LIM
4
Auf den Punkt gehen sie ja sogar in dem Schreiben ein.
Sie sagen ja in etwa:
Da fossiler Strom an der Börse teurer wird, verlangen auch die Ökostromerzeuger mehr; weil sie es einfach können.
Inwieweit das alles so stimmt, oder ob Naturstrom einfach die Chance nutzt, um mehr Geld zu verlangen, kann man schwer prüfen / nachvollziehen.
Aber ja, ich empfand etwas wie du.
Ich ging davon aus, dass Naturstrom ja auch teilweise eigene Anlagen betreibt oder langfristige Verträge mit Erzeugern haben, sodass die Preise konstant bleiben können.
Selbst die Kürzung der EEG-Umlage federt das ja nicht ab
Guenter
5
Auf deren Webseite sind einige Anlagen aufgeführt. Aber nur bei einer, wenn ich nix überlesen habe, ist die Nutzung zur Versorgung der Naturstrom-Kunden angegeben. Der Rest scheinen Anlagen mit EEG-Vergütung zu sein. Sprich: Naturstrom verkauft den Strom dieser Anlagen zu auf 20 Jahre festgelegten Preisen an den jeweiligen Versorgungsnetzbetreiber und es gibt gar keine Verbindung zur Stromlieferung an seine Kunden.
2 „Gefällt mir“
Noi
6
Naja, man dürfte erwarten, das eine Firma, welche als Kern Slogan: „100% Erneuerbarer Strom“ aufführt, immer eine gewisse Überproduktion für Neukunden hat und ggf. die übrig bleibende Energie Gewinnbringend verkauft. Abgesehen davon, dürfte der Anteil von Neukunden pro Monat nicht so groß sein, das plötzlich die Preise für zig tausende Bestandskunden angehoben werden müssen.
Noi
7
„Weil die Energieerzeuger nicht dumm sind.“ Naja, also kürzer kann man ja nicht denken. Wenn man meint kurzzeitige Gewinnsteigerungen wären ohne wenn und aber das beste für ein Unternehmen, ist man glaube ich nicht der beste Unternehmer. Egal wen ich bissher von Naturstrom überzeugen wollte, die erste Antwort ist immer: „Das ist doch teurer als mein jetztiger Vertrag“. Und das meine ich mit verpasster Chance. Wenn jetzt das Land voll gepflastert wäre mit Plakaten mit z.b. „Unsere Preise bleiben stabil, wechseln Sie jetzt“. Dann hätte Naturstrom in kürzester Zeit wohlmöglich doppelt so viele Kunden wie bissher und damit nachhaltig Gewirtschaftet. Der massive Zugewinn an Kunden bringt dem Unternehmen doch auf lange Sicht viel höhere Gewinne und außerdem würde es der Energiewende einen Turbo verleihen, welches eigentlich ja auch der Unternehmensphilosophie entsprechen sollte…
Guenter
8
Wir erleben gerade den größten Strompreisanstieg in der Geschichte. Wer sich nächsten Monat in Frankreich mit Strom eindecken will, zahlt im Großhandel den zehnfachen Preis (ca 55 Cent pro kWh) im Vergleich zum Durchschnitt der letzten Jahre. In Deutschland sieht es nicht viel besser aus. Landauf, landab erhalten deswegen gerade Stromkunden - von der alten Oma bis zum Großunternehmen - saftige Preiserhöhung von ihren Lieferanten. Wenn jetzt irgendein Anbieter auch nur zwei, drei Cent unter dem Durchschnittspreis anbietet, hat der innerhalb einer Woche zehntausende Neukunden. Aber den zusätzlichen Strom, den die nachfragen, müsste man ja am Markt einkaufen. Und da werden momentan Mondpreise verlangt.
Ein Gutteil der Strom- und Gasversorger haben deswegen aktuell das Neukundengeschäft ganz eingestellt.
2 „Gefällt mir“
Guenter
9
Das ist kein Bäcker, der bei einem plötzlichen Nachfrageanstieg einfach eine Sonderschicht einlegt und dadurch doppelt soviele Brötchen backen kann. Oder sich einen zusätzlichen Ofen dafür anschafft.
