LDN480 Jahresgutachten der Wirtschaftsweisen zur Konjunktur

Ich finde es immer wieder überraschend wie wir das Jahresgutachten der Wirtschaftsweisen hinnehmen ohne Fragen zu stellen.

Das deutsche BIP ist zwischen 2015 und 2025 um ca. 10-12% gewachsen. Im gleichen Zeitraum sind die überwiegend transnationalen Unternehmen die in DAX, MDax und TecDax notiert sind um über 120% gewachsen. Deutschland ist nicht mehr Exportweltmeister, allerdings immer noch Globalisierungsweltmeister. Unser Konzerne verkaufen, produzieren, optimieren und wachsen global - aber dieses Wachstum kommt in Deutschland nicht mehr an, da sich die Wertschöpfung zunehmend vom Standort entkoppelt. Deshalb verpuffen Steuersenkungen und klassische Nachfragepolitik.

Andere Länder mit ähnlich hoher Globalisierungsrate wie die Niederlande und die Schweiz haben dies längst erkannt und betreiben gezielte Industriepolitik um zu gewährleisten das ein Teil des Wachstums in dem jeweiligen Land ankommt. Deutschland ist ohnehin das einzige große Industrieland, welches nach wie vor glaubt „Der Markt regelt das!“, während China, USA, Frankreich uvm. längst aktive Industriepolitik betreiben. Z.B. Ansiedlung von Zukunftstechnologien und Bildung von Clustern.

Man könnte also die These vertreten das Deutschland nicht gewachsen ist. weil es nicht konnte. Deutschland ist nicht gewachsen, weil der Staat keine Strategie für die Herausforderungen der modernen Welt hat.

PS: Binnenmarkt - Deutschland hat übrigens auch einen der durchlässigsten Binnenmärkte der Welt. Vom privaten Konsum, welcher mehr als 55% der Binnennachfrage darstellt geht inzwischen jeder dritte Euro direkt ins Ausland, Bei Staatskonsum, Bauinvestitionen und Ausrüstungsinvestitionen sind die Effekte für die Wirtschaft insgesamt besser.

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Und ich fand’s überraschend wie wenig das Ziel „Wachstum“ hinterfragt wird - trotz intensiver und fundierter Debatten hier im Forum, nach der Aufforderung von @vieuxrenard und @philipbanse das Thema Wachstumskritik mal zu diskutieren. Siehe Wachstumskritik und Wachstumskritik - bitte nur mit Volkswirten

Natürlich brauchen wir Wachstum in bestimmten Bereichen - Erneuerbare, nachhaltige Mobilität, care economy… aber wenn die Ölindustrie an der Tankstelle Kasse macht, was natürlich auch ins BIP einfließt, ist niemandem gedient.

Die Idee war ja damals die Sinnhaftigkeit von „Wachstum“ und die BIP-Besessenheit mal tiefer in einer Sendung zu beleuchten. Macht ihr das noch?

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Mir scheint das auch ein häufiges Missverständnis bei Politik, Medien und Bevölkerung zu sein. Längst nicht alles was gut für deutsche Unternehmen ist, ist auch gut für die deutsche Volkswirtschaft.

Wenn VW, BASF und Siemens den Großteil ihrer Kunden, sowie ihrer Werke in China, USA und sonstwo haben, dann liegen deren Prioritäten natürlich ganz woanders. Ob die deutsche Wirtschaft nun wächst oder schrumpft, das juckt die am Ende des Tages kaum, solange ihr globales Geschäftsmodell nicht beeinträchtigt wird.

Aber trotzdem sind gerade diese Unternehmen bestens politisch vernetzt. Sie sitzen die in den ganzen Wirtschaftsverbänden und besonders die CDU glaubt nach wie vor, gute Wirtschaftspolitik besteht darin die Belange dieser Verbände in Berlin umzusetzen.

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