LdN491 Antwort auf Anschläge

Tag,
ich befürchte auch, dass Putin und sein Machtapparat die Grenzen des Möglichen testet. Leider kann ich keine gute Antwort präsentieren. Doch wir müssen eine offene Diskussion führen. Sonst verlieren wir unsere Demokratie, und Putin und Co. haben noch mehr gewonnen als nur Land. Zwei Aspekte sind mir als Erstes eingefallen, die meines Erachtens nicht oder zu wenig behandelt wurden.

  1. Mir fehlt noch die völkerrechtliche Einordnung. Ist es ein kriegerischer Akt? Oder kennt das Völkerrecht den Zustand nicht? Oder?

  2. Das Durchführen von verbotenen Akten kann doch keine Legitimation für verbotene Taten sein? Einem Brandstifter darf die Polizei auch nicht das Haus anzünden.

Interessant finde ich den Aspekt, ob die Aufrüstungspolitik zurzeit am Problem vorbeigeht und nicht schnell, schnell, sondern klug durchgeführt werden sollte. Nicht, wie viel Geld, ist das Wichtige, sondern gegen was und wie.

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Vielleicht mal zunächst etwas Kontext:

Der Drohnenvorfall in Leipzig reiht sich ein in eine Kette russischer Angriffe auf Rüstungsfirmen: Allein in den letzten sechs Monaten wurden in vier EU-Ländern Angriffe auf Rüstungsfabriken bekannt. Russland macht keinen Hehl daraus, solche Attacken durchzuführen: „Wir werden alles zu zerstören, was die Kriegsmaschinerie Kiews vom Westen aus antreibt. Das tun wir bereits, und sie fangen schon an zu stöhnen“, sagte kürzlich der russische Außenminister Sergej Lawrow.

Vorige Woche wurde im slowakischen Prešov ein Brandanschlag auf die Fabrik von Skyeton durch die Sondereinheit UBOK vereitelt. […] In der slowakischen Fabrik stellt das ukrainische Unternehmen die Aufklärungsdrohne Raybird her.

Ebenfalls im August kam es zu einer Explosion in der Munitionsfabrik Emco im bulgarischen Beliza. Eigentümer Emilian Gebrev sollte schon 2015 vergiftet werden. Sofia erließ auch Haftbefehle gegen sechs russische Staatsbürger nach einer Serie von Waffenlager-Explosionen zwischen 2011 und 2020. Ebenfalls im August kam es zu einem Brand in der Sprengstoffabteilung von KNDS Ammo Italy in Collefero bei Rom. In der zum deutsch-französischen Rüstungskonzern KNDS gehörenden Fabrik werden 155-Millimeter-Granaten für die Ukraine hergestellt.

Zuvor zündeten Brandstifter ein Werk im tschechischen Pardubice an, das dem ukrainischen Hersteller von Wärmebildgeräten Archer-LPP gehört. In Lettland wurden drei Personen im Zusammenhang mit einem Brandanschlag auf ein Gebäude der estnischen Firma Milrem Robotics festgenommen, die unbemannte Bodenfahrzeuge an die Ukraine liefert.

Mitte August machte der deutsche Rüstungsunternehmer Stefan Thumann in einem Fernsehinterview öffentlich, dass er ermordet werden solle. Der Gründer und Chef des bayerischen Rüstungs-Start-ups Donaustahl GmbH, das Aufklärungs- und Kamikazedrohnen an die Ukraine liefert, sagte: „Ich liefere mir mit dem russischen Militärgeheimdienst ein Duell um mein Leben!“ Im März wurden die Rumänin Alla S. und der Ukrainer Sergej N. festgenommen, die im Auftrag eines russischen Geheimdienstes Thumanns Wohnsitz ausgespäht haben sollen.

Gegen Armin Papperger, den Chef der größten deutschen Rüstungsschmiede Rheinmetall, waren bereits 2024 russische Mordpläne aufgedeckt worden. Er bewegt sich seither nur noch mit Personenschutz.

