Massiv unterschätzter Hebel: Laden an der Arbeitsstätte

Hallo zusammen,

auch mit Blick auf die letzte Folge finde ich, wird in der allgemeinen öffentlichen Debatte ein mögliches Szenario meines Erachtens massiv unterschätzt hinsichtlich des positiven Impacts: Nämlich das Laden an der Arbeitsstätte. Es ist eine absolute Win-Win-Win-Win-Situation ohne Verlierer und wird viel zu wenig als solche dargestellt.

Ich selbst lebe in einer Kleinstadt, fahre elektrisch und pendle jeden Tag zu meinem Arbeitsgeber ca. 20 km (so wie viele meiner Kollegen auch). Nun hat mein Arbeitgeber seit einiger Zeit schon eine große PV-Anlage auf dem Dach und auch am Mitarbeiterparkplatz 8 Wallboxen eingerichtet, an denen die Belegschaft sehr günstig laden kann (15 Cent pro kWh).

Dieses Angebot ist wirklich für jeden Beteiligten ein echter Gewinn und verstehe echt nicht, warum das nicht viel stärker propagiert oder auch nicht stärker angereizt wird:

Win 1. Für Mich als Arbeitnehmer: Ich habe einen wirklichen finanziellen Vorteil von dem günstigen Strom. Ich fahre jetzt mit unter 3€ pro 100 km im Vergleich zu 6-8 € zuvor mit meinem Dieselauto. Ich habe teilweise Kollegen, die pendeln bis zu 80 km einfach am Tag und die sparen sich dann mit einem E-Auto bis zu 10 € pro Tag (!!!) rein auf den Kraftstoff bezogen. Ein echter Incentive für die Belegschaft und ein starker Anreiz, sich ein E-Auto zu kaufen. Entsprechend haben auch nicht wenige von unseren ca. 60 Leuten schon eines.Selbst wenn ich mit meiner PV-Anlage zu Hause den Solarstrom lade, „kostet“ mich das 12 Cent pro kWh an Opportunitätskosten (entgangener Einspeisevergütung) - also fast gleich viel. Als ich noch gar keine Wallbox zu Hause hatte, konnte außerdem trotzdem schon problemlos E-Auto fahren und musste praktisch nie öffentlich laden (außer im Urlaub), weil es reichte 1-2 mal pro Woche dort aufzuladen. Der Zeitverlust durch Laden ist für mit außerdem nahezu null. Ich habe das Auto jetzt seit über 2 Jahren und die Anzahl, wie oft ich bisher öffentlich laden musste, bewegt sich wohl im niedrigen zweistelligen Bereich. Mit dem Diesel habe ich sicher im Summe mehr Zeit beim Tanken verbracht, als ich jetzt Wartezeiten beim Laden hatte.

Win 2. Für meinen Arbeitnehmer: Wie schon gesagt, bietet er einerseits einen „Bonus“ für die Belegschaft, was im Kampf um gute Arbeitskräfte an sich schon einen Vorteil bietet. Es kostet ihn auch praktisch nichts bzw. im Gegenteil bekommt er hier für seinen PV-Strom sogar mehr als wenn er ihn einspeisen würde. Da wir hauptsächlich Büro haben, wird die Menge an Strom an sonnigen Tagen nie wirklich komplett für den Betrieb gebraucht und die Ladeboxen sind einigermaßen intelligent, sodass sie relativ optimiert nur den Überschuss in die Autos packen. Nur im Winter, wenn die Anlage zu wenig liefert, zahlt der AG drauf, weil der Netzbezug dann teurer ist. Insgesamt kommt es für ihn aber ca. auf 0 raus und er verbessert gleichzeitig seine Klimabilanz erheblich. Er lässt sich jedes jahr „klimaneutral“ zertifizieren und dabei sind die Pendelfahrten der Belegschaft der mit Abstand größte Faktor beim CO2-Impact der Firma, der sich dadurch deutlich verbessern lässt.
(Jobrad und so bietet er auch an, ist aber für viele von der Strecke einfach zu weit).

Win 3. Für die Energie-Infrastruktur: Die Netze werden deutlich entlastet, denn die Autos stehen den ganzen Tag auf dem Mitarbeiterparkplatz rum - also genau dann, wenn auch die Sonne voll scheint und alle PV-Anlagen im Land die Netze mit der Mittagsspitze überlasten. Der Strom wird direkt da verbraucht, wo er entsteht und auch wann er entsteht. Durch die Intelligente Regelung sind auch nicht immer alle Wallboxen aktiv, sondern wechseln sich teilweise ab, sodass immer nur 2-4 Autos tatsächlich zeitgleich geladen werden. Dadurch ist es für das interne Netz auf dem Betriebsgelände auch eine überschaubare Last, da ein paar Dutzend KW für einen Betrieb ne Kleinigkeit sind. Am Ende des Tages nach ca. 8 h haben trotzdem alle immer genug Strom bekommen, denn ich bin ja eh selten unter 50%.

