Mehr rechte Internetpräsenzen?

Da ich mich im Internet auch auf den unterschiedliche Plattformen immer wieder gerne in den Kommentaren bewege (wie auch hier), ist mir schon seit längerem etwas aufgefallen. So finden sich meinem Eindruck nach häufiger AFD- nahe Kommentator:innen, mit entsprechend ideologischen Beiträgen. Ich finde seltener Personen, die hier gewillt sind den teilweise extrem verschobenen Ansichten Parole zu bieten. Mich interessiert, ob diese Beobachtung von der Bubble in der ich mich bewege geprägt ist, oder rechte und andere verschobene Ansichten häufiger im Internet vertreten werden. Ein Beispiel ist hier für mich der Kommentarbereich des Videos von Monitor:

Ballweg Interview Monitor

Genauso aber auch die Kommentare unter Posts von Berndt (?) Höcke:

Facebookpost Höcke

Mir ist klar, dass beide Beispiele von polarisierende Themen oder Personen begleitet sind. Trotzdem finden sich dort so viele Kommentare, die ohne Gegenargumente stehen bleiben. Ist das die Müdigkeit verfassungsfreundlicher, Themenkenntlicher Internetnutzer:innen? Oder ist es tatsächlich eine (vielleicht steigende) Präsenz beschriebener oben beschriebener Kommentator:innen. Ich würde mich über erhellende Antworten freuen, auch weil mich dieser Anblick immer halb depressiv macht :slight_smile:
Liebe Grüße

Rechte Agitatoren finden sie so gut wie überall im Netz und aus meiner Erfahrungen heraus, sind die leider deutlich besser im Netz organisiert wie die Gegenseite - zumindest dann auch in der Wahrnehmung & Lautstärke
Allerdings wird dabei wohl auch viel mit Bots & Fake-Accounts gearbeitet um den Anschein von „viele“ auch zu untermauern.
Bei Sascha Lobo finden Sie da viele überwiegend fundierte Analysen und auch Meinung zu dem Thema.

Beste Grüße
Alex

Das spiegelt meiner Meinung nach den großen Unterschied zwischen „Linken“ und „Rechten“ wider: Die Rechten haben vor langer Zeit verstanden, dass sie zusammen arbeiten müssen, um in die Öffentlichkeit zu treten und „Ziele“ zu erreichen. Linke hingegen lassen nahezu keine Situation ungenutzt, anderen Linken vorzuwerfen dass sie nicht links genug sind und führen interne Scharmützel, die letztlich niemandem außer den rechten nützen.

2 „Gefällt mir“

Vielen Dank erst mal für die Info zu Sascha Lobo. Gerade weil das Internet eine immer größere Rolle in unserem Leben spielen wird, macht mir das Sorgen, wenn „Rechte“ hier so auf dem Vormarsch zu sein scheinen. Ich möchte das Bild hier natürlich nicht unnötig überzeichnen. Mir gibt es wirklich Hoffnung, dass die Amadeu Antonio Stiftung jetzt Vernetzungsarbeit gegen Radikalisierung startet.

Ihre Wahrnehmung täuscht sie da nicht und ich sehe es auch nicht als Überzeichnung.
Egal welche Kommentarspalten der großen Online-Publikationen man sich ansieht, es ist nicht zu übersehen, dass gezielt Stimmung gemacht wird - natürlich auch in allen Sozialen Medien.
Wie ich aber auch schon geschrieben habe, es ist meist mehr Schein als Sein, was nicht bedeutet das es dadurch harmloser wird.
Hier eine Analyse dazu und im Artikel ist auch noch eine Verlinkung auf rechte Trollfabriken.

1 „Gefällt mir“

Es gab eine Zeit lang auch eine Initiative die genau solchen Phänomenen in Form von z.B. Lovestorms begegnen wollen. Ich mache ehrenamtlich Gewerkschaftsarbeit und wir beschäftigen uns in diesem Zuge auch mit Social-Media-Strategien. Was dabei in den Analysen auch auffällt ist, dass sachlich-argumentativ den polemisch-populistischen Kommentaren überhaupt nicht zu begegnen ist und wenn, ist dies zeitaufwändig und bringt wenig Effekt. Außerdem ist die kommentierende Person (also kommentierend gegen AFD-Style etc) tatsächlich auch konkreter Bedrohung ausgesetzt. Es gibt immer wieder Berichte von Personen, die persönlich aufgesucht und bedroht wurden.