Die Bedrohungslage ist also schon lange heikel.

Ein Verfahren in Den Haag gegen Putin läuft bereits, weitere sind auf dem Weg (Stand letztes Jahr):

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Rechtlich agiert die Bundesregierung äußerst vorsichtig:

Im Spiegel heißt es:

Beratungen der Nato nach Artikel 4 seien vorerst nicht angedacht.

Das ist bemerkenswert, denn:

Sicherheitsexperten fordern von der Bundesregierung eine entschlossene Reaktion und die Befassung der Nato mit dem Drohnenangriff auf den Leipziger Flughafen Anfang August. Arndt Freytag von Loringhoven, ehemaliger Vizepräsident des BND und ehemaliger beigeordneter Generalsekretär der Nato, erklärte in der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ): „Alles spricht dafür, Artikel 4 des Nato-Vertrages zu aktivieren.“ Vor dem Hintergrund der quantitativen und qualitativen Zunahme der hybriden Angriffe in ganz Europa sei das „eigentlich zwingend“.
Artikel 4 des Nato-Vertrages sieht Konsultationen vor, wenn nach Auffassung eines Alliierten „die Unversehrtheit des Gebiets, die politische Unabhängigkeit oder die Sicherheit einer der Parteien bedroht ist“. Mit Konsultationen sind offizielle Beratungen der Nato-Mitgliedstaaten gemeint, diese können dann zu gemeinsamen Entscheidungen oder Aktionen führen. Anders als in Artikel 5 löst er nicht den Bündnisfall aus.

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Bei den inzwischen mindestens zwei mutmaßlich von Russland vorbereiteten Bomben-/Brandanschlägen in Deutschland, die offenbar nur durch Glück bzw. rechtzeitiges Eingreifen nicht zur Katastrophe geführt haben, bleibt bei mir ein großes Fragezeichen.

Ist der russische Geheimdienstapparat tatsächlich derart inkompetent? Wir reden hier schließlich nicht über irgendeinen Hinterhofverein. Wir reden über einen Staat, der mit der Zar-Bombe die stärkste jemals gezündete Kernwaffe gebaut hat, mit Sputnik den USA beim Wettlauf ins All zunächst davongeflogen ist und über einen gewaltigen Geheimdienst- und Militärapparat verfügt.

Und dieser Staat soll dann daran scheitern, eine primitive Brand- oder Sprengvorrichtung zuverlässig zum Funktionieren zu bringen? Eine technische Lösung, die im Zweifel irgendeine Terrororganisation mit Baumarktmaterial hinbekommt?

Gleichzeitig sollen ausgerechnet unsere nicht gerade für überragende Effizienz bekannten Sicherheitsbehörden bzw. ausgelagerte Sicherheitsstrukturen an Flughäfen diesen Apparat wiederholt erfolgreich ausgebremst haben?

Putin könnte die Eskalationsleiter bewusst sehr langsam hochgehen. Erst Sabotage, dann Vorrichtungen, die gefährlich aussehen und theoretisch funktionieren könnten, praktisch aber so konstruiert oder eingesetzt werden, dass die Wahrscheinlichkeit einer großen Zahl von Toten gering bleibt.

Damit ließe sich ziemlich elegant testen, wo die westlichen roten Linien eigentlich liegen.

Was passiert diplomatisch? Was passiert geheimdienstlich? Was passiert militärisch? Ab wann wird ein solcher Angriff als russischer Angriff behandelt? Wann gibt es eine ernsthafte Reaktion und wann bleibt es bei Empörung, Ermittlungen und Sanktionen?

Und wenn die Antwort jedes Mal lautet: eigentlich nicht besonders viel, kann man beim nächsten Mal eine Stufe höher gehen.

Aber noch viel wichtiger, „Offensive Cyberfähigkeiten“ halte ich für einen ziemlich gefährlichen Begriff.

