LdN487: Wartezeit Therapieplatz - ein Erfahrungsbericht aus einer Großstadt

Generell finde ich es sehr gut, das das Thema aufgegriffen wird! Aber die Aussagen über die Wartezeiten im Podcast fand ich schwer zu ertragen. Ich habe leider etwas völlig anderes erlebt. Und auch Freunde im Bekanntenkreis die einen Therapieplatz gesucht haben, haben nie so schnell wie im Podcast suggeriert einen Therapieplatz bekommen.

Die Odyssee zu einem Therapieplatz für mich war ein sehr steiniger, frustrierender und langer Weg. Definitiv nicht einfach.

Ich kann auch nicht bestätigen, dass die 116117 schnell ein Erstgespräch organisiert, und man danach dann auch schnell einen Therapieplatz über diese bekommen sollte. Insbesondere, wenn man in einer Großstadt lebt. Denn ich wohne in einer Großstadt mit mehr als 500.000 Einwohner:innen. Auf das Erstgespräch habe ich 3 Monate gewartet. Der Therapieplatz hat 14 Monate gedauert, nach einer sehr beschwerlichen Reise mit sehr vielen Absagen (mindestens 45 Stück).

Es mag sein, dass es auf dem Land noch schlimmer ist. Aber in der Stadt ist es definitiv auch ein großes Problem an einen Therapieplatz zu kommen!

Kurz meine Punkte:

  • Wartezeit auch in der Großstadt zu lang: 3 Monate für Erstgespräch, 14 Monate für Therapieplatz

  • Erniedrigender und zermürbender Prozess bei der Therapieplatzsuche

  • Unnötige Sitzungen für Erstgespräche, da Therapeut:innen nur einen Platz anbieten, wenn man bei Ihnen ein Erstgespräch hatte (hatte bei 4 Therapeut:innen ein Erstgespräch)

  • teilweise fragwürdige Therapeut:innen (Esoterik, Schwurbel, Youtube-Videos als Wissensquelle)

  • Krankenkasse und Kostenerstattung war nicht möglich, trotz vieler Absagen

  • Therapieplatz am Ende durch extremes Glück gefunden

Die lange Fassung folgt hier:

Im Dezember 2024 habe ich festgestellt, dass ich ein Problem habe.

Im Juni 2026 hatte ich mich durchgerungen, zu beschließen, dass ich eine Therapie möchte. Und ich habe bei der 116 117 angerufen. Dort wurde mir gesagt, dass ich in der Datenbank fürs Erstgespräch aufgenommen bin, und man sich bei mir meldet.

Im September hatte ich dann mein Erstgespräch. Es hat also etwa 3 Monate von der Aufnahme bei der 116117 bis zum Erstgespräch gedauert. Es waren 2 Erstgespräche, die sehr gut waren. Dort wurde festgestellt, dass eine Behandlung empfohlen wird. Ich bekam den ominösen Zettel PTV11, der notwendig ist. Und mir wurden die Möglichkeiten, wie ich einen Therapeuten finde erklärt. Ich beschloss parallel mehrere Wege zu versuchen:

  1. Über 116117
  2. Bei den Ausbildungsinstituten mich auf die Warteliste zu setzen (4 Stück in meiner Stadt)
  3. Selbst Therapeutinnen anrufen bzw. anschreiben
  4. Falls das alles nicht klappt, dann über das sogenannte Kostenerstattungsverfahren (dazu später mehr).

Weg 1: 116117

Die 116117 hat mir gesagt, ohne Dringlichkeitscode auf dem PTV11 ginge es nicht. Also habe ich noch einmal bei dem Therapeuten bei dem ich das Erstgespräch hatte vorbei. Er meinte, er hat das wohl einfach vergessen. Ich habe meinen Code bekommen. Und konnte dann auf die Warteliste der 116117.

Zu Beginn habe ich noch 1x im Monat dort angerufen. Bis mir gesagt wurde, ich solle nicht mehr anrufen, da das unnötig wäre, man würde sich schon bei mir melden. Jetzt, nach 14 Monate habe ich immer noch keine Rückmeldung von der 116 117.

