Mietpreise

Hallo liebes Lage-Team,

ich beziehe mich auf euren Podcast 468 und das Thema Mietpreise/Mietpreisbremse. Ein Argument eines “Unternehmers/Investors”, welches ihr vortrugt, lautete dmenach, woher die Annnahme käme Anspruch auf günstigen Wohnraum in der Stadt haben zu dürfen.Sehr sehr interessanter Punkt!!!

Ihr werdet lachen aber zum letzten Weihnachtsfest war das ein hoch diskutiertes Thema bei uns in der Familie und wir haben zusammen einen Fragebogen getestet, der zur Datenerhebung Mietpreise betreffend genutzt werden sollte. Warum? Essen war leer :smiley:

Für die Erläuterung, wie es zu dieser Situation kam, muss ich etwas ausholen. Mein Bruder arbeitet an der TU Chemnitz und Beschäftigt sich unter anderem mit den Themen Stadtplanung- und Entwicklung und Urbane Transformation. Im Zuge eines Projektes geht es darum mittels eines Fragebogens Daten zu erheben was eigentlich “die Miete” alles beinhaltet. Wird das Konzept Miete nämlich in einem größeren Zusammenhang betrachtet, entsteht ein Spannungsfeld zwischen dem Preis für die Wohnfläche (Miete), Mobilität und Energie.
Um es zu veranschaulichen und meinen Ausgangpunkt zurück zukommen: Person XY sagt, ein Recht auf günstige Wohnungen in der Stadt gibt es nicht. Menschen sollten daher auf das Umland ausweichen, da die Mieten hier günstiger sind.
Ja, der Preis für die Wohnfläche sicherlich. Aber was heißt das für die eigene Mobilität? Unter Umständen muss ein Kraftfahrzeug mit Verbrennermotor angeschafft werden, da die Infrastruktur nicht gegeben ist öffentl. Verkehrsmittel zu nutzen. Die dadurch entstehenden zusätzlichen Kosten und ökonomischen Auswirkungen sind nicht zu verachten. Was heißt das auch für den Energieverbrauch? We gut sind die Sanierungsstandarts? Spare ich wirklich oder muss ich hier mit höheren Kosten rechnen?
Ich möchte auch noch einen persönlichen Aspekt einbringen. Denn ein längerer Arbeitsweg bedeutete für mich, dass ich meine Arbeitsstunden reduzieren musste, da ich allein erziehend bin. Ich erhielt weniger Geld, was schließlich dazu führte meinen Job aufzugeben, weil das Geld am Ende nicht reichte. Also auch die persönliche Lebenslage hat einen direkten Einfluss auf die Frage nach dem Wohnraum und dessen Preis.

Mich beschäftigt dieses Thema sehr, da ich aus einer linken, solidarischen Richtung komme und u.a. mit Autonomen Hausprojekten zu tun habe. Zudem finde ich den Ansatz, den die Mitarbeitenden an der TU Chemnitz da gerade verfolgen sehr spannend und könnte mir vorstellen, dass dies ein Thema für die Lage der Nation sein könnte. Sollte Interesse bestehen, schreibt mir gern, dann stelle ich auf Wunsch den Kontakt her.

In diesem Sinne viele Grüße aus dem sonnigen Potsdam und vielen Dank für euren wöchentlichen Input,
Anna

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Alternativ kann ich auch Barbara Schönig als Professorin für Stadtplanung an der Bauhaus Universität Weimar zu dem Thema empfehlen

Ein Aspekt der im Podcast anklingt aber nicht ausformuliert wird ist das Spannungsfeld Mieter:innenschutz vs Neuzuziehende
Also warum wird ein:e Mieter:in geschützt die seit 20 Jahren einen Mietvertrag hält der sehr günstig ist, während Leute die neu in die Stadt kommen massive Probleme haben? An der Stelle wirken starke Mieter:innenrechte hemmend auf die Mobilität im Wohnungsmarkt (die eigentlich etwas gutes ist)

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Hallo, ich möchte auch noch Gedanken zu dem Thema teilen, die aus meiner Sicht zu kurz gekommen sind:

(1) Ihr diskutiert die Rentabilität von Wohnungen und darüber, dass der Mieterschutz sie senkt. Die Kaufpreise von Mehrfamilienhäusern und Baugrund hängen aber direkt von der zu erwartenden Rendite aus der Vermietung/dem Verkauf sowie der zu erwartenden Wertsteigerung ab. Die geringe Rendite aus der Vermietung ist damit Ausdruck der erwarteten Wertsteigerung. Steigt der Mieterschutz, sinken Mietwohnungen und Baugrund entsprechend im Kaufpreis und die Rendite ist nicht im gleichen Maße betroffen, wie man es vermuten könnte.