Vorweg: „Cyber“ ist ein Wort mit der Bedeutung „Ich weiß nicht genau, wovon ich rede, aber es hat mit Computern zu tun“. :wink: Lieber Ulf, lieber Philip, euch ist das natürlich bewusst und ihr verwendet den Begriff nur weil er sich politisch nun einmal so durchgesetzt hat.

Das größere Problem ist aber die Vorstellung, die hinter „offensiven Cyberfähigkeiten“ steckt.

Das funktioniert eben nicht so, dass morgens der Cyber-Oberst seinen Cyber-Hauptleuten den Tagesbefehl gibt, die ihre Cyber-Soldaten briefen, alle setzen sich an die Tastatur und pünktlich um 12 Uhr geht in Moskau das Licht aus. Auftrag erledigt, Feierabend, morgen wird das nächste Ziel gehackt.

Wenn man tatsächlich die Fähigkeit haben möchte, im Ernstfall fremde Energieversorgung, Kommunikation, Logistik oder militärische Systeme lahmzulegen, muss man diese Systeme teilweise über Jahre beobachten. Man muss Schwachstellen finden, Zugänge aufbauen, Systeme kompromittieren und gegebenenfalls Zero-Days zurückhalten.

Und genau da entsteht ein gewaltiger Zielkonflikt: Eine Sicherheitslücke, die der deutsche Staat für einen zukünftigen offensiven Einsatz geheim hält, bleibt auch für alle anderen offen.

Der Russe ist schließlich nicht der einzige Akteur, der nach solchen Schwachstellen sucht. China, Nordkorea, Nachrichtendienste, Ransomware-Gruppen und gewöhnliche Kriminelle suchen nach denselben Lücken. Der Staat muss sich also irgendwann entscheiden: Melden wir die Schwachstelle, damit sie geschlossen wird und Millionen Systeme sicherer werden, oder behalten wir sie als mögliche digitale Waffe? Im zweiten Fall erkaufen wir uns eine hypothetische offensive Fähigkeit damit, dass unsere eigenen Unternehmen, Behörden und Bürger länger verwundbar bleiben.

Genau deshalb finde ich die politische Begeisterung für „Hackbacks“ und „offensive Cyberfähigkeiten“ ziemlich problematisch. Linus Neumann kritisiert diese Denkweise seit Jahren und hat aus meiner Sicht einen wichtigen Punkt: IT-Sicherheit funktioniert eben nicht nach derselben Logik wie Panzer, Raketen oder Artillerie. Eine geheim gehaltene Sicherheitslücke trifft nicht ausschließlich den Gegner. Sie existiert schlicht weiter, und kann von jedem gefunden und ausgenutzt werden.

Daher meine Bitte bzw. mein Themenvorschlag:

Ladet zu diesem Thema doch einmal Linus Neumann ein. Gerade bei der Frage, was offensive IT-Fähigkeiten technisch tatsächlich bedeuten, welche Vorbereitungen dafür notwendig sind und welchen Preis wir dafür bei der Sicherheit unserer eigenen Infrastruktur bezahlen, könnte er die Debatte vermutlich erheblich weiterbringen. Außerdem hat er auch so seine Erfahrungen mit Podcasts :winking_face_with_tongue:

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Es war wohl ein Zufallsfund, der nicht aktiv aufgeklärt und vereitelt wurde.

In der Nacht zum 5. August 2026 brachte ein am Flughafen beschäftigter Busfahrer eine Drohne zu Boden, die in niedriger Höhe und unmittelbarer Nähe zu zwei Maschinen der ukrainischen Staatsairline Antonov Airlines flog. Sie war mit 800 Gramm Sprengstoff (PETN und Semtex) in einer handelsüblichen Blechdose und einem Zünder bestückt. Dieser war nach Angaben eines kurz nach der Entdeckung verfassten, in Leitmedien veröffentlichten vertraulichen Behördendokumentes „offenbar abgerissen“, wodurch eine Explosion unterblieben sei. […] Laut Funkzellenauswertung kam das mutmaßliche Steuersignal der Drohne aus Wallendorf in Sachsen-Anhalt, rund neun Kilometer vom Flughafen entfernt.

