Liebes Lage Team,
ich höre euren Podcast immer gerne, da ich eure besonnenen Analysen sehr schätze, aber diesmal habt ihr euch von der allgemeinen Stimmung treiben lassen.
Ich arbeite für eine Naturschutz Organisation und habe einen konventionellen Landwirtschaftsbetrieb. Von den möglichen Einfuhren von Soja, Rindfleisch und Zucker bin ich nicht direkt betroffen, aber ich sehe durch meine tägliche Arbeit in beiden Feldern sehr deutlich, wie sich unsere Umwelt durch den Klimawandel immer stärker verändert. Und in diesem Sinne finde ich eure Aussagen zur Abstimmung im EU-Parlament über das Mercosur-Abkommen sehr kritisch. Denn wenn durch dieses Abkommen die Gefahr besteht, dass mehr Wald in Brasilen gerodet wird, dann ist das ein Problem, insbesondere wenn dieser Wald der Amazonas Regenwald ist, und kein Thema, was nur auf dem „Ponyhof“ Beachtung finden kann.
In einer Welt der Dinosaurier müssen wir die Säugetiere sein, die einen Meteoreinschlag überstehen können, um bei eurer Bildsprache zu bleiben.
Aber es scheint mir, dass ihr euch von der allgemeinen Panik mitreißen lassen habt und auf einmal muss sich wieder alles der Wirtschaft unterordnen.
Und ich kann euren Punkt, den ihr da machen wollt, auch nachvollziehen, aber deshalb die Kritik daran einfach wegzuwischen finde ich nicht legitim.
Nehmen wir wieder den Amazonas Regenwald. Dieser wird ja nicht nur von der Landwirtschaft bedroht, sondern auch Bergbau für Rohstoffe, die Europa so sehr braucht.
Dabei ist der Wald eine große Wasserpumpe, welcher große Regenmengen nach Südamerika hineintransportiert. Wenn dieser ausfallen sollte, dann steht die Nahrungsmittelproduktion dort vor riesigen Problemen. https://www.nature.com/articles/s41586-023-06970-0
Wenn dieser dazu noch von einer Kohlenstoffsenke zu einer Kohlenstoffquelle wird, dann ist nicht nur die Lebensmittelproduktion in Südamerika bedroht, sondern auch die im Rest der Welt. Abgesehen von den ganzen anderen Konsequenzen eines weiter beschleunigten Klimawandels und Verlust eines Biodiversitätshotspots für den Rest des Planeten.
Dazu erscheint es mir so, dass dieses Abkommen hauptsächlich Europa nützt. Die EU also zum Hegemonen der Mercosur Staaten wird. Hier eine Analyse dazu: https://www.surplusmagazin.de/eu-mercosur-abkommen-kritik-landwirtschaft-proteste-industrie/
https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/mercosur-argentinien-autozulieferer-100.html
Und noch ein Wort zur wirtschaftlichen Lage. Deutschland und der EU haben in der Entwicklung von Zukunftstechnologien wie Stromspeichern, E-Autos und Chips verschlafen. Dass und der schwache Binnenmarkt sind meiner Meinung nach viel größere Probleme unserer Wirtschaft. Wenn wir in den Bereichen in Zukunft wieder führend werden, dann können uns Handelshemmnisse auch viel weniger anhaben, da die Produkte dann trotzdem gekauft werden.
Abgesehen davon sollten wir uns in Deutschland vielleicht auch mal überlegen, ob dieser Exportfokus uns nicht auch zu anfällig macht.
Macht es uns also besser, macht es uns stärker, macht es uns resilienter gegen diese außenpolitischen Anforderungen unserer Zeit? Kurzfristig vielleicht, aber langfristig bin ich da skeptisch.
Und aus diesen Gesichtspunkten finde ich das Abstimmungsverhalten der Grünen und Linken legitim.
Und jetzt kommt noch das Handelsabkommen mit Indien. Ein enger Partner Russlands und selbst gerade mit starken autoritären Entwicklungen. Vielleicht kriegen können wir damit mehr Einfluss gewinnen, vielleicht stärken wir aber durch unseren voreiligen Aktionismus auch den nächsten Dinosaurier.