Weg 2: Ausbildungsinstitute

Es gibt die Möglichkeit bei Ausbildungsinstituten auf die Warteliste zu kommen. Dort wird man dann von Menschen die das noch lernen Therapiert, aber unter Aufsicht von einer ausgebildeten Person. 4 Institute konnte ich kontaktieren. Teilweise per Mail. Teilweise musste man schnell genug zu gewissen Zeitfenstern in der Woche anrufen (diese waren idR 1 Stunde irgendwann am Tag). Bei einem musste ich mich nachträglich per Post anmelden, mit weiteren Informationen zu meinem Fall. Dieses hat dann mich am Ende auch abgelehnt, da der Fall zu komplex für ein Ausbildungsinstitut sei. Bei den anderen 3 habe ich 1x im Monat per Mail mich melden müssen, um auf der Warteliste zu bleiben. Eigentlich ein guter Mechanismus, aber benötigt Selbstdisziplin.

Die Hürde für die Ausbildungsinstitute fand ich teilweise etwas unangenehm. Bei manchen muss man direkt zustimmen, dass Video und Audioaufnahmen der Sitzungen angefertigt werden, für die Auswertung danach. Natürlich nur für den internen Gebrauch. Aber da muss man schon vertrauen, dass die Videodaten wirklich sicher im System gespeichert sind… Naja. Für mich war es eine Überwindung zuzustimmen. Aber in meiner Verzweiflung habe ich beschlossen, mich trotzdem anzumelden.

(leider sind nicht mehr Zeichen erlaubt. Ich würde meinen Bericht gerne in weiteren Kommentaren hinzufügen. Ich hoffe das ist okay.)

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Teil 2

(Danke fürs Zulassen.)

Weg 3: Selbst suchen

Dies bedeutet, Therapeut:innen herauszusuchen, und zu kontaktieren. Zu Beginn habe ich es telefonisch versucht. Was extrem Zeitraubend und frustrierend war. Es läuft idR so ab:

  • Man ruft an, und der AB sagt einem, in welchem Zeitraum die Person Sprechzeiten hat. Das ist meistens 30-60 Minuten pro Woche irgendwann zufällig am Tag.
  • Man schreibt sich auf, wann dieser Zeitraum ist. Dies wiederholt man, bis man eine schöne Liste hat.
  • Man ruft zu dem gewissen Zeitraum an. Die Zeiträume sind komplett zufällig über den Tag verteilt. Oft während üblichen Arbeitszeiten. Also bedeutet das, während der Arbeit sich eine Abstellkammer zu suchen, und heimlich den Anruf zu tätigen.
  • In 60% der Fälle geht dann auch wirklich eine Person ran. Bei mir war immer eine Absage.
  • In 40% der Fälle geht niemand ran. Man versucht es das ganze Zeitfenster ohne Erfolg. Dann kann man es eine Woche später wieder probieren.

Manche ABs haben auch direkt gesagt, dass keine neuen Patient:innen aufgenommen werden. Auf manche ABs konnte man sprechen, und wurde dann sehr selten zurückgerufen.

Alternativ kann man einige Therapeut:innen auch per Mail kontaktieren. Das hat sich tatsächlich als deutlich weniger anstrengend herausgestellt.

Über die Zeit habe ich 46 Absagen gesammelt. 16 per Telefon oder persönlich. 30 per Mail.

Krass ist auch, dass alle Therapeut:innen offene Wartelisten haben. Alle hatten geschlossene Wartelisten. Und wenn man nachgefragt hat, wie man denn auf die Warteliste kommen würde, wurde gesagt, man soll in 6 Monaten noch einmal anrufen, vielleicht werden dann neue Plätze auf der Warteliste vergeben. Ich habe es nicht geschafft auf eine der Wartelisten zu gelangen. Und selbst dort hätte ich ja vermutlich ewig auf einen Platz warten müssen. Ich frage mich auch, wie viele Leute auf Wartelisten stehen, die aber längst keinen Bedarf mehr haben.