(Wikipedia)

Und so richtige Profis waren da auch wohl nicht am Werk:

Der russische Geheimdienst hat in jüngster Vergangenheit eher mit Wegwerfagenten gearbeitet. Die Ausbildung wird da überschaubar sein. Gleichzeitig ist es schwieriger, mit dem Finger auf jemanden zu zeigen. Ein russischer Auslandsagent mit Mitarbeiterausweis FSB und dem ausgedruckten Befehl in der Tasche, wird man sicherlich nicht finden. Die Unsicherheit gehört da zum Spiel dazu.
Daher ist es absolut richtig, mit kleinstem diplomatischen Besteck zu arbeiten. Es muss noch reichlich Luft für Eskalation bleiben.

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Was vielleicht ein bisschen untergegangen ist, ist die angespannte wirtschaftliche Lage:

Vier Jahre nach Beginn der Vollinvasion der Ukraine zeichnet sich die Möglichkeit eines wirtschaftlichen Kollaps Russlands immer deutlicher ab. Bisher ist die russische Wirtschaft nicht zusammengebrochen, aber ihre Grundlagen erodieren schneller, als die offiziellen Statistiken erkennen lassen. Die Wirtschaft schrumpfte im ersten Quartal 2026 um 0,3%, obwohl die Staatsausgaben im März 2026 im Jahresvergleich um 44% stiegen.

Die Wachstumsprognose der Regierung für 2026 wurde auf 0,4% zusammengestrichen, und selbst diese Zahl könnte sich angesichts vermehrter Anzeichen von Arbeitskräftemangel und Lieferengpässen als zu optimistisch erweisen. Es bestehen ernsthafte Zweifel an der Genauigkeit der offiziellen Wachstumszahlen. Sollte die Inflation, wie vielfach vermutet, zu niedrig ausgewiesen sein, wäre das reale Wirtschaftswachstum noch niedriger. Die zivilen und die militärischen Teile der russischen Wirtschaft sind zunehmend entkoppelt: Die Rüstungsindustrie wächst auf Kosten eines stagnierenden zivilen Sektors, bei nahezu zum Erliegen gekommenen Anlageinvestitionen außerhalb militärischer Prioritäten und einem Außenhandelsvolumen auf dem niedrigsten Stand seit fünfzehn Jahren. Auch dies führt dazu, dass die offiziellen Zahlen den Zustand der produktiven Wirtschaft erheblich überbewerten.

Zu einem Kollaps wird es aber wohl nicht kommen:

Solange die Märkte in Russland grundsätzlich funktionieren, werden sie sich anpassen und die Wirtschaft am Laufen halten – wobei natürlich von einem Wirtschaftswachstum dann trotzdem keine Rede sein kann. Das bedeutet auch, dass Putin in absehbarer Zukunft trotz der wirtschaftlichen Probleme Geld für seinen Krieg in der Ukraine haben wird.

Auf Spiegel+ heißt es noch:

Die Ausgaben für Russlands Militär sind im Jahr 2026 bislang ungebremst gestiegen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Auswertung des Russian Budget Monitors) von Janis Kluge, Ökonom und Russland-Experte der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP). Im ersten Halbjahr sind die Militärausgaben demnach um 30 Prozent auf 10,7 Billionen Rubel gestiegen (umgerechnet etwa 107 Milliarden Euro). Damit entsprechen die Rüstungsausgaben allein bis Ende Juni 4,7 Prozent der für das Gesamtjahr erwarteten Wirtschaftsleistung.

Sollte sich diese Entwicklung im gleichen Tempo auch in der zweiten Jahreshälfte fortsetzen, dürften die Rüstungsausgaben »bis Dezember mehr als neun Prozent des russischen Bruttoinlandsprodukts erreichen, ein neuer Rekord in der postsowjetischen Geschichte Russlands«, sagte Kluge dem SPIEGEL.