Es gibt ja in Deutschland kein einziges Windrad oder PV-Anlage mehr dadurch, dass jemand zu Naturstrom wechselt. Allenfalls kann Naturstrom einen Teil seiner Handelsspanne in den Bau neuer Anlagen investieren, die dann zur Versorgung der Kunden beitragen. Für ein Windrad braucht es derzeit zig Jahre, bis es gebaut ist. PV-Anlagen gehen natürlich schneller, tragen jetzt im Winter aber nix zählbares bei.
C_C
10
Naturstrom kann seinen Bedarf nicht aus der eigenen Energieproduktion decken, weil grüner Strom nicht konstant produziert wird. Damit müssen die mit ihren produzierten Mengen selber handeln und die verkaufen und andere Mengen einkaufen. Und damit sind die eben nicht unabhängig von den derzeitigen Preisen auf den Energiemärkten.
Der Gaspreis für kurzfristige Produkte war Anfang des Jahres bei ca. 20 Euro/MWh und ist derzeit bei 135 Euro/MWh. Das sind heftige Turbulenzen auf den Energiemärkten und davon sind alle Firmen der Energiewirtschaft betroffen.
1 „Gefällt mir“
C_C
11
Einige haben ihr Geschäft bereits komplett eingestellt und es ist zu erwarten, dass noch weitere dazu kommen werden.
1 „Gefällt mir“
LIM
12
Naturstrom hat seit dem 17.12. auch das Neukundengeschäft quasi eingestellt, indem die Preise für neue Verträge bei ca 0,38 € / kWh liegen.
Ich glaube die sind froh, wenn sie ihre aktuellen Kunden bedienen können und nicht pleite gehen bis die Preise wieder sinken.
1 „Gefällt mir“
Hab gerade mal aus Spaß ein Stromvergleichsportal aufgerufen, das man aus der Werbung kennt, und da war 38 Cent jetzt überhaupt nicht sonderlich teuer zur Zeit.
Hab selber gerade den Anbieter gewechselt, auch in etwa in diese Preiskategorie, weil der alte Anbieter zum 1.1. auf 44 Cent erhöhen wollte. Wo bekommt man das denn derzeit deutlich billiger?
Guenter
14
Der aktuelle Großhandelspreis 1-zu-1 an den Endverbraucher weitergegeben sollte auf einen Strompreis irgendwo bei 45 Cent bis 55 Cent pro kWh netto rauskommen.
njanert
15
Ich bin im Oktober zu Naturstrom gewechselt, zu günstigen 30 Cent/kWh und einem Jahr Preisgarantie. Wir wohnen in einem älteren (90’er) Mehrfamilienhaus, in welchem die Warmwassererzeugung mit Strom erfolgt, zur Miete. Bei knapp 5000 kWh Jahresverbrauch macht sich ein hoher Strompreis direkt bemerkbar.
Ich frage mich nur, wie sich das Haushalte mit niedrigem Einkommen leisten sollen? Nur weil Deutschland die Energiewende Jahrzehnte verschlafen und sich in Abhängigkeit eins unberechenbaren Monopolisten (Gazprom) begeben hat, müssen die einfachen Bürger die Kosten tragen. Nachdem schon in der Finanzkrise die Verluste sozialisiert wurden, in der nachfolgenden Staatsschuldenkrise die Sparer „enteignet“ und ein Vermögensaufbau (Hauskauf) für Normalverdiener durch die Politik der EZB unmöglich gemacht wurde, beginnt jetzt die nächste Runde des Politikversagens. Dieses wird wieder die unteren Einkommen am härtesten treffen.
Und da haben wir nicht nicht mal einen annähernd realistischen CO2-Preis…
1 „Gefällt mir“
cors
16
Hallo, ich finde, das wäre eine gute Gelegenheit, in einer Folge mal darauf einzugehen, wie Ökostrom funktioniert, dass es da unterschiedliche Modelle gibt und dass da von manchen Anbietern auch Schabernack getrieben werden kann (z.B. RECS-Zertifikate, mit denen Strom aus schon lange abgeschriebenen Wasserkraftwerken „doppelt“ verkauft werden kann, um so konventionellen Strom „grün“ zu machen).