Unser Ansatz war eine Art „Einsatzteam“, dass frühzeitig versucht auf unseren Seiten rechte Troll-Shitstorms zu antizipieren und durch Gegenkommentare im Stil eines Lovestorms kleinzuhalten indem eigene Kommentare durch Likes etc nach oben getragen werden

1 „Gefällt mir“

Ich schreibe hier mal was zu: ich sehe mich selber als links und diskutiere auch gerne, aber im Netz und offline habe ich oft der Eindruck, dass Rechtsextreme/die „neue Rechte“ besonders oft auf Diskussion mit Hate, Bedrohungen, etc. reagieren, wie auch Paloukra schreibt. Als Privatperson ist mir daher zu schade, 10.000 mal Aluhüte zu relativieren und Hate zu empfangen und ich mache gar nichts.

Ich hatte vor kurzem eine Doku/Analyse zu QAnon gesehen, grob umrissen gibt QAnon ja keine „Wissen“ vor sondern sagt, such dir deine „Wahrheit“ selbst. Darin liegt dann auch das große Problem. Die Wissenschaft gehört ja zu den verhassten Eliten, somit kann was eben von der Wissenschaft kommt, für QAnon-Anhänger nicht wahr sein, weil sie es selbst nicht herausgefunden haben.
Das ist ein Konflikt, den man nur ganz schwierige auf sachlicher Ebene entgehen kann. Und bei den rechten Ideologien verhält es sich sehr ähnlich.
Das bestätigen auch die wenigen Aussteiger, die den Mut haben, sich öffentlich dazu zu äußern.
Es ist ja nicht wie beim Sportverein wenn man vom Fußball zum Handball wechseln will, man hat sein ganzes persönliches Umfeld dann gegen sich inkl. dem dazugehörigen Gewaltpotential.

Die 208 Toten durch rechtsextremer und rassistischer Gewalt seit 1990 unterstreichen das.
Die Bedrohungen, Einschüchterungen und Körperverletzungen sind da noch gar nicht erfasst.
Und selbst wenn man keinem davon ausgesetzt ist, ist es mentaler Stress sich immer und immer wieder dem Narrativ entgegenzustellen.

Dafür meine Anerkennung! Ich weiß aus eigener Erfahrung viele Jahre Moderation und Leitung von Foren, was das für einen persönlichen Einsatz erfordert.

Beste Grüße
Alex

Das finde ich echt super, sehe es aber ähnlich wie Ronja:

Jetzt stellt sich mir die Frage, wie man dem Ganzen begegnen kann ohne ständig als Privatperson psychisch herunter gezogen zu werden. Ich bin auch auf Facebook in der Gruppe #ichbinhier. Es ist aber anstrengend und kann als Vollzeitjob betrieben werden, überall im Internet gegenzuhalten und „positive Vibes“ zu versprühen.
Vielen Dank für den Artikel und den Beitrag von Belltower.
Ich kann vielleicht auch noch diesen Beitrag von der Amadeu-Antonio Stiftung für betroffene und Aktivist*innen im Internet empfehen.

Liebe Grüße
Jonathan

Das funktioniert am Ende tatsächlich vor allem darüber, dass hauptamtliche Personen ja ohnehin unsere Social-Media-Seiten betreuen und sollte etwas auftreten die Personen informieren, die sich bereit erklärt haben für den Fall eine Shitstorms ansprechbar zu sein und Antworten zu formulieren. Das ist dabei keine krasse Verpflichtung, wenn ich gerade keine Zeit habe, dann werde ich wohl nicht antworten. Abgesehen davon ist es meines Verständnisses nach auch absolut möglich und sinnvoll menschenverachtende Kommentare tatsächlich auch zu entfernen.

Zur guten Arbeit der Amadeu-Antonio-Stiftung lässt sich nur ergänzend sagen, dass ihre Finanzierung auf öffentliche Mittel beruht und zur Zeit (mal wieder) auf der Kippe steht. Wenn die AAS wegfallen würde, dann gäbe es keine größere Stiftung mehr, die originär zum Thema Antisemitismus arbeitet. Und warum genau das wichtig ist, brauche ich zur Zeit glaube ich nicht zu betonen.