Bemerkenswert ist das auch deshalb, weil nicht nur Verteidigungsminister Beloussow eine Trendwende versprochen hatte.

Eine Folge der nun ausufernden Militärausgaben: Russland muss immer mehr Schulden aufnehmen, um Krieg und Sozialausgaben zu finanzieren. Ursprünglich hatte die Regierung für 2026 mit einer Neuverschuldung von 1,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) kalkuliert. Ende Juli lag sie allerdings bereits bei 2,8 Prozent – trotz der durch den Irankrieg gestiegenen Preise für Rohöl und Gas.

Der Kreml hat zunehmend mit ökonomischen Problemen zu kämpfen. Der durch die Rüstungsausgaben ausgelöste Wirtschaftsboom der ersten Kriegsjahre ist schon länger zu einem Ende gekommen. Viele Unternehmen ächzen unter dem horrenden Leitzins, mit der die Zentralbank die hohe Inflation unter Kontrolle bringen will.

Es gibt zumindest gewisse Krisensymptome:

Da könnte man bestimmt seitens des Westens noch was draufpacken.

Ob die Anschläge oder Angriffe von der russischen, nordkoreanischen oder schweizerischen Regierung oder welche auch immer angeordnet oder unterstützt worden sind oder es verrückte Einzeltäter waren, können wir hier nicht ausdiskutieren. Das müssen wir den Ermittlungsbehörden überlassen.

Die NATO ist das eine, das Völkerrecht etwas anderes.

Noch einmal meine Frage: Was sagt das Völkerrecht dazu?
Danach kommt die Frage, welche Antworten können welche Institutionen (UN/EU/NATO/Auswärtiges Amt/usw.) geben.
Und dann kommt doch erst die Frage, welche Antwort wollen wir geben, welche Antworten scheinen die besten zu sein.
Und jede Frage ist eine große, schwere Frage.

Was das Cyberthema angeht, finde ich die Gedanken von FaxVerweigerer404 sehr gut.

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Grundsätzlich sind nach dem Völkerrecht die Staaten verpflichtet, friedlich miteinander umzugehen.

Die rechtliche Grundlage dafür findet sich in der Charta der Vereinten Nationen (UN). Dort heißt es: „Alle Mitglieder unterlassen in ihren internationalen Beziehungen jede gegen die territoriale Unversehrtheit oder die politische Unabhängigkeit eines Staates gerichtete oder sonst mit den Zielen der Vereinten Nationen unvereinbare Androhung oder Anwendung von Gewalt.“ Eine Ausnahme von diesem Grundsatz besteht nach Artikel 51 der UN-Charta im Fall der Selbstverteidigung gegen einen „bewaffneten Angriff“.

[…] [E]inen bewaffneten Angriff, der das Selbstverteidigungsrecht Deutschlands auslösen würde, sehen Experten darin nicht. „Ein bewaffneter Angriff liegt nur bei einem besonders schwerwiegenden Verstoß gegen das Gewaltverbot vor“, sagt Pierre Thielbörger, Professor für Völkerrecht an der Ruhr-Universität in Bochum. „Kleinere und isolierte Verstöße gegen das Gewaltverbot bilden keinen bewaffneten Angriff, das hat auch der Internationale Gerichtshof bestätigt.“

Allerdings sei schwierig, eine trennscharfe Grenze zu bestimmen, es komme vielmehr immer auf das Ausmaß und den Effekt des Ereignisses im Einzelfall an. „Klassische Militärangriffe (z.B. Raketen oder Bomben) sind davon natürlich erfasst“, so Völkerrechtsexperte Thielbörger. Falls Cyberoperationen in vergleichbarem Maße Schaden verursachen sollten, könnten auch diese erfasst sein.

