Deshalb habe ich ja gefragt, wo in der Studie zum Thema Einsatzfähigkeit eine Differenzierung zwischen USA und anderen NATO-Staaten vorgenommen wird. Dazu habe ich nichts gefunden, nur die gegenteilige Position, die die entscheidende Rolle der USA bei der Einsatzfähigkeit unterstreicht.

Was macht denn deien Art zu leben aus und wie genau wird sie durch hohe Rüstungsausgaben „bedroht“? Was bedeutet das konkret?

Natürlich muss man das definieren. Wenn man sich die Berichte ansieht, dann fällt mir aber keine Definition ein nach der die Bundeswehr im heutigen Zustand wirklich einsatzfähig wäre.

Ginge es nur um humanitäre Hilfe, dann bräuchte man gar keine Bundeswehr sondern THW und Rotes Kreuz würden reichen.

Und natürlich würde morgen falls Russland angreift irgendwer an der Grenze stehen. Die Frage ist aber ja in welchem Zustand. Langt die Munition um die einstudierten Taktiken umzusetzen. Langt dafür auch das voll funktionsfähige Material?

Man muss sich ja auch bewusst sein, Mangel an Material und Ausrüstung die Verluste in die Höhe treibt.

Und dann ist der nächste Punkt, dass es vielleicht überhaupt nur zu einem Angriff kommt wenn der Angreifer sich einen Erfolg erhofft. Ich würde zum Beispiel durchaus die Möglichkeit sehen, dass Russland die Ukraine nicht angegriffen hätte wenn man massive Gegenwehr erwartet hätte.
Es gab ja viele Berichte, dass die Soldaten zu großen Teilen nicht auf Kampfhandlungen eingestellt waren.

Und wieder zurück zur „Aufrüstung“. Das erreichen der 2% ist ja nur das erreichen eines lange überfälligen Ziels. Es ist ja nicht so, dass dieses Ziel jetzt ganz neu auf dem Plan steht. Woher kam denn in weitaus friedlicheren Zeiten dieses Ziel?

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  • Rüstungsausgaben stellen eine Umverteilung von unten nach oben dar. Der Staat nimmt Steuergelder und bezahlt damit private Unternehmen, die davon ordentliche Gewinne machen. Das zerstört den sozialen Zusammenhalt, den ich mir in der Gesellschaft wünsche.
  • Rüstungsausgaben sind klimaschädlich. Im Moment wird nicht einmal genau erhoben, wie hoch die Emissionen beim Militär sind (Quelle), aber sie sind definitiv hoch. Der Klimawandel bedroht meine Art zu leben direkt.
  • Militarisierung fördert den Rechtsruck der Gesellschaft. Es wird immer wieder gezeigt, dass das Militär von Rechtsextremen unterwandert ist. Durch eine weitere Normalisierung des Militärs wird der Einfluss, den diese Rechtsextremen ausüben können, steigen.
  • Ein größeres Militär will auch verwendet werden, um die Ausgaben zu rechtfertigen. Das bedeutet natürlich nicht, dass Deutschland gleich in Frankreich einmarschiert, aber so Argumente wie Bundeswehreinsatz im Inneren werden öfter kommen. Ich halte es auch für nicht unwahrscheinlich, dass unter einer rechten Regierung das Militär zur „Grenzsicherung“ herangezogen wird.
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Von Lobbyverbänden der Rüstungsindustrie.

Eigentlich war meine Frage, wie hohe Rüstungsausgaben konkret deine Art zu leben bedrohen, nicht was sie deiner Ansicht nach alles für negative Folgen haben. Wobei es natürlich redlich gewesen wäre, das mit den m. E. mindestens ebenso negativen Folgen von Alternativszenarien abzugleichen, die da wären: a) hohe Ausgaben für eine de facto nicht brauchbare Armee und b) weniger Ausgaben und gar keine einsetzbare Armee.

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Ich hatte gehofft, dass es hier allen schon klar ist, wie z.B. der Klimawandel unserer aller Art zu leben bedroht, wenn du da nochmal einen konkreten Abriss brauchst, wirst du bestimmt durch googlen fündig.

Deine Alternativszenarien tragen natürlich auch schon ein bestimmtes Framing. Ich würde mich ja aussprechen für c) geringere Ausgaben für eine kleinere, dafür aber einsatzfähige Armee unter strenger demokratischer Kontrolle.

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Dabei wäre der Staat nicht einmal auf die Steuereinnahmen angewiesen (Siehe Doppelwums). Die Umverteilung nach Oben bleibt natürlich bestehen.

Dachte mir schon, dass das mit der „Bedrohung“ eher billige Polemik als ein wirkliches Argument ist. Danke für die Bestätigung.

Abgesehen davon dass der Satz unterstellt, dass es derzeit keine demokratische Kontrolle dieser Ausgaben gibt: Wie genau willst du mit weniger Geld aus einer mittelgroßen, nicht einsatzfähigen Armee eine kleinere, aber einsatzfähige machen?

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Hast du da fundierte Quellen?
Das impliziert ja schon das die Bundeswehr ein Hort rechtsextremer Gestalten ist. Wie auch die Polizei?? Find das Framing ohne Belege sehr einseitig bis diffamierend.

Die Frage von Sinn und Nutzen einer Bundeswehr haben wir ja durchaus schon diskutiert.
Ich denke es ist durchaus vergleichbar mit der Funktion der Polizei.
Unsere Gesellschaft fühlt sich von Kriminalität bedroht und der Tatsache, das Teile unserer Gesellschaft sich nicht an geltendes Gesetz halten.
Dafür geben wir eine Menge Geld für eine bewaffnete Schutztruppe und Ermittlungsbehörde aus, platt formuliert .
Das Geld kann man sicher auch gut für Schulen und Klimaschutz gebrauchen.
Nur mal als Vergleich zum subjektiven Bedrohungsempfinden.

Zur Rolle der Bundeswehr: es bleibt die Frage, was soll sie können?
Nur andere Truppen im Kriegsfall bei der Logistik unterstützen? Da reichen leichtbewaffnete Nachschubtruppen, Instandsetzung sowie ein guter Sanitätsdienst, vernetzt mit zivilen Diensten.

Sollen Bundeswehrsoldaten/innen auch aktiv in Kämpfe zur Verteidigung eingreifen? Sollen den „unangenehmen“ Teil lieber andere machen? Was wollen die dafür? Geld?

Also ich sehe da schon bzw immer noch eine unbeantwortete Grundsatzfrage zur Rolle der Bundeswehr in unserer Gesellschaft heute.

Vielleicht reicht ja auch eine Diplomatiebehörde mit geschulten Verhandlungsführern?
Ernst gemeint.

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Etwa hier:

Ich würde ja behaupten, dass eine Normalisierung des Militärs dafür sorgt, dass sich dort vermehrt normale Menschen bewerben.

Gerade die Ablehnung der Bundeswehr in linken Kreisen sorgt doch erst dafür, dass die Bundeswehr leicht von rechts unterwandert werden kann.

Edit:
Generell finde ich gehört die Bundeswehr in die Mitte der Gesellschaft gerückt. Sie darf nicht das Spielfeld für Militaristen werden, sondern sollte so geschaffen sein, dass das Verteidigen unserer Grundwerte im Vordergrund steht. Sie sollte möglichst einen Querschnitt der Gesellschaft wiederspiegeln .

Einen Einsatz im Inland oder an den Grenzen sehe ich bei einer gut ausgestatteten Bundeswehr auch nicht realistischer als bei der heutigen, da es dafür ja diese Ausstattung nicht braucht.

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Danke für die Quelle.

Soweit ich recherchieren konnte, gab es zuletzt 216 rechtsextreme Verdachtsfälle in der Bundeswehr. Bei rund 180.000 Soldaten.
Bei der Polizei mit rund 280.000 Beamten/innen wurde gegen 400 Beamte wegen Rechtsextremismus ermittelt.

Kann man also sagen das beide in Relation rechtsextrem unterwandert sind?

Sollten wir beide Institutionen also enger überwachen oder deutlich verkleinern?

Ich war weder vor, noch nach den Ukraine Krieg Pazifist. Was hat deine Meinung geändert, schließlich gab es ja genug Kriege davor? Was die Verteidigungsfähigkeit betrifft, es ist schon beschämend das wir in D nur für ca 3 Tage Munition haben. Für mich liegt hier, und auch für die Nato und der EU, der Fehler im System.

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Letztlich spannendes Thema.

Aber sicher eine ähnlich schwierige Frage wie „müssen wir wirklich Klimaschutz betreiben? Wenn ja wie viel?“

Weil die konkrete Bedrohung ebenso unvorhersehbar ist