Da es hier sehr viel, um Hass im Internet geht mal eine kleine Studie zum Widerspruch. Auch wenn ich fast glaube, dass ich hier offen Türen einrenne.

Mal ne These zu Hass im Netz, da sich vieles dieser Edgetrollkultur aus 4chan uä. entwickelt hat bzw. aus den selbst genannten rationalen atheisten, würde sagen dass hier toxische Männlichkeit die eigentlich unterliegende Kategorie ist. Das zeigt sich auch darin, dass jene die am stärksten und auch qualitativ den heftigsten hass abbekommen frauen sind. Dieser wird jeodch auf linker bzw. libraler seite nicht immer gesehen. Lobos kommentar zum shitstorm gegenüber einer jounarlisten ist hierfür emblematisch, mit dem verweis das es halt das internet wäre. Er scheint seine Meinung mittlerweile revidiert zu haben, was begrüßenswert ist, nur ist es schade dass dies erst passiert wenn der hass soweit zunimmt, dass dieser alle Menschen betrifft.
Daher sollte die Kritik an hass im Internet auch stets zumindest im Teil eine feministische sein.

Widerspruch ist sicherlich gut jedoch müssen gewisse Räume auch konsequent entlang gesellschaftlicher wertmaßstäbe eingeschränkt werden. Auf reddit funktionieren die selbst regulierenden Kräfte ziemlich gut. Natürlich sammeln sich da in gewissen räumen auch die seltsamsten Menschen. Nur fliegen die bisweilen auch von der Plattform, wie letzten zu sehen war.
Nichtzuletzt ist widerspruch auch nicht immer möglich, weil man keine zeit hat oder manche Sachen auch schlicht emotional nicht verkraftet und gerade hier darf man vor der alternative Menschen, welche sich nicht an die absolut basalsten Werte halten, aus gewissen Diskursräumen auszuschließen.
Für Twitter oä. ist dies natürlich weniger eine Lösung.

Ich möchte hier jedoch auf einen fast wichtigeren Aspekt hinweisen, nämlich propaganda auf youtube. Bevor sich sich Breadtube entwickelt hat und auch diese entwicklung hat das problem nicht beseitig, gab es auf youtube eine gerade zu rechte dominanz (btw obwohl veiel der rechten yt keine deustchen sind reden die absurd viel über den untergang deutschlands^^). das deutsche YT spielt hierbei jedoch keine rolle, der einzig mir bekannte deutsche YT aus dem linken Milieu mit dezidiert politsichen Themen ist Threearrows. das deutsche Youtube ist wahnsinnig neutral bis latent rechts.

Auch, wenn das hier nur am rande kam. Das Narrativ der zerstritten linken und der einigen Rechten hat wenig mit einer bewussten Entscheidung zu tun als viel mehr mit der struktur der Ideologie. Rechte Ideologie ist notorisch dafür das ideologische Inkonsistenzen und Lücken ignoriert werden. Dadurch sind diese oft sehr anschlussfähig für die diffuse Vorstellungen. Gleichzeitg schließen, diese Ideologien stark an kulturelle Kontinuitäten an. Daher rührt wahrscheinlich auch die enge Verbindung zu Verschwörungsideologien. Linke Theorien hingegen sind meist theoretisch anspruchvoll, gerade die grundsätzlich strukturelle und konstruktivistische Betrachtung läuft dem in der schule vermittelten Verständnis von Wissenschaft ziemlich entgegen. Hier liegt ein riesen Problem in linker Bildungsarbeit.
Diese Scharmützel, wenn bisweilen auch nervig sind aber wichtig, wenn man den analytisch-kritischen Anspruch beibehalten will. Ferner sind die meisten Konflikte in der linken keine rein theoretsichen Spielerein sondern sind aus den Problematiken innerhalb der linken Entstanden, wie antisemtismus, mysogenie oder rassismus. Diese Konflikte sind jedoch wichtig für eine emanzipatorische Praxis.

1 „Gefällt mir“