Richtig, es ist falsch, wenn einzelne ein Netzwerk kontrollieren, das Bedeutung für die öffentliche Debatte hat. Aber Mastodon / Fediverse ist leider ganz sicher nicht die Lösung: Die Lösung ist vielmehr, diejenigen Netzwerke ordentlich zu regulieren, die es schon gibt. Die EU unternimmt da in diesen Tage mit dem Digital Services Act einen Schritt in die richtige Richtung.
Du hast natürlich recht damit, dass soziale Netzwerke nicht von einzelnen Einzelpersonen kontrolliert werden sollten, auf der anderen Seite muss man aber schauen, inwieweit die Inanspruchnahme von zentralisierten Online-Diensten, deren Mutterkonzern ein US-Unternehmen mit dem europäischen Recht vereinbar ist.
Der Wissenschaftliche Dienst des deutschen Bundestages hat zum Beispiel zum Thema „DSGVO und Cloud Computing“ eine Ausarbeitung angefertigt in der es heißt:
*“[…] Zum Teil wird auch vorgeschlagen, dass der Cloud-Anbieter seinen Sitz in der EU einrichtet oder eine Niederlassung in der EU gründet, um einem Eingriff der US-Sicherheitsbehörden vorzubeugen. Hierzu ist allerdings anzumerken, dass sich die Zugriffsbefugnisse der US-Sicherheitsbehörden nicht allein nach dem Sitz des Unternehmens bestimmen. Vielmehr kann auch eine rechtliche Verknüpfung des Unternehmens mit den USA ausreichen. Dies ist laut Literatur beispielsweise dann der Fall, wenn der Server des Cloud-Anbieters seinen Standort in den USA hat. Auch bei einem Konzernverbund, bei dem der Mutterkonzern seinen Sitz in den USA hat, oder bei einer (Zweig)Niederlassung des Unternehmens sind Zugriffe der US-Sicherheitsbehörden möglich. […]“
Quelle: https://www.bundestag.de/resource/blob/852984/fd554bd62a8e949d8c2fd986cbd99b69/WD-3-102-21-pdf-data.pdf
Gerade öffentliche Stellen der EU, des Bundes oder der Länder verstecken sich ja gerne hinter dem Argument der Masse. Wie der Landesdatenschutzbeauftragte Baden-Württemberg Dr. Stefan Brink in einem Gastbeitrag bei netzpolitik.org feststellt, haben öffentliche Stellen eine Vorbildfunktion:
“Öffentliche Stellen haben die Pflicht, den irregulären Regularitäten der Social Media-Monopolisten entgegenzutreten. Sie müssen es besser machen. Staatliche Informationen müssen in einem ersten Schritt auch über alternative Kanäle wie Mastodon oder PeerTube verbreitet werden, deren Geschäftsmodell nicht den Kollateralschaden in Kauf nimmt, demokratische Grundpfeiler zu unterminieren. Mit der weiteren Verbreitung dieser alternativen Kanäle wird zwar auch diese Social Media nicht „sorglos“ zu nutzen sein – aber jedenfalls nicht an den gewerblich bedingten Problematiken leiden.“
Quelle: Öffentliche Stellen: Raus aus Facebook, Twitter, TikTok!
Das Fediverse als solches hat aber noch einen ganz entscheidenden Vorteil gegenüber den herkömmlichen soziales Netzwerke: Es ist ökologischer, weil es ausschließlich in heimischen Rechenzentren (in Deutschland / in der EU) betrieben werden kann und es nicht global überall ist inkl. Der Nutzerdaten.