(2) Dass weniger Wohnungen gebaut werden, wenn die Rendite sinkt, setzt die Annahme voraus, dass das Kapital der limitierende Faktor sei. In vielen Ballungsgebieten fehlt es aber vermutlich auch schlicht an Bauland und den nötigen Arbeits- und Fachkräften. Mehr Kapital oder höhere Renditen steigern in solchen Situationen u.U. nur die Preise.

(3) Euer Lösungsvorschlag ist mehr kommunale Wohnungen. Dass diese dauerhaft günstig bleiben, setzt jedoch voraus, dass die Kommune sie dauerhaft hält und nicht versucht, die Kasse damit aufzubessern. Ich vermute, dass kaum ein*e Bürgermeister*in da die Hand für jede mögliche Nachfolge ins Feuer legen würde. Schließlich haben die Kommunen in der Vergangenheit massenhaft Wohnraum privatisiert (e.g. GSW Immobilien – Wikipedia ). Baugenossenschaften oder Mietshäuser Syndikatsprojekte haben sich hier deutlich ressilienter gezeigt, weil der Interessenkonflikt zwischen dem Grundbedürfnis nach Wohnen und dem Gewinnziel hier aufgelöst ist.

Viele Grüße

Julian

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Ich arbeite seit einem Jahr mit Kolleg*innen am Aufbau der Fachstelle Wohnungsnotfallhilfe im Landkreis Eichstätt. Letzterer ist idyllisch gelegenen mitten im Naturpark Altmühltal, also ländlich geprägt mit vermeintlich günstigen Wohnraum. Nach einem Jahr muss ich leider sagen: den bezahlbaren Wohnraum gibt es wohl auch hier nicht. Sicher, Wohnen ist wahrscheinlich billiger als im städtischen Bereich. Dennoch gibt es hier kaum freien Wohnraum, dafür viele Leerstände und definitiv keinen freien und zugleich bezahlbaren Wohnraum für Menschen mit wenig Geld, die z.B. Bürgergeld beziehen. Beim Landkreis Eichstätt handelt es sich gleichzeitig um einen Flächenlandkreis mit schlecht ausgebautem ÖPNV, so dass es zum Beispiel einer Familie, die wir beraten haben, passiert ist, dass sie in ein Dorf zog, das sie ohne eigenen PKW kaum verlassen können. Die Aufnahme einer Arbeit ist ihnen von diesem Ort aus im Moment nicht möglich, da sie sich kein Auto leisten können. Da ist dann auch der vermeintlich günstige Wohnraum nicht hilfreich. Ein erneuter Umzug ist auch nicht möglich, da das Jobcenter diesem zustimmen müsste und es die besser gelegene, bezahlbare Wohnung mit ÖPNV Anschluss nicht gibt. Ein Job findet sich selten in unmittelbarer Nähe, die Menschen bleiben auf das Bürgergeld oder ähnliche Leistungen angewiesen. Soziale Teilhabe ist so kaum möglich.

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Ich dachte, das Jobcenter unterstützt den Autokauf mit einem zinslosen Darlehn. Und die These ist ja, durch die Arbeitsaufnahme kann ein höheres Einkommen erzielt werden.

Was mir Sorgen macht, ist die mittelfristige Perspektive. Die demographische Entwicklung zeigt ja auf, das in spätestens 20 Jahre viele Wohnungen freigeworden sein werden. Deutlich über Bedarf. D.h. wenn jetzt Leute denken, ich kauf mir ne Wohnung als zweites Einkommen und Geldanlage fürs Alter, werden vielleicht noch Mieteinnahmen haben, die Wohnung aber bei weitem nicht den Preis erzielen, mit dem sie gerechnet haben. Also, noch nicht mal Rendite über Verkaufspreis. Außerdem werden Wertkorrekturen große Wohnungsunternehmen durchschütteln. Da würde sich die garantiert Rendite durch „Deutsche Wohnen enteignen“ sich schon fast attraktiv anfühlen. Ich denke, es wird nicht lustig werden.

