Müde von den Corona-Debatten

Ich möchte hier mal eine Position einbringen, die bis jetzt noch kein Gehör gefunden hat. Ich weiß nicht wie viele andere momentan das selbe empfinden wie ich, ich kann mir jedoch vorstellen, dass es sich um eine beachtliche Zahl handeln könnte. Ich bin einer derjenigen, die die ganze Debatte mittlerweile völlig leid sind. Und zwar nicht leid in dem Sinne, dass ich keine Lust mehr habe diese ganze Misere diskutieren zu müssen - das geht denke ich uns allen so -, sondern ich tue es schlicht nicht mehr. Ich würde fast soweit gehen zu sagen, dass sie mir egal ist. Und das ist unglaublich erschreckend. Ich bin Jura Student, aus einem Akademikerhaushalt und bin von Kindesbein an mit Politik und politischer Bildung konfrontiert gewesen, was sich auch in meiner Schulzeit und meinen Leistungen in Politik und Wirtschaft und Geschichte niedergeschlagen hat. Ich war immer interessiert, wissensdurstig und wollte alle Positionen so gut wie möglich nachvollziehen und verstehen können. Beim Thema Corona ist das nun aber langsam leider vorbei. Ich merke, wie ich mich immer mehr aus dem Diskurs zurückziehe, mich an Diskussionen nicht mehr beteilige, obwohl ich höre, wie jemand (juristisch) objektiv unhaltbare Dinge von sich gibt. Und ich stehe daneben, denke mir meinen Teil und gehe weiter. Der „Diskurs“ über diese Pandemie, und die mit ihr einhergehenden Maßnahmen, ist derart emotional aufgeladen und es gibt Menschen, die so unglaublich beratungsresistent und unempfänglich für Fakten sind, dass die Diskussion sich meiner Meinung nach in den meisten Fällen selbst ad absurdum führt. Vertraue ich der Schulmedizin zu unrecht mehr als viele andere? Mag sein, aber ich bin Typ 1 Diabetiker und ohne die Schulmedizin wäre ich schon längst nicht mehr am Leben. Macht es mich dann wütend, wenn Menschen ohne jegliche Anhaltspunkte anfangen zu erzählen die Impfung würde Diabetes oder Ähnliches auslösen? Natürlich macht es mich das, aber ich versuche sie nicht mehr zu verbessern. Ich versuche nicht mehr dagegen zu argumentieren. Ich habe es für mich als sinnlos eingestuft überhaupt noch mit solchen Menschen zu sprechen. Und es macht mich traurig. Denn in einer Gesellschaft, in der man aufgrund von Meinungsverschiedenheiten nicht mehr miteinander sprechen kann, möchte ich eigentlich nicht leben. Aber wir sind mittlerweile an dem Punkt, an dem auch ich nicht umhin komme zu sagen: „Mir reicht es, ich habe keine Lust mehr auf diese Gespräche.“ Dieser Mechanismus kann auf Dauer dazu führen, dass wir uns so weit voneinander entfernen, dass die zwei verschieden Realitäten, in denen wir jetzt schon leben, sich manifestieren und sich auf alle Bereiche des Lebens ausweiten, bis der eine Teil sich vollumfänglich von unserer Solidargemeinschaft verabschiedet. Und dann ist die Spaltung unseres „Staatsvolkes“, wie die Staatsrechtler es nennen, perfekt. Was ich damit sagen möchte ist Folgendes: Wir haben alle verschiedene Gründe uns Impfen zu lassen oder es nicht zu tun. Das Hauptargument für diejenigen, die es nicht tun, scheint eine inhärente Skepsis zu sein und ich weiß auch nicht wie man dieser entgegenwirken kann. Ich habe sie aufgrund meiner persönlichen Krankheitsgeschichte nicht, viele andere haben sie. Wenn wir jedoch fortfahren uns im Diskurs weiter so drastisch auseinanderzubewegen, dann wird eine Kommunikation bald gar nicht mehr möglich sein und die gemäßigteren Kräfte werden sich immer weiter aus der Diskussion zurückziehen, während der Rest sich mit den schärfest möglichen verbalen Schwertern auf dem Schlachtfeld gegenüber steht. Und das Resultat daraus wird nicht positiv und erst recht kein Konsens sein.

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Ich kann die Resignation sehr gut nachvollziehen, versuche aber den Denkfehler zu vermeiden, dass wir hier von zwei ähnlich großen Gruppen, die in ähnlicher Weise an der sogenannten Polarisierung Schuld sind, reden. Das kann man ja auf ganz viele Themen der letzten Jahre auch global beziehen. Die Vernünftige, die Vernunft fordert ist nicht an einer gefühlten Spaltung Schuld, das ist doch absurd. Die, die immer dagegen sind haben ohnehin schon die viel einfacher zu vertretende Position, da sollte man ihnen nicht auch noch zugestehen, dass sie ernstgenommen und abgeholt werden müssen.

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Hi Timo, ich finde es ok, dass du dir diesen ganzen Frust mal von der Seele schreibst, also DOCH kommunizierst. Mir geht es manchmal ähnlich, aber ich bin zu einem anderen Ergebnis gekommen: Arschbacken zusammenkneifen und dran bleiben. Solange so viele Menschen direkt oder indirekt (mit)leiden, müssen die Kommunikationsleitungen weiter glühen. Man kann ja mal einen Gang zurückschalten und den Windschatten ausnutzen, aber bitte bitte nicht aussteigen. Dazu ist das Thema zu wichtig für uns alle.

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Mir geht es auch so. Ich hatte mich auch in letzter Zeit weniger informiert, z. B. den Corona-Podcast über die Sommerpause und auch danach nur sehr verzögert gehört oder auch mal etwas ausgelassen. Das Thema an sich ist aus meiner Sicht auch eine Belastung. Was ich versuche ist, zu differenzieren. Wenn ich mal irgendwo mit Leute ins Gespräch komme, mit denen ich bisher noch nicht gesprochen habe, versuche ich mich einzubringen und diese auch - falls nötig - zu überzeugen oder zumindest die neuesten Fakten an die Hand zu geben.

Wenn es aber so ein paar bestimmte Leute sind, dann muss ich ehrlich sagen, habe ich aufgegeben. Die Fronten sind verhärtet. Man kann auch mit solchen Leuten reden, aber man muss extrem geschickt vorgehen. Man darf das Thema nicht direkt ansprechen, sondern muss indirekt über ein verwandtes Thema kommen, da Fakten liefern und ganz sanft nach Corona rüberdriften, allerdings ohne zu sagen, dass das da genau so ist. Das ist extrem difiziel, anstrengend, zeitintensiv und oft von Misserfolg gekrönt. Bei einem Misserfolgt wird die Beziehung extrem belastet und ein Erfolg ist beim nächsten Gespräch bereits wieder verflogen, weil irgendein anderer Schwachsinn daherkam.

Bei manchen Personen in meiner Umgebung ist das bereits soweit. Die leben in manchen Bereichen vollständig in einer eigenen Realität ohne eine Chance sie daraus hervorzuholen. Die Fronten sind so hart bei diesen Leuten, dass sie alle Personen, die ihrer Realität widersprechen aus ihrem Leben ausschließen.

Das kennt man ja von Sekten. Und denen ist die Politik auch nicht entgegengekommen, sondern hat klare Kante gezeigt (s. z.B. Bhagwan in den 80ern oder die Scientology-Erklärung in der öffentlichen Vergabe.) Querdenker hingegen werden mit Samthandschuhen angefasst, obwohl sie nur rumpöbeln und Unsinn von sich geben.

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Stimmt, aber die Realität holt sie in Form einer Erkrankung an Corona früher oder später ja doch ein. Ich bin da mittlerweile sehr pragmatisch und gehe auf diese Dogmen nicht mehr ein.
Wenn allerdings Lügen verbreitet werden (z.B. „es sind doch nur geimpfte auf den Intensivstationen“) halte ich massiv dagegen.

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