Win 4. Für die Gesellschaft: Der dadurch verhinderte CO2-Ausstoß dürfte recht erheblich sein, denn die Pendelei macht z.B. bei mir bestimmt über 90% meiner kompletten Fahrleistung aus und somit auch einen Großteil meiner persönlichen Emissionen überhaupt (v.a. vorher mit dem Diesel). Auf das ganze Land übertragen dürfte der großflächige Effekt solcher Angebote z.B. den Effekt z.B. eines Tempolimits deutlich übertreffen. An sich ist es für den Arbeitgeber auch kein riesiger Aufwand. Auch die Investition hält sich wirklich in Grenzen und ist auch noch komplett absetzbar im Gegensatz zu meiner privaten Wallbox. Es wird außerdem der Bedarf an öffentlich finanzierter Infrastruktur deutlich reduziert, wenn weite Teile der Bevölkerung an der Arbeitsstätte laden können, sodass die Belastung für den Haushalt (also unser aller Steuergeld) geringer wird. Es würde auch vielen Menschen Zugang zu Elektromobilität ermöglichen, die sonst keine gute Lademöglichkeit haben.

LG
Florian

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Absolut! Wir haben einer der ersten Folge das Thema auch schon besprochen. Für mich war das Laden am Arbeitsplatz, das bei uns seit ein paar Monaten möglich ist, auch der absolute Gamechanger. Und dann auch noch für einen super Preis (17 Cent pro kWh).

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Ist auch bei mir der entscheidende Punkt zugunsten eines künftigen eAutos, da ich zuhause keine Lademöglichkeiten habe.

Sollte mehr gefördert und forciert werden.

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Volle Zustimmung, aber auch da muss man wieder aufpassen: ich kann sogar kostenlos laden auf arbeit. Das führt bei >1000 Angestellten und 12 Ladeplätzen, aber auch dazu, dass ich manchmal nicht laden kann, weil das wie im Ausgangspost geschrieben auch für die Kollegen mit Haus und Wallbox noch Vorteile bringt, die damit den Platz für die Wohnungs-E-Autofahrer blockieren.

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Ich hab mit vielen Firmen Kontakt, für die das aktuell Thema ist, oder sein wird.

Aus Sicht der Arbeitnehmer höre ich da oftmals diese vier Punkte:

Erstens Netzstabilität: viele Firmen lasten die bei ihnen vorhandene Netzleistung schon relativ gut aus. Da nochmal 5*22 kW dazu zu packen ist oft kein Thema, aber wenn wir von 20-30 Ladepunkten, oder Schnelladern sprechen, kann es doch zum Thema werden.

Zweiter Punkt Netzentgelte. Für energieverbrauchende Firmen ist die jährlich einmalig abgerufene Spitzenlast signifikanter Preistreiber der Netzentgelte. Je kW Spitzenlast werden z.B. bei Netze BW 148,05 € fällig. Bei Erhöhung der Spitzenlast um z.B. 22 kW entstehen also Mehrkosten auf den Leistungspreis von über 3.000 €. Umgerechnet auf die einzelne kWh ist das zu vernachlässigen, aber trotzdem ein Kostenfaktor den preissensitive Einkäufer sehen.

Drittens Weiterberechnung: Viele Unternehmen sträuben sich aus Sorge von einem großen entstehenden zusätzlichen Aufwand im Abrechnungswesen. Jeder Mitarbeiter braucht potenziell eine Ladekarte und ein Konto, wenn man ihm die Kosten in Rechnung stellen will. Je nach Zahl der Mitarbeiter und Abrechnungsfrequenz kann das signifikant sein.

Viertens Angst von unfairer Behandlung: Ich höre oft von Unternehmensführern, dass man Sorge vor einer Ungleichbehandlung der Mitarbeiter hat. Man möchte Mitarbeiter, die sich bereits ein junges oder sogar neues e-Fahrzeug leisten können, nicht noch weiter vom Rest abheben, indem man ihnen auch noch den Strom günstig zur Verfügung stellt.

mMn lassen sich alle o.g. Punkte einfach lösen, indem der AG auf den von ihm bezogenen Strompreis einen fairen Aufschlag, z.B. 3-5ct/kWh ansetzt. Dann zahlen wir fürs Laden immer noch weniger als zu Hause und die zusätzlichen Aufwände können sinnvoll gedeckt werden. Ein sinnvolles Lastmanagement ist auch Pflicht. Einer meiner Kunden drosselt z.B. seine Ladesäulen zwischen 07 und 09 Uhr auf eine geringe Gesamtleistung um Lastspitzen zu vermeiden.