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Wenn man die von Sanktionsfrei e.V. berichteten Fälle verfolgt, könnte man da erhebliche Zweifel haben. Teilweise werden sogar Beträge/Kredite für ordentliche Kleidung anlässlich Bewerbungsgespräch oder kaputte Waschmaschine oder Umzugskosten …oder …oder…. abgelehnt.

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Man kann die Aussage auch anders formulieren in der Finanz/ETF Bubble hab ich mal einen sagen hören:

„Woher kommt die Behauptung die Wohnungen seien nicht bezahlbar? Das ist Quatsch! Die Wohnungen sind bezahlbar, nur nicht von dir.“

So assi und bitter das ist, so ist leider auch was wahres dran. Wohnungen/Mieten sind teuer, weil es genug Menschen gibt, die diese Preise bezahlen. Also sind die Städte doch voll und es gibt gar kein Problem?

Warum ist das so? Warum haben wir jetzt „zu wenig“ Wohnungen? Wohnt niemand mehr auf dem Land, oder im Osten?
Wohnungspolitik müsste, dann nicht anstatt leere Versprechungen zum Bauen zu machen Infrastruktur auf dem Land fördern?

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Den Aspekt kann man gar nicht genug betonen.

Fachkräftemangel kommt auch daher, dass sich die Leute keine neue Mietwohnung leisten können und die Arbeitgeber Neueinstellungen kein Gehalt geben können von dem man sich easy eine Wohnung leisten könnte.

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Zeigt wie beschränkt unsere Elite denkt.
Denn der Angestellte in der Bäckereikette, der Metzger und die PTA stehen da nur noch, weil sie den Vorteil von Altmieten haben oder noch bei den Eltern wohnen. Ist der Vorteil weg, sind sie auch weg.

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In der KiTa meiner Tochter so passiert. Betreuerin sucht mit ihrer Familie 1 Jahr nach einer passenden Wohnung, zieht am Ende ins Umland und wechselt dort in die KiTa. Warum sollte sie auch pendeln? Der Mieterschutz ist für das Funktionieren einer Gesellschaft essenziell.

Mich würde auch mal eine Betrachtung interessieren wie unser Steuersystem Wohnraum als Kapitalanlage vs. Wohnraum in Eigennutzung bevorzugt. Soweit ich weiß, kann man vermietete Wohnungen in der Einkommensteuer abschreiben und nach 10 Jahren ohne Kapitalertragsteuer wieder veräußern. Das ist doch ein Faktor, warum De eine so geringe Eigentumsquote hat.

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Was ich meinen Posts eben noch vergessen hatte:

Die geplante “Deckelung” der Indexmieten ist aus meiner Sicht auch ein ziemlich falscher Schritt. Diese Art der Miete wird gerne immer mal wieder verteufelt. Dabei verstehe ich das nicht. Eigentlich ist sie doch die fairste Form der Miete, da sie sich am Kaufpreisindex orientiert und somit ziemlich genau die Inflation abbildet.

Was vielleicht nicht immer bekannt ist:

  • Sie ist die einzige Form (soweit ich weiß), in der auch der Mieter eine reguläre Mietreduzierung fordern kann: wenn nämlich der Index gefallen ist.
  • Die Meite passt sich nicht automatisch an den Kaufpreisindex an - das muss aktiv von einer der beiden Vertragsparteien angestoßen werden.
  • Sonstige Mieterhöhungen (z.B. durch Sanierungen) sind dabei fast alle ausgeschlossen.

Wenn es zu einer Deckelung der Mieterhöhung kommt, könnte es dazu führen, dass die Miete auch ohne Bedarf entsprechen angehoben wird, nur um auf der sicheren Seite zu sein, dass mal im Notfall auch die entsprechende Erhöhung durchführen kann.

