Ein Haushalt mit geringem Einkommen mag einen hohen Teil seines Einkommens für die Miete ausgeben. Aber davon ist nur die Kaltmiete nicht mit Mehrwertsteuer belastet. Energie usw. hat die vollen 19%.
Im Vergleich zu Gutverdienern wird das meiner Ansicht nach dadurch aufgehoben, dass von denen viele im eigenen Haus oder in der Eigentumswohnung leben. Hier fällt keine Miete an, aber in der Regel Zinsen für den Hauskredit – und der ist auch von der Mehrwertsteuer befreit.
Anders als bei Geringverdienern müssen Gutverdiener auf den gesparten Teil ihres Einkommens keine Mehrwertsteuer zahlen (s.o.). Unterm Strich würde es mich wundern, wenn Gutverdiener in Relation zu ihrem Einkommen mehr Mehrwertsteuer zahlen als Geringverdiener.
Ich habe das mal für unsere persönliche Einkommenssituation überschlagen und unser Einkommen ist vielleicht zu 30% von Mehrwertsteuer belastet, vielleicht auch weniger. Der Rest geht in den Vermögensaufbau (vor allem Bedienung von Krediten), Zinsen, Spenden und mehrwertsteuerfreie Leistungen (z.B.) Krankenkassenbeiträge) usw.
Da würde es mich wundern wenn ein Haushalt, der praktisch sein gesamtes Einkommen auch verkonsumiert, nicht deutlich drüber liegen würde.
Die “sozialste” Lösung ist eigentlich per Definition immer eine progressive Finanzierung: Wer mehr verdient/mehr Vermögen hat zahlt davon prozentual einen höheren Anteil davon zur Finanzierung der Ausgaben des Staats und der Sozialsysteme.
Ob das auch “gerecht” ist, ist erstmal eine subjektive Bewertung. Ich persönlich finde ja, denn es ist davon auszugehen, dass Menschen mit einem höheren Einkommen und/oder Vermögen im Durchschnitt mehr von staatlichen Investitionen, Transferzahlungen und Sozialsystemen profitiert haben (z.B. Akademiker haben im Durchschnitt ein höheres Einkommen, weil sie mehr oder weniger umsonst ein Universitätssystem zur Verfügung gestellt bekommen haben).
Konsequent wäre also die Finanzierung aller staatlicher Aufgaben aus streng progressiven Einkommens-, Vermögens-, und Erbschaftssteuern und die Abschaffung aller “Flat Taxes” (wie Mehrwertsteuer) und einheitlicher Sozialabgaben. Wer Konsum besteuern will (wofür es durchaus gute politische und gesellschaftliche Gründe gibt), sollte das entsprechend auch progressiv tun: wer viel konsumiert, sollte mehr Konsumsteuern zahlen. Dass wir eine fixe Mehrwertsteuer haben ist ein historisches Artefakt. Technisch wäre heutzutage eine progressive Konsumbesteuerung durchaus möglich. Näherungsweise könnte man das durch die Einführung einer deutlich größeren Zahl von Mehrwertsteuersätzen “simulieren”. Also z.B. 0% Mehrwertsteuer für frisches Gemüse, 5% für Grundnahrungsmittel, 20% für Süßigkeiten und Kinotickets und 50% für Autos über 50.000 Euro Kaufpreis ;-).