Das verstehe ich prinzipiell schon: NGOs setzen sich in der Mehrheit („Vernunftkraft“ als Ausnahme mal nicht) für das Wohl aller Menschen ein, also philantropisch, während Firmen per se und in erster Linie dem Wohl (Mehrung von Einkommen und Einfluss) von wenigen Menschen verpflichtet sind, also gruppenegoistisch. Es ist ein Glücksfall, wenn eine Firma ein Produkt herstellt, dass der Menschheit im Ganzen dient, was natürlich vielfach vorkommt, aber es ist sozusagen über einen Umweg menschenfreundlich, indem die Firma vermutlich durch die allgemeine Nützlichkeit mehr und nachhaltigeren Gewinn einfährt, als mit einem Produkt, dass wegen seiner Schädlichkeit irgendwann verboten wird. Vielleicht haben die EntwicklerInnen des guten Produkts eine menschenfreundliche Absicht gehabt, aber die tritt hinter dem Gewinnstreben zurück; und falls es ein noch menschenfreundlicheres Konkurrenzprodukt gibt, werden die Lobbyisten der ersten Firma versuchen, gegen das nützlichere Produkt zu arbeiten.
NGOs auf Träger von Weltanschauung zu reduzieren, finde ich nicht passend. Sie arbeiten ihren Satzungen nach für das Wohl Aller, dennoch sind sie nicht frei von Irrtum, weil Mensch, worauf du richtigerweise zeigst. Ihre Ziele sind idealistisch, aber deswegen nicht unrealistisch. Wirtschaftlicher Erfolg ist kein Ziel, also besteht die Gefahr einer schädlilchen Wirkung nur durch Irrtum, nicht durch kommerzielles Interesse. Es kann vorkommen, dass Führungsleute einer NGO eine Charakterschwäche (Machtgier) haben oder erst entwickeln, aber das endet in einem Skandal und dem Untergang oder Umbau der NGO, also Selbstreinigung.
Dagegen ist Rücksichtislosigkeit und Machtgier durchaus eine erwünschte Eigenschaft für Top-Manager, besonders in Branchen wie fossile Energie, Finanzindustrie, Lebensmittelindustrie, Agrarindustrie, Pharmaindustrie, Bergbau, Transport usw.
Deine anscheindende Gleichsetzung von NGO und Konzernen, die jeweiligen Lobbies betreffend ist eine Art von Hufeisentheorie, die mMn so unzutreffend ist wie die politische Hufeisentheorie. Der menschliche Hintergrund ist völlig verschieden und die Relationen (Häufigkeit guter und schädlicher Wirkung) gehen himmelweit auseinander. Man könnte auch sagen, NGOs sind in der Welt, um dem schädlilchen Wirken mancher Industrien überhaupt etwas entgegenzusetzen, da die Politik eines jeden Landes geneigt ist, die eigene Industrie gewähren zu lassen, ungeachtet eines möglichen globalen Schadens.