Ich verwende aktuell sehr gerne Indexmietverträge und habe in noch keinem Fall von der möglichen Erhöhung Gebrauch gemacht. Es war einfach nicht notwendig. Dennoch habe ich hier die Sicherheit, dass ich im Fall, dass es notwenig ist (z.B. höhere Nebenkosten, Instanthaltungskosten etc.) könnte ich die Anpassung innerhalb des Indexes anpassen - auch dann muss ich nicht zwingend auf das Maximum gehen, sondern kann das notwendige Maß in dem Bereich wählen.

Das setzt natürlich voraus, dass der Vermieter ein gutes Verhältnis zu seinem Mieter hat und daran interessiert ist, dass dieser Mieter sich die Wohnung noch möglichst lange (am besten für immer) leisten kann.

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Ich bin ein großer Fan des Formats der Lage - bei vielen Themen habe ich das Gefühl, dass wirklich alle Seiten betrachtet werden. Leider fehlt mir dieses Gefühl bei dem Thema der Mieten - das liegt vielleicht auch daran, dass ich hier häufig eine andere Meinung vertrete, als die beiden Hosts.

Umso erfreulicher fand ich es, dass in der letzten Folge dann doch mal auch die Seite der Vermieter etwas genauer beleuchtet wurde. Leider aus meiner Sicht mit einem “falschen” Fazit. Die öffentlichen Träger (hauptsächlich die Kommunen) haben sich (zumindest bei uns) noch nie als “besserer” Vermieter gezeigt. Es gibt teilweise auch eine hohen Leerstandsquote bei kommunalen Trägern.

Wenn man im Gegenzug dazu die großen Player am Markt betrachtet, hat man bei diesen Unternehmen auch kein so gutes Gefühl. Diese großen Unternehmen halten die Regulierungen wie im Podcast gesagt wurde, leichter aus, aber das meist auf Kosten der Mieter.

Die Erfahrung hat mir gezeigt, dass wenn die Person, die sich um eine Immobilie kümmern muss, keinen Bezug dazu hat (es insbesondere nicht das eigene Eigentum ist), die Motivation nicht sehr hoch ist, diese Immobilie ordentlich zu verwalten (Ausnahmen bestätigen selbstverständlich die Regel). Das fängt bei den externen Mietverwaltungen an, geht über Mitarbeiter von den großen Unternehmen und hört bei den Verwaltungsangestellten dann sicherlich noch lange nicht auf.

Als selbstnutzender Eigentümer oder als kleiner privater Vermieter trage ich persönlich ein ganz anderes Risiko und bin daher viel eher hinterher, die Immobilie nachhaltig zu bewirtschaften und ein gutes Verhältnis mit meinen Mietern zu haben. Es gibt sicherlich immer gute Gründe, warum man lieber zur Miete leben möchte.

Auch das selbstgenutzte Wohneigentum ist sicherlich eine gute Alternative, wobei auch hier durchaus hohe laufende Kosten auf den Eigentümer zukommen. Hier treffen andere Regulatorien (energetische Sanierungen, Modernisierungen etc.) auf die Eigentümer.

Ein weiteres Argument war, dass die Neuvertragsmieten im Neubau nicht reguliert sind und daher ja der Neubau als aussichtsreiche Rendite noch zur Verfügung stehen würde. Das ist aber leider nur die halbe Wahrheit. Der Neubau ist aktuell unglaublich teuer und die Neuvertragsmieten sind deutlich weniger stark angestiegen, wie die Bestandsmieten. Damit haben die vom Staat unregulierten Mieten sich weniger stark entwickelt wie die regulierten - der Mark hat sich da somit (zugegeben auf einem sehr hohen Niveau) selbst reguliert…

Und wer in Neubau investiert, der weiß, dass irgendwann der Neubau in den “Altbestand” übergeht. Immobilien sind als Anlageobjekte welche mit einem sehr weiten Horizont - somit ist jedem klar, dass auch wenn die Immobilie die ersten Jahre in einem nicht regulierten Mietmarkt existiert, diese doch über kurz oder lang in diesen aufgenommen wird.

Ich denke aber auch nicht, dass der Mietmarkt überhaupt nicht reguliert werden sollte. Dafür ist zurecht das Thema “Wohnen” als Grundbedürfnis kategorisiert und auch die gesunde soziale Vermischung sollte bestehen bleiben.