Auf SZ+ steht noch:

So gefährlich diese Attacke auch war: In der Denkweise von Krieg und Frieden fällt sie in die Kategorie eines bloßen Nadelstichs. Das bedeutet: Wenn die deutsche Bundesregierung sich jetzt ihrer Sache sicher wäre und öffentlich sagen würde: „Es war Russland“, dann müsste als nächster Satz darauf gleich folgen: „… und wir können leider nichts darauf erwidern.“ Denn bei solchen Nadelstichen darf man nach dem Völkerrecht höchstens politisch antworten, mit erneuten Wirtschaftssanktionen zum Beispiel oder mit der Ausweisung von Diplomaten, aber nicht militärisch mit einem Gegenschlag zum Beispiel auf Russland. Der Völkerrechtler Talmon nennt es einen „Konstruktionsfehler“ des Völkerrechts, „dass man gegen diese niedrigschwellige Gewalt schlecht dasteht“. Aber so ist es.

Vertiefend:

Das mag sein, im Fall Leipzig scheint der Urheber aber nun geklärt zu sein und „Gegenmaßnahmen“ werden ergriffen:

  1. Das russische Generalkonsulat in Bonn soll ab dem 18. September geschlossen werden.
  2. Der Vertrag über das Russische Haus in Berlin wird gekündigt.
  3. Die Einreisekontrollen für russische Staatsangehörige sollen verschärft werden.
  4. Der Druck auf die russische Schattenflotte soll erhöht werden. […]

Bleibt halt die Frage: Wie hätte man reagieren sollen, wenn diese Drohne samt geparkter Antonow in die Luft gegangen wäre?

Die im Podcast vorgeschlagene Blockade der Schattenflotte?
Ein großangelegter Hackerangriff auf die Industrie? (falls wir sowas überhaupt können)
Oder gar eine direkte kinetische Antwort per Marschflugkörper o.ä.?

Danke für die Ausführung.
Auch wenn ich Wirtschaftssanktionen nicht als nichts bezeichnen würde, verstehe ich das Problem.

Jetzt kommt die Frage, welche Antworten welche Institutionen (UN/EU/NATO/Auswärtiges Amt/usw.) geben können.

Und dann kommt doch erst die Frage, welche Antwort wir geben wollen und welche Antworten die besten zu sein scheinen.

Was das Cyberthema angeht, finde ich die Gedanken von FaxVerweigerer404 sehr gut.

Mir scheint ein Aufrüsten mit „Stahl" und Kriegstechnik, die gedanklich noch in den 1990er-Jahren steckt, auch nicht als der Weisheit letzter Schluss.
Außerdem betrifft es doch eher unsere Polizeiarbeit. Auf bundesdeutschem Gebiet sind sie zuständig.

Eine Eskalation ist meines Erachtens auch nicht erstrebenswert.

Interessant wären auch die Erkenntnisse von Friedensforschern.

Neben diplomatischen natürlich weitere Wirtschaftssanktionen.

EU und NATO jedenfalls. Die UN können höchstens Deklarationen beschließen.

‚Nadelstiche‘ wären theoretisch natürlich auch in umgekehrter Richtung prinzipiell möglich - mit den bekannten Abgrenzungsproblemen. Ob das klug wäre, solche Symbolhandlungen zu vollführen, ist aber eine andere Frage.

Eine Rechtfertigung für einen weiteren russischen Krieg, wären sie nicht. Aber was schert Putin schon das Völkerrecht?

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Oder Pazifismus …? Wie würde der in diesem Fall konkret aussehen, @Olaf_L_Mueller?

Ich finde es sehr schwierig, speziell im Fall von Russland. Gibt es das Toleranz-Paradoxon aus Sicht des relativen Pazifismus? Falls ja, woher weiß man, ab wo, bei wem, wann?

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Mit Verlaub: was für ein Bull**** von der SZ. Neben den diplomatisch üblichen Mitteln und Sanktionen könnte man auch Taurus liefern oder sogar (mit ukrainischer Einwilligung) eine Flugverbotszone über der Ukraine einrichten und alle nicht erlaubte Flugobjekte mit Eurofighter abschießen.

Klar, die Möglichkeiten hätten wir auch ohne jeden Anschlag, aber wir haben sie.

Vielleicht wird es ja wenigstens Taurus.

