Zu deinen Beispielen:
Das ist ein delikater Aushandlungsprozess.
Die Frage ist dabei: Wie viel Macht für konkrete Vorgaben soll das BVerfG haben, wie sehr darf es den demokratisch gewählten Bundestag überstimmen?
Unsere Verfassung kennt keine Mittel der Rechtsdurchsetzung, wenn die Politik sich nicht an die Urteile des BVerfG hält. Daher: Urteile des BVerfG können nicht gegen die Regierung vollstreckt werden (wer sollte das auch tun, das BVerfG hat schließlich keine eigenen Polizeibehörden…). Das bedeutet, dass ein eklatantes Auseinanderfallen der Meinungen von BVerfG und Bundestag/Regierung zu einer massiven Verfassungskrise führen würde.
Es gibt keine festen Regeln dafür, wie weit der Gesetzgeber dem BVerfG entgegen kommen muss, wenn er ein für verfassungswidrig erklärtes Gesetz in nur minimal geänderter Fassung neu beschließt. Letztlich vertrauen wir darauf, dass die Demokratie funktioniert, daher:
Wenn die Regierungsfraktionen ein für verfassungswidrig erklärtes Gesetz immer und immer wieder neu beschließen würde und das BVerfG dieses Gesetz immer wieder für nichtig erklärt, gehen wir davon aus, dass die Regierungsfraktionen vom Bürger bei Neuwahlen dafür abgestraft werden.
Wenn die Regierung das dann verhindern wollen würde, indem sie z.B. Wahlen aussetzt, dann wäre - da schließt sich der Kreis der Diskussion - tatsächlich ein Punkt erreicht, an dem das Widerstandsrecht relevant würde. Aber auch erst dann. Aber an diesem Punkt sind wir bei weitem noch nicht und es ist zu hoffen, dass wir diesen Punkt nie erreichen.
Bis dahin gilt, dass der Bürger im Rahmen der Demokratie die Möglichkeit hat, die Regierung für eine Missachtung des BVerfG abzustrafen. Wenn die Mehrheit der Bürger diese Möglichkeit nicht nutzt, gibt das einer Minderheit nicht das Recht, in den bewaffneten Widerstand zu gehen.
Für alle diese Punkte gilt das gleiche:
Die Demokratie funktioniert grundsätzlich, daher: Die Bürger haben in der Theorie die Möglichkeit, die (Landes-)Regierung für diese Dinge abzustrafen. Wenn die Bürger das nicht tun, weil ihnen andere Dinge wichtiger sind, ist das kein Demokratiedefizit, welches in irgend einer Form ein Widerstandsrecht auslösen könnte.