Bei der Suche habe ich erneut bei 3 anderen Therapeut:innen Erstgespräche gehabt. Denn viele sagen, sie können nur einen Platz in Aussicht stellen, wenn das Erstgespräch auch bei Ihnen stattgefunden hat. Leider ist es bei allen 3 dann nicht zu einer Therapie gekommen, aus verschiedenen Gründen. Bei einer Person wurde mir nach der dritten Sitzung gesagt, dass die Wartezeit 3 Jahre bei dieser Person sind. Bei der zweiten Person wurde nach 4 Sitzungen festgestellt, dass der Therapeut die Passung nicht gut findet. Das beruhte aber auch auf Gegenseitigkeit, da er z.B. Sternzeichen/Horoskop als sehr wichtiger Bestandteil einer Therapie hält. Das ging noch weiter über energetiesiertes Wasser und Impfgegnertum - ich halte nichts von Esotherik und Schwurbelei. Die dritte Person war extrem seltsam, und hat in der ersten Sitzung ständig wichtige Zusammenhänge durcheinandergebracht. Außerdem hat sie in der ersten Sitzung mehrfach erwähnt, was sie aus YouTube Videos gelernt hat, und dass ich Medikamente oder eine Hormonersatztherapie in Betracht ziehen solle. Sie ist Therapeutin, keine Psychaterin. Ein völlig verstörendes Erlebnis, und ich habe die Zusammenarbeit direkt abgebrochen.

Dies war ein Seitenarm, der sehr zeitraubend und Energieraubend war. Außerdem nichts gebracht hatte. Aber immer war die Hoffnung da, doch einen Platz zu erhalten. Weshalb ich alles Mögliche ausprobiert hatte. In diesen 3 Fällen leider nicht mit Erfolg.

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Teil 3

Weg 4: Kostenerstattungsverfahren

Falls man genug Absagen hat, kann man damit ein Systemversagen nachweisen, und ein sogenanntes Kostenerstattungsverfahren bei der gesetzlichen Krankenkasse beantragen. Das bedeutet, die Krankenkasse bezahlt einem eine private Therapeut:in. Direkt zu Beginn habe ich bei der GKV angerufen, und gefragt, was die dafür brauchen. Mir wurde gesagt, dass 20 Absagen in einer Tabelle ausreichend seien (Name Therapeut:in, Art der Konstatierung, Datum Uhrzeit der Absage, etc…). Daher hatte ich natürlich direkt während der Suche die Absagen brav gesammelt. Ein Freund hatte ein erfolgreiches Kostenerstattungsverfahren bei der selben GKV wie ich durchführen können. Das hat mich ermutigt, das auch zu probieren.

Nachdem ich im Januar 20 Absagen zusammen hatte, rief ich wieder bei der GKV an. Allerdings wurde mir dann etwas ganz anderes gesagt. Ich habe meinen Fall geschildert. Als erstes wurde mir vorgeworfen, dass ich mich nicht regelmäßig genug bei der 116117 gemeldet hätte, und der Dringlichkeitscode ja längst abgelaufen sei. Und damit hätte ich ja nicht alle möglichen Mittel ausgeschöpft, die es gäbe. Ich versuchte klarzustellen, dass die 116117 mir das anders mitgeteilt habe, aber vehement meinte Sie, dass ich falsch liege, und das anders wäre. Sie hat mir dann geraten, dass ich nochmal ein neues Erstgespräch brauchen würde, mit einem neuen Dringlichkeitscode. Ein Irrsinn, da ich ja schon bei 4 Therapeut:innen ein Erstgespräche hatte. Außerdem hat sie mich noch gefragt, wie viele Therapeut:innen es in meinem näheren Umkreis denn gäbe. Und ob ich alle kontaktiert hätte. Ich sehe es eigentlich auch nicht als meine Aufgabe, über mögliche Kassensitze in meinem Umkreis Bescheid zu wissen. Einen konkreten Umkreis konnte Sie mir auch nicht nennen. Oder eine Anzahl an Absagen die ich brauche. Das Gespräch habe ich daraufhin ohne Ergebnis mit einer Mischung aus Fassungslosigkeit und Wut beendet. Die Person war extrem uneinfühlsam und danach war ich wirklich in einem tiefen Loch. Ich möchte nicht wissen, wie z.B. eine suizidgefährdete Person auf dieses Telefonat reagiert hätte. Die 116117 hat mir dann nachträglich nochmal bestätigt, dass ich alles richtig gemacht habe.

Aus dem Loch habe ich dann etwa 50 Mails an Therapeut:innen in meiner Umgebung verschickt. Und noch einmal viele Absagen erhalten. Insgesamt hatte ich dann 46 Absagen, 16 per Telefon oder persönlich, 30 per Mail.

Nun begann ich private Therapeut:innen zu suchen, die ein Kostenerstattungsverfahren anbieten. Dies war schwieriger als gedacht. Auch private Therapeut:innen haben scheinbar begrenzte Kapazitäten. Aber letztendlich habe ich eine Therapeutin gefunden. Ich habe ein Erstgespräch zum Kennenlernen aus eigener Tasche bezahlt. Der Grund: Man erhält bei einem erfolgreichem Kostenerstattungsverfahren nur einmal eine Therapeut:in bezahlt, ein Wechsel ist dann nicht mehr möglich. Der Kennenlerntermin war im März 2026. Die Therapeutin meinte, dass Sie vermutlich ab August 2026 einen Kassenplatz hat, aber dass wir parallel ja das Kostenerstattungsverfahren für 6 Sitzungen beantragen können. Damit wäre die Zeit bis August überbrückt. Bei dieser Therapeutin hatte ich auch ein sehr gutes Gefühl. Ich habe aber auch konkret nach Tierkreiszeichen und Esoterik gefragt, aufgrund meiner früheren Erfahrung.

Mit der Liste der 46 Absagen habe ich dann eine Kostenerstattung bei der GKV beantragt. Es wurden dann alle Absagemails nachgefordert. Dies habe ich dann brav nachgeliefert. Daraufhin wurde mein Antrag abgelehnt. Der Grund: In einer der vielen Mails wurde mir zwar eine Einzeltherapie abgelehnt, aber ein Platz in einer Gruppentherapie in Aussicht gestellt. Allerdings wäre das etwas, was ich absolut nicht wollte. Meine sehr persönlichen Probleme hätte ich niemals in einer Gruppe besprechen können. Dafür bin ich nicht der richtige Typ. Und das war schon sehr enttäuschend. Hätte ich die eine Absage mit der zugehörigen Mail unterschlagen, wäre das Ergebnis wahrscheinlich anders gewesen. So hat es sich angefühlt, als ob ich in eine Falle getappt wäre.

Erfolgreicher Weg zum Therapieplatz für mich:

Zum Glück hat meine Therapeutin den Kassensitz ab August. Daher kann ich jetzt bald mit der Therapie beginnen. Gleichzeitig hat sich jetzt auch das eine Ausbildungsinstitut gemeldet. Aber da ich zu diesem Zeitpunkt schon eine Therapeutin gefunden hatte, habe ich abgelehnt. Auch hier hätte es ja sein können, dass die mich Aufgrund der Komplexität meines Falles abgelehnt hätten, wie es das andere Institut getan hat.

Generell hatte ich am Ende extremes Glück. Ich hatte zufällig eine private Sitzung bei einer Therapeutin, die einen Kassensitz in Aussicht hatte, und mir direkt einen ihrer freien Plätze angeboten hat. Ich hätte ansonsten weiter selbst nach Therapeut:innen suchen müssen. Und alle 3-6 Monate bei den Therepeut:innen mit Absage erneut nachfragen müssen, in der Hoffnung auf eine Warteliste zu kommen.

Teil 4

Fazit:

Steht eigentlich schon alles oben. Es war mir wichtig, einen Erfahrungsbericht zu teilen. Mein Frust war groß und ist es auch immer noch. Immerhin habe ich es immer geschafft mit Selbstdisziplin, Durchhaltevermögen und Hartnäckigkeit weiter zu machen. Ich bin mir unsicher, ob das alle Menschen schaffen. Besonders nicht Menschen denen es schlecht geht.

Danke, dass ihr 2 Folgen zu dem Thema gemacht habt. Aber ich fände es gut, wenn es nochmal klargestellt wird, dass es ein Problem mit der Versorgung gibt. Überall. Auch in Großstädten. Und vielleicht ein bisschen mehr beleuchtet wird, dass der Weg schwierig sein kann. Es bleiben definitiv Leute auf der Strecke. Und geben auf. Was nicht gut ist.

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