Wenn wir aber wollen, dass der Immobilienbereich energetisch fit gemacht wird und auch mehr Wohnraum an den Orten zur Verfügung gestellt wird, wo er benötigt wird, müsste es ein grundsätzliches Umdenken geben. In Innenstädten dürfen einige Häuser aus diversen Gründen (einige sicherlich durchaus nachvollziehbar, andere eher nicht) nicht aufgestockt werden, obwohl der Wille der Eigentümer dazu da ist. Diverse bürokratische Regularien verhindern an einigen Stellen die Schaffung von neuem Wohnraum (dazu passt auch die Folge der Lage, in der sie bei dem Unternehmer in seiner Fabrik waren und diverse bürokratische Hürden aufgezeigt wurden).

Letztendlich ist es fast egal, wer diesen Wohnraum zur Verfügung stellt: es muss sich final immer auf die ein oder andere Weise tragen. Und da stellt sich für mich die Frage, ob das eine bürokratische öffentliche Verwaltung, ein Multikonzern oder ein privater kleiner Unternehmer das am besten kann, eigentlich nicht so wirklich. Die öffentliche Verwaltung kann vielleicht den sozialen Aspekt am besten mit rein bringen, die Wirtschaftlichkeit bleibt dann aber auf der Strecke. Beim großen Konzern liegt die Vermutung nahe, dass die Wirtschaftlichkeit das einzige sein wird, das im Fokus liegt. Die sinnvolle und wichtige Kombination beider Welten kann aus meiner Sicht nur bei dem liegen, der ein privates und persönliches Interesse hat (ähnlich wie bei einem kleine oder mittelständigen Unternehmen).

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Die aktuellen Regularien im Mietmarkt gehen eigentlich wieder nur zu Lasten von denen, die sie eigentlich entlasten sollten. Wenn ich eine Wohnung vermiete und durch die Wohnungsknappheit eine große Auswahl an Mietinteressenten habe, werde ich sehr wahrscheinlich eine Partei von denen auswählen, bei denen ich mit dem geringsten Mietausfall rechne - was meistens die sind, die sich auch eine teurerere Wohnung leisten könnten. Die die gerade so die Miete zahlen können, fallen dann ggf. hinten runter und finden noch schwerer eine Wohnung.

Auch was die geförderten Sozialwohnungen angeht, bin ich sehr skeptisch. Das Problem dabei ist, dass die Wohnung nicht verlassen wird/werden muss, wenn die Notwendigkeit nicht mehr besteht. Das ist soweit auch klar und verständlich, da dann eine neue Wohnung gesucht werden muss. Aber die Wohnung, die eigentlich den dann “Bedürftien” zur Verfügung stehen müsste, steht trotzdem nicht zur Verfügung. Hier wäre aus meiner Sicht ein Wechsel von der Objektsicht (= Sozialwohnung) zur Subjektsicht (= Förderung des Mieters) sinnvoller, da diese Unterstützung besser und zielgerichteter gesteuert werden könnte. Aber da habe ich auch keine Ahnung, wie das so gestaltet wird, dass es nicht ausgenutzt wird.

Alles in allem würde ich mir bei diesem Thema ein bisschen weniger Polarisierung wünschen und mehr die Betrachtung von allen Seiten. Wenn nur eine Seite betrachtet wird, fallen schnell die Nachteile, die bei dann sinnvoll erscheindenen Lösungsansätzen hinten runter.

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Das ist Beides richtig.
Bauland ist teuer, Handwerkerkosten steigen, d.h. es wird mehr Kapital benötigt.
Diese geringe Rendite ist jedoch sehr sehr unattraktiv.
Wenn alles gut läuft, bekommt der Investor eine Rendite von 2-3% auf sein eingesetztes Kapital. Eher 1,5-2%.
Wenn er das Geld in Deutsche Staatsanleihen legt bekommt er zur Zeit 2,5- 2,8% auf 5-10 Jahre. Eine „kein“ Risiko Anlage. ETFs liegen bei 5- 7% und die haben auch nicht so hohes Risiko.

Auch hier zweifel ich. Die Grundstück und Baukosten sind auch durch andere Non-Profit Gesellschaften hoch. D.h. die Mieten müssen die Gesamtkosten decken. Darum habe ich wenig Hoffnung, dass diese Maßnahme wirklich die Mietpreise senkt.

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Ich habe einen Indexmietvertrag und direkt nach der Coronazeit, als die Inflation hochging, eine Mieterhöhung von fast 11% bekommen. Seitdem wird jährlich um ca. 2-3 % erhöht. Ich habe in den letzten 2 1/5 Jahren insgesamt Erhöhungen von ca. 300€ bekommen. Für mich ist das sehr viel Geld, denn mein Gehalt ist nicht mitgestiegen und alle anderen Preise sind auch hochgegangen. Und wer, der in einer Großstadt mit krassem Wohnungsmangel wohnt, fordert denn eine Reduzierung, selbst wenn man das theoretisch könnte? Ich bin mir ziemlich sicher, dass sich der Vermieter dann irgendwas einfallen lässt und ich Gefahr laufe meine Wohnung zu verlieren. Ich kenne niemanden mit Indexvertrag, wo irgendwas reduziert worden wäre?! Zu Punkt 2: ja bei uns ist das eine Hausverwaltung, die die Mieterhöhung in regelmäßigen Abständen anstößt und die werden dafür bezahlt, dass sie das im Blick behalten und durchsetzten. Schön, wenn du deine Mietern die Miete nicht erhöhst (das meine ich ganz ohne Ironie) aber das ist sicher in den Großstädten nicht der Standart. Und wieso sollte der Vermieter in der Großstadt überhaupt wollen, dass der Mieter lange bleibt? Ziehe ich zum Beispiel aus, kann man vielleicht doch was sanieren oder in Stand setzten, sodass man dann nochmal erhöhen kann. Das ist an manchen Orten die Realität. Ich würde jederzeit meinen Indexmietvertrag mit einem normalen, sogar mit Staffelmiete, tauschen. Wenn jetzt durch die Situation im Nahen Osten die Inflation wieder hochgeht, will ich nicht wissen was mir wieder für eine Erhöhung blüht.

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Soweit ich das lesen kann, bestätigt das nur, was ich geschrieben habe…

Zu deinem ersten Punkt mit der Reduzierung: das würde im Prinzip einen gewissen Hang zum Illegalen unterstellen. Wenn die Wohnung nicht komplett marode ist, gibt es kaum eine legale Möglichkeit, “sich irgendwas einfallen zu lassen”, um den Mieter “loszuwerden”.

Und die Erhöhung in deinem Fall von fast 11% sehe ich im Zusammenhang mit Punkt 2 also logische Konsequenz. Die Verwaltung hat hier sicherlich keine emotionale Bindung zu den Mietern und ist rein zahlengetrieben. Das ist deren Auftrag und den erfüllen sie. Das wird man natürlich niemals ausschließen können. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand, der seine Mieter persönlich ausgesucht hat und kennt, so handeln würde. Jedenfalls kenne ich keinen in meinem Umfeld, der so handelt.

Zu deiner Frage, wieso ein Vermieter überhaupt langfristige Mieter will: das kommt natürlich ganz auf den Typ des Vermieters an. Wenn die Miete einigermaßen marktüblich ist und der Vermieter selbst wenig Aufwand haben will, dann ist ein langfristiger Mieter genau das richtige. Bei den meisten soll es sich einfach rechnen und am Ende vom Jahr ein bisschen was übrig bleiben.

Eine große anonyme Hausverwaltung wird da natürlich anders handeln, als ein eher kleiner privater Vermieter. Und ob jetzt der Indexmietvertrag oder eine andere Form letztendlich besser ist, entscheiden die beiden Vertragsparteien im Idealfall selbst.

@Alba Die vielen Jahre davor ist man aber mit Indexmieten vergleichsweise gut gefahren, da die Inflation gering war und auch Lohnverhandlungen immer den Verbraucherpreisindex berücksichtigen.

Das Gegenmodell ist die Anpassung an die ortsübliche Vergleichsmiete, die gerade in beliebter werdenden Gebieten sehr stark steigen können (siehe unsere Großstädte).

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Ich habe immer den Eindruck, bei solchen Aussagen wird überhaupt nicht hinterfragt, warum bestimmte Gegenden so beliebt sind. Infrastruktur, ÖPNV, gesellschaftliche Teilhabe, Kulturszene. All die Menschem, die dazu beitragen, dass die Gegend so lebenswert ist. Und viele von ihnen leiden vermutlich als erstes unter Gentrifizierung und Verdrängung.

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Tut sie nicht. Es gibt unterschiedliche Szenarien zur Bevölkerungsentwicklung die für das Jahr 2046 eine Bevölkerung zwischen 85 Millionen (leichte Steigerung) und 75,6 Millionen (Abnahme um knapp 10%) vorhersagen.

Wie sich das auf den Wohnungsmarkt auswirkt ist schwer zu sagen. Schon heute ist es ja so, dass nicht in allen Regionen Wohnungsmangel herrscht. Denkbar ist durchaus, dass selbst bei einer abnehmenden Bevölkerung der Druck auf die Ballungsgebiete deutlich zunimmt.

Außerdem wird sich die Alterszusammensetzung vermutlich verschieben und damit auch der Platzbedarf. Dann ist da noch die wirtschaftliche Entwicklung usw., die ebenfalls Einfluss auf den Wohnungsmarkt haben.

Insgesamt ein sehr komplexes Bild, in dem die Nachfrage nach einer gegebenen Wohnung sehr von der Lage, der Größe und den eigenen Annahmen über die Entwicklung Deutschlands in den nächsten 20 Jahren abhängt. Ich wage aber mal die Vorhersage, dass eine Wohnung im Zentrum einer deutschen Großstadt auch in 20 Jahren noch stark nachgefragt sein wird. Alles andere ist mit viel Spekulation verbunden.

Entsprechend würde ich deinem abschließenden Statement durchaus zustimmen:

Man muss schon wissen, was man tut und worauf man sich einlässt.

Das Problem mit Indexmieten ist, dass sie einen sich selbst verstärkenden Effekt haben können. Die Inflation steigt, also steigen die Mieten, was wiederum die Inflation anheizt. Und nebenbei erhöhen sich auch die Mietspiegel für alle anderen Mietverhältnisse.

Das ehrt dich, aber ist nicht die Erfahrung, die viele Mieter machen. Wir haben ja vor nicht allzulanger Zeit eine Inflation von >5% gehabt. Das tut schon weh, vor allem wenn diese Preissteigerungen nicht (nur) durch Waren und Dienstleistungen angetrieben wird, die für den Erhalt einer Immobilie relevant sind (z.B. Energiepreise, die ja schon über die Nebenkosten abgerechnet werden).

Ich denke, man könnte die hier kollidierenden Interessen durch die Bildung eines “Instandhaltungskostenindex” ausgleichen. Also einen speziellen Warenkorb, der die für die Vermietung relevanten Waren und Dienstleistungen berücksichtigt und sonst nichts. Den erklärt man dann für alle Indexmietverträge zur Verpflichtung.

Das empfände ich dann auch gerechter als die Anpassung nach Mietspiegel, da der teilweise deutlich schneller steigt als die tatsächlichen Kosten der Vermietung. Grundsätzlich sollte eine Vermietung dem Vermieter eine berechenbare Rendite bringen, aber keine Übergewinne durch für ihn vorteilhafte gesellschaftliche Entwicklungen.

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Das ist eine sehr interessante Idee - das wäre in der Tat noch gerechter. Da wüsste ich jetzt auch nicht, was dagegen sprechen würde. Du hast schon recht, dass die Verteuerung von Lebensmittel keinen (direkten) Einfluss auf die Anpassung der Miete haben sollte. Und auch die Energiepreise nur zu einem sehr geringen Teil, da der größte Teil (manchmal auch der gesamte Teil) davon schon in den Nebenkosten enthalten ist.

Und auch in deinem letzten Absatz steckt sehr viel Wahrheit: die Rendite soll berechenbar sein. Weder auf Basis von (un)vorteilhaften gesellschaftlichen Entwicklungen noch über Spekulation sollten hier die Gewinne maximiert werden.

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