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Taurus zu liefern wäre auf jeden Fall mal ne Maßnahme. 600 waren da mal im Bestand.

Wann hat Merz eigentlich sein ‚Taurus‘-Versprechen kassiert? Und was waren die Gründe?

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In der Folge wurde ja angesprochen, dass wir die teure Hardware, die wir gerade anschaffen, gar nicht nutzen können, die Ukraine aber schon. Wieso sagen wir nicht einfach, Für jeden kriegerischen/terroristischen Akt Russlands bekommt die Ukraine 50 Taurus?

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Es gibt etliche Videos von Drohnen im Ukraine Krieg, wo genau das passiert. Sie prallen gegen das Ziel ohne Zündung. Zumal man sich hier ja an „ungelernten Wegwerfagenten“ bedient hat. Das DHL Paket ist in Brand geraten. Das Glück war hier, dass es zu unvorhersehbaren Verspätungen im Ablauf kam. Sonst wäre es längst im Flugzeug gewesen. Und wie erklärst du die brennenden Rüstungsfabriken mit der Inkompetenz oder die Seekabel? Diese Drohnen sollten explodieren. Es gibt Sendevorrichtungen im Nachbardorf, so dass sie aus großer Entfernung gesteuert werden konnten. Das ist nicht unprofessionell. Aber die Bundesregierung sollte jetzt alle Infos offen legen. Zumindest klarer benennen oder Belege zeigen. So hat sich der russ Präsident und der russische Botschafter mit „mir wurden keine Belege vorgelegt“ herausgeredet.

Auch bei den Konsequenzen sollte man deutlich klarer kommunizieren. Wieso wird ein Konsulat geschlossen. Was ist die Aufgabe etc.

Wadephul wurde in den Tagesthemen gestern gefragt wieso das russische Haus geschlossen würde. Er antwortete ernsthaft, dass er nicht wissen würde, was da für Veranstaltungen stattfinden würden. Das ist in dieser Lage extrem unprofessionell und kritisch. Die AFDs und BSWs werden sich freuen.

Zur Einordnung. Es gab noch 4 weitere Konsulate in Deutschland. Damit wären alle geschlossen. Das letzte deutsche Konsulat in Russland ist in St Petersburg und wird vermutlich spiegelbildlich geschlossen. Es ist im Übrigen nicht das Schließen von Kommunikationskanälen, denn es würde ja gleichzeitig der Botschafter herbeizitiert.

Zusätzlich unvage hat man ja geäußert man wolle die Ukraine weiter und deutlich unterstützen und es finden EU und NATO Beratungen statt. Genau das wären wichtige Reaktionen. Geeintes Auftreten. Es gibt noch einiges an wirtschaftlichem Druckmittel. In Litauen werden Teile der Schattenflotte repariert. Uran aus Russland wird nicht sanktioniert. Schattenflotte weiter festsetzen.

Fänd ich auch interessant.

Direkt am Anfang. Die Ukraine habe ja jetzt eigene weit wirkende Mittel. Halte die Diskussion um ein Waffensystem, wie den Taurus aber für überhöht.

Gut ist, anders als bei den DHL Paketen, dass jetzt zumindest eine Reaktion erfolgt.

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Na ja, die Patriots werden knapp.

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Du meinst mit Taurus Rüstungsstätten der Russen treffen, in denen Raketen/Drohnen/Marschflugkörper produziert werden? Wäre schon sinnvoll.

Wie viele würden wir abgeben können? 50? Reduziert man das Potential damit ausreichend? Raketen kommen teilweise aus Nordkorea. Die Abschussrampen sind schwer zu treffen. Liegen die Rüstungsbetriebe in Reichweite?

Man darf auch die Gleitbomben nicht vergessen. Weitreichende Luft Luft Raketen, um endlich die Jets zu stören wären auch noch möglich.

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Taurus haben richtig Reichweite und sind v.a. bunkerbrechend, sodass auch Führungsgefechtsstände ausgeschaltet werden können.