Ein kleiner, nicht ganz zum Thema gehörender Gedanke: Im Jahr 2025 werden wir zwischen „Strom“ und „Strom aus fossilen Energien“ unterscheiden und nicht mehr zwischen „Strom“ und „Ökostrom“ wie heute.
1 „Gefällt mir“
Guenter
17
Gar nicht.
Hier müsste radikal vorgegangen werden und dem Vermieter die Modernisierung vorgeschrieben werden. Ansonsten zahlt er Anteil X der Energiekosten seiner Mieter.
Im Gegenzug sollte man die Eigentümer mit Fördergeldern/zinslosen Krediten mit Tilgungszuschuss zuwerfen.
Aber das ist natürlich Träumerei …
2 „Gefällt mir“
njanert
18
Das klingt erstmal nach einer guten Idee und ist für den Vermieter auf längere Sicht kostenneutral, da die Warmmiete gleich bleibt und die Kaltmiete nur um die Energieeinsparung steigt. Es gibt genügend Berechnungen für KfW70 und höher. Zumindest in einer idealen Welt wäre eine solche Sanierung sinnvoll. Nur fehlt der gesetzliche Zwang und die Handwerker um den deutschen Wohnimmobilienbestand zu sanieren.
Keine Ahnung wie ein ALG2-Empfänger eine doppelt so hohe Stromrechnung aus dem Regelsatz begleichen soll. Wieso steigt der nicht automatisch mit der Inflation bzw. ist als Bürgergeld für eine würdevolle Existenzgrundlage ausgestaltet.
1 „Gefällt mir“
Ich kann zwar nur aus eigener Erfahrung bzw der meiner Freunde berichten, aber mir ist bisher kein Vermieter vorgekommen, der bei einer Sanierung welcher Art auch immer drauf gezahlt hat. Der Vermieter geht üblicherweise in Vorleistung, holt sich das Geld aber über Mieterhöhung über die Zeit wieder rein. Etwas anderes anzunehmen halte ich für naiv.
Kleiner Nachtrag zum eigentlichen Thema:
Wenn ich heute in einem Vergleichsportal meiner Wahl für Köln nach einem Stromvertrag suche, dann sind alle dort ausgegebenen Preise (zB von Vattenfall) um 5 bis 10 Euro im Monat teurer als ein neuer Vertrag bei Naturstrom (wo zumindest laut Hompage ein Vertragsabschluss durchaus möglich ist).
Das fand ich schon spannend, für Neukunden verpasst Naturstrom die Chance scheinbar nicht 
TilRq
21
Ich habe vorgestern für meinen Schwager (mit sehr hohem Stromverbrauch) in Würzburg einen neuen Strom-Anbieter gesucht. Alle Anbieter mit „Öko-Strom“-Tarif im Vergleichsportal (hier: Verivox und Check24) waren teurer als Naturstrom. Anbieter mit „nachhaltigem Öko-Strom-Tarif“ gab es gar keine. Naturstrom wird offenbar nicht über die Vergleichsportale angeboten.
Ist mir neulich auch aufgefallen, dass die Ergebnisse von Verivox anscheinend sehr unvollständig sind. Früher war das meines Wissens nicht so.
Für Hamburg war dort der Grundversorger Vattenfall praktisch das einzige Ergebnis, was nicht völlig überteuert war! (Macht euch mal den Spaß und gebt als Postleitzahl z.B. 20097 ein. Im Grunde ist so ein „Preisportal“ damit vollkommen wertlos.)
Vermutlich ist der Markt derzeit tatsächlich so schwierig, dass viele verhältnismäßig noch günstige Stromversorger gerade zwar keinen expliziten Neukundenstopp haben, aber auch nicht unbedingt auf einen wachsenden Kundenstamm setzen, und deswegen schon gar keine Vermittlungsprovisionen an Vergleichsportale bezahlen möchten.