. Ich denke es ist eher eine Frage der Zeit, bis so etwas eingesetzt werden wird.
Im betrieblichen Rahmen bei meinem Arbeitgeber werden Betriebsratswahlen zum Beispiel seit einigen Jahren digital durchgeführt. Auch diese unterliegen gesetzlichen Anforderungen an Geheimhaltung und und Sicherheit.

Aber die Wahlmanipulationen finden immer in einem Rahmen statt, in dem „die Wahl“ als solche ohnehin eine Farce ist. Belarus braucht keine Wahl. Belarus ist eine Diktatur. Diktatoren veranstalten aber immer gern Wahlen, weil sie sich damit international Legitimation erschleichen, indem sie so tun, als würde ihr eigenes Volk sie tatsächlich mit großer Mehrheit als Herrscher haben wollen. Beispiele dafür gibt’s unzählige in der Geschichte der undemokratischen Staaten der Erde. Wir haben in Deutschland in der DDR vor gerade ein paar Jahrzehnten genau denselben Käse gehabt.

Tut mir leid, aber kein Wahlsystem der Welt kann unter solchen Bedingungen zu einer fairen demokratischen Wahl führen. Keins mit Papier, und auch keins mit Technik. Auch die Idee, sich irgendwie international auf „ein System“ zu einigen, das dann alle zu benutzen haben, ist sehr naiv. Das scheitert schon daran, dass jede Demokratie auch heute ihr eigenes Wahlverfahren hat, weil demokratische Systeme nun mal nach unterschiedlichen Regeln funktionieren. Die Gemeinsamkeit dieser sehr unterschiedlichen Systeme ist, dass bestimmte Grundprinzipien gelten; die wichtigste davon: alle Macht geht vom Volke aus. Vom Volke, nicht vom Betreiber eines „internationalen Wahlsystemsnetzwerk“!

„Technik ist keine Antwort auf organisatorische Probleme“ - das ist ein Grundsatz der nahezu immer gilt, und er gilt auch hier. Wahlbetrug ist nahezu immer ein organisatorisches Problem, und politische Animositäten zwischen Staaten sind grundsätzlich immer ein organisatorisches Problem. Es benötigt keine Technik, um diese zu lösen - ganz im Gegenteil, wenn man rein organisatorische Probleme lösen will, dann muss man Komplexitätsreduktion betreiben, nicht Komplexität durch mehr Technik erhöhen!

Das beste Beispiel lieferten letztes Jahr übrigens die Amerikaner, und zwar gleich mit einem Doppel-Fail:

  • Trotz viel Technik-Einsatz bei der Präsidentschaftswahl dauerte es fast eine geschlagene Woche, bis der Gewinner feststand. Die Amis setzen in einigen Staaten Wahlcomputer ein, und in nahezu allen Staaten kommen mindestens Stimmzettelscanner zum Einsatz. Besonders schnell wurde die Auszählung dadurch aber nicht gerade, und das bot Trump wunderbar viel Zeit, um an der Legende vom Wahlbetrug zu spinnen.
  • Der Wahlcomputereinsatz selbst war es außerdem, der Trump eine Steilvorlage bot, um eine seiner Legenden zu fabrizieren, gemäß derer der Hersteller der Maschinen irgendwelche angeblichen Verbindungen nach Venezuela haben soll und die Maschinen manipuliert gewesen seien. Ist ja auch schön praktisch, wenn man da so eine Black-Box stehen hat, der Leute „vertrauen“ müssen - wenn einem das Ergebnis nicht gefällt, behauptet man einfach, die Black-Box sei manipuliert, und wartet drauf, dass die politischen Gegner den schwierigen Gegenbeweis erbringen!

Faire demokratische Wahlen brauchen funktionierende Demokratien. Und funktionierende Demokratien zeichnen sich dadurch aus, dass die Macht tatsächlich und wirklich vom Volke ausgeht. Damit sie das kann, muss das Volk selbst - nicht „ein paar Experten“, nicht „Informatiker“, sondern das gesamte Volk - aber auch voll und ganz Herr über sein Werkzeug zur Verteilung der Macht sein - und das ist das